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Herzinsuffizienz: Symptome, Behandlung und sichere Rehabilitation

Autorenbild: Roman Welzk | Gründer mein-physio.info
Roman Welzk | Gründer mein-physio.info
vor 4 Tagen
9 Min. Lesezeit

Wenn du beim Treppensteigen schneller ausser Atem bist, deine Füsse anschwellen oder du nachts nur mit erhöhtem Oberkörper bequem liegen kannst, kann eine Herzinsuffizienz eine mögliche Ursache sein. Herzinsuffizienz bedeutet, dass das Herz die Anforderungen des Körpers nicht mehr ausreichend bewältigt oder dies nur unter erhöhten Füllungsdrücken schafft. Sie ist keine einzelne Krankheit, sondern ein klinisches Syndrom mit verschiedenen Ursachen. Eine frühzeitige Abklärung ist wichtig, weil wirksame Medikamente, die Behandlung der Grunderkrankung und eine individuell angepasste kardiologische Rehabilitation Beschwerden und Prognose verbessern können.

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hat 2026 sowohl eine neue Leitlinie zur Herzinsuffizienz als auch erstmals eine umfassende Leitlinie zur kardiologischen Rehabilitation veröffentlicht. Eine zentrale Neuerung ist die Einteilung nach der linksventrikulären Ejektionsfraktion: Die Leitlinie unterscheidet nun zwischen reduzierter Ejektionsfraktion unter 50 Prozent und erhaltener Ejektionsfraktion ab 50 Prozent. Frühere Publikationen kannten zusätzlich die Gruppe mit leicht reduzierter Ejektionsfraktion von 41 bis 49 Prozent. Diese veränderten Begriffe beeinflussen die Einordnung, ersetzen aber nicht die individuelle medizinische Diagnostik.

Was passiert bei einer Herzinsuffizienz?

Das Herz besteht aus zwei Vorhöfen und zwei Kammern. Die rechte Herzhälfte transportiert sauerstoffarmes Blut in die Lunge, die linke pumpt sauerstoffreiches Blut in den Körper. Herzklappen sichern die gerichtete Strömung. Der Herzmuskel muss sich einerseits kräftig zusammenziehen und andererseits zwischen den Schlägen ausreichend entspannen und füllen können. Beides kann bei Herzinsuffizienz gestört sein.

Wenn die Pump- oder Füllfunktion beeinträchtigt ist, erhöhen sich häufig die Druckverhältnisse im Herzen und in den vorgeschalteten Gefässen. Flüssigkeit kann sich unter anderem in der Lunge oder im Gewebe der Beine ansammeln. Die Muskulatur erhält bei Belastung unter Umständen nicht die benötigte Durchblutungsreserve. Gleichzeitig können Inaktivität, Muskelabbau und Begleiterkrankungen die Leistungsfähigkeit zusätzlich reduzieren. Atemnot entsteht dabei nicht zwingend nur durch eine schwache Herzpumpe; auch veränderte Füllungsdrücke und Lungenerkrankungen spielen eine Rolle.

Welche Formen gibt es nach der ESC-Leitlinie 2026?

Bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) liegt nach der neuen ESC-Definition die Auswurffraktion des linken Ventrikels unter 50 Prozent. Bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) liegt sie bei mindestens 50 Prozent. Die Ejektionsfraktion beschreibt, welcher Anteil des enddiastolischen Blutvolumens bei einer Kontraktion ausgeworfen wird. Sie ist wichtig, aber nicht identisch mit dem gesamten Herzzeitvolumen oder der körperlichen Leistungsfähigkeit.

Wichtig: Eine Ejektionsfraktion ab 50 Prozent schliesst Herzinsuffizienz keinesfalls aus. Bei HFpEF sind häufig Füllungsstörungen, erhöhte Druckverhältnisse und Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Adipositas oder Vorhofflimmern relevant. Umgekehrt beweist eine niedrige Ejektionsfraktion nicht ohne weitere Untersuchungen, dass sämtliche aktuellen Beschwerden vom Herzen ausgehen. Klinische Symptome, Bildgebung und Laborbefunde müssen zusammenpassen.

Eine akute Dekompensation bezeichnet eine plötzlich oder rasch zunehmende Verschlechterung mit beispielsweise Flüssigkeitsstauung und Atemnot. Diese Phase erfordert oft dringende ärztliche Behandlung. Die Trainingsregeln für stabile chronische Herzinsuffizienz dürfen darauf nicht einfach übertragen werden.

Typische Symptome und frühe Warnsignale

Früh fällt oft eine reduzierte Belastbarkeit auf: Gewohnte Spaziergänge, Treppen oder Einkäufe werden anstrengender, und nach Belastung dauert die Erholung länger. Hinzukommen können Kurzatmigkeit, ungewöhnliche Erschöpfung, nächtlicher Husten, schnelle Gewichtszunahme durch Flüssigkeitseinlagerung, geschwollene Knöchel oder ein Gefühl der Bauchfülle. Orthopnoe bedeutet, dass Atemnot besonders im Liegen auftritt und durch Aufrichten nachlässt.

Einzelne dieser Zeichen sind unspezifisch. Schwellungen können auch auf eine chronische venöse Insuffizienz hinweisen. Atemnot kann bei COPD, Asthma, Blutarmut, Infektionen oder anderen Erkrankungen auftreten. Herzinsuffizienz wird deshalb nicht allein anhand von geschwollenen Füssen oder Kurzatmigkeit diagnostiziert.

Ursachen und Risikofaktoren

Zu den häufigen Ursachen gehören koronare Herzerkrankung mit früherem Herzinfarkt, langjähriger Bluthochdruck, Erkrankungen des Herzmuskels, Herzklappenfehler und bestimmte Herzrhythmusstörungen. Auch Entzündungen des Herzmuskels, toxische Einflüsse, Stoffwechselerkrankungen oder seltene infiltrative Erkrankungen können beteiligt sein. Es ist wichtig, die konkrete Ursache zu erkennen, weil daraus zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten entstehen können.

Diabetes, chronische Nierenerkrankung, Adipositas, Schlafstörungen und Bewegungsmangel können den Verlauf beeinflussen. Ein Risikofaktor ist aber nicht automatisch die direkte Ursache einer individuellen Erkrankung. Bei Menschen mit mehreren Erkrankungen müssen die Behandlungsempfehlungen abgestimmt werden. Besteht gleichzeitig eine pAVK, muss beispielsweise das Gehtraining sowohl die kardiale Belastungsgrenze als auch die Beinbeschwerden berücksichtigen.

Diagnostik: Welche Untersuchungen klären den Verdacht?

Am Anfang stehen Anamnese und körperliche Untersuchung: Seit wann besteht Atemnot, wie hat sich die Belastbarkeit verändert, welche Vorerkrankungen und Medikamente liegen vor und sind Zeichen einer Flüssigkeitseinlagerung vorhanden? Blutdruck, Puls, Atmung, Körpergewicht, Herz- und Lungenauskultation sowie die Inspektion der Beine helfen bei der klinischen Einschätzung.

Ein Elektrokardiogramm erfasst den Herzrhythmus und mögliche Hinweise auf kardiale Erkrankungen. Blutuntersuchungen mit BNP oder NT-proBNP können den Verdacht unterstützen beziehungsweise bei passenden niedrigen Werten eine Herzinsuffizienz unwahrscheinlicher machen. Ihre Interpretation hängt von Alter, Nierenfunktion, Körpergewicht und klinischem Zusammenhang ab. Das Herzultraschall, die Echokardiografie, ist die zentrale Untersuchung zur Beurteilung von Pump- und Füllfunktion, Herzklappen und Kammergrössen. Bei unklarer Ursache können kardiales MRT und weitere Untersuchungen sinnvoll sein.

Die Diagnose HFpEF ist anspruchsvoller als die einfache Aussage «Auswurffraktion normal». Sie erfordert zusätzlich geeignete Hinweise auf strukturelle oder funktionelle Herzveränderungen und erhöhte Füllungsdrücke. Eine isolierte Zahl darf die Befunde nicht ersetzen. Belastungstests und Spiroergometrie können später helfen, Leistungsfähigkeit und Trainingssicherheit einzuschätzen, sofern die Person medizinisch stabil ist.

Differentialdiagnosen bei Atemnot und Beinschwellung

Plötzliche Atemnot kann beispielsweise durch eine Lungenembolie, einen Herzinfarkt, Pneumothorax oder schwere Infektion entstehen. Langsam zunehmende Belastungsdyspnoe kann auch bei Lungenerkrankungen, Eisenmangel, Adipositas, Dekonditionierung oder anderen Herz-Kreislauf-Störungen auftreten. Einseitige, schmerzhafte Beinschwellung erfordert eine andere Abklärung als beidseitige Flüssigkeitseinlagerung; eine tiefe Venenthrombose darf nicht übersehen werden.

Bei älteren Menschen kann begleitende Frailty die funktionelle Einschränkung verstärken. Trotzdem ist die Diagnose «altersbedingt schwach» keine ausreichende Erklärung für neu auftretende Luftnot. Die richtige Therapie setzt voraus, kardiale und nicht kardiale Anteile sorgfältig zu unterscheiden.

Medikamentöse Behandlung nach aktuellem Stand

Die 2026er ESC-Leitlinie ordnet die Behandlung stärker nach zugrunde liegendem Herzinsuffizienz-Typ und Krankheitsstadium. Bei symptomatischer Herzinsuffizienz kommen unabhängig von der Ejektionsfraktion unter anderem SGLT2-Hemmer wie Dapagliflozin oder Empagliflozin sowie Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten infrage; Eignung, Nierenfunktion, Kalium und individuelle Kontraindikationen müssen ärztlich geprüft werden. Bei reduzierter Ejektionsfraktion sind zusätzlich leitliniengerechte Betablocker und geeignete Medikamente des Renin-Angiotensin-Systems beziehungsweise ARNI wesentliche Bestandteile der Therapie.

Schleifendiuretika können bei nachgewiesener Stauung die Flüssigkeitslast und Atemnot verbessern. Sie sind aber nicht automatisch für alle Situationen in gleicher Dosis richtig; bei übermässiger Entwässerung drohen Blutdruckabfall, Nierenprobleme und Elektrolytstörungen. Verändere daher deine Medikamente nicht eigenständig, auch wenn dein Gewicht schwankt. Ärztinnen und Ärzte beurteilen Therapieeffekt, Nebenwirkungen und Laborwerte und passen die Behandlung nach Verlauf an.

Bei geeigneten Befunden können weitere Optionen wie spezielle Rhythmusbehandlungen, Defibrillatoren, Resynchronisation, Klappeneingriffe oder selten eine fortgeschrittene Herzersatztherapie hinzukommen. Keine dieser Massnahmen ist eine generelle Standardlösung für jeden Herzinsuffizienz-Patienten.

Was bringt kardiologische Rehabilitation?

Kardiologische Rehabilitation kombiniert ärztlich überwachte Belastungsplanung, Bewegungstherapie, Gesundheitsbildung und Unterstützung beim Selbstmanagement. Sie ist nicht bloss ein Fitnessprogramm. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit von Molloy und Mitarbeitenden sowie die ESC-Rehabilitationsleitlinie 2026 zeigen, dass strukturiertes Training bei ausgewählten stabilen Menschen mit Herzinsuffizienz körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität verbessern und das Risiko von Krankenhausaufenthalten senken kann. Effekte auf die Gesamtsterblichkeit sind nicht für jede Patientengruppe gleich sicher belegt.

Die 2026er ESC-Leitlinie empfiehlt individuell angepasstes Training innerhalb einer multidisziplinären Rehabilitation bei stabiler Herzinsuffizienz. Auch für HFpEF spricht die Evidenz für bessere Belastbarkeit und Lebensqualität. Entscheidend sind medizinische Stabilität, passende Trainingsintensität, regelmässige Überprüfung und eine sichere langfristige Fortführung. Intensive Belastung ohne vorherige Freigabe ist bei frischer Dekompensation oder Hochrisikokonstellationen nicht angemessen.

Bewegungstherapie: Ausdauer, Kraft und Atemarbeit

Ausdauertraining kann beispielsweise auf einem Ergometer, beim kontrollierten Gehen oder auf einem anderen geeigneten Gerät stattfinden. Die Belastung wird anhand von ärztlichen Befunden, Belastungstest, Symptomen, Blutdruck, Herzfrequenz und subjektiver Anstrengung verordnet. Eine pauschale Herzfrequenzformel ist besonders unter Betablockertherapie häufig unzuverlässig. In manchen Situationen ist die Borg-Skala zur subjektiven Belastung ein wichtiger Zusatz.

Krafttraining adressiert die häufig reduzierte Muskelkraft und unterstützt das Aufstehen, Tragen und Treppensteigen. Typischerweise werden grosse Muskelgruppen funktionell trainiert, zunächst mit geringeren Widerständen und kontrollierter Atmung. Pressatmung und plötzliches maximal schweres Heben können ungünstige Blutdruckreaktionen auslösen. Gezieltes Atemmuskeltraining kann bei ausgewählten Betroffenen mit inspiratorischer Muskelschwäche ergänzend eingesetzt werden, ersetzt aber keine medizinische Behandlung.

Video aus unserem YouTube-Kanal: allgemeine Einführung zu Physiotherapie und Gesundheit. Das Video behandelt nicht speziell das Erkrankungsbild dieses Artikels.

Drei alltagsnahe Übungsbeispiele – nur bei medizinischer Stabilität

Die folgenden Vorschläge sind bewusst niedrigschwellige Beispiele und keine individuelle Belastungsverordnung. Sie eignen sich erst nach ärztlicher Freigabe und idealerweise nach Einführung durch eine kardiale Rehabilitation. Bei zunehmender Atemnot, Brustdruck, Schwindel, ungewohntem Herzrasen oder starker Schwäche wird die Übung beendet und die Ursache abgeklärt.

1. Kurze Gehintervalle auf ebenem Untergrund

Wähle einen freien, ebenen Weg und beginne mit einer individuell freigegebenen Gehzeit, beispielsweise zwei bis fünf Minuten in angenehmem Tempo. Du solltest noch in kurzen Sätzen sprechen können. Danach folgt eine Pause. Erst wenn die Belastung an mehreren Tagen verträglich bleibt, kann die Zeit langsam verlängert werden. Bei bestehender Sturzgefahr wird begleitet oder mit passend angepasstem Hilfsmittel trainiert.

2. Kontrolliertes Aufstehen vom Stuhl

Setze dich auf einen stabilen Stuhl mit geeigneter Sitzhöhe. Stelle die Füsse fest auf, neige den Oberkörper leicht nach vorn und stehe mit ruhiger Ausatmung auf. Setze dich langsam wieder hin. Drei bis sechs Wiederholungen können ein vorsichtiger Anfang sein, sofern dies ärztlich freigegeben wurde. Halte die Luft nicht an und beende die Aufgabe bei Beschwerden. Das Training soll den Alltag erleichtern und keine maximale Ausbelastung erzeugen.

3. Ruhige Atemkoordination in aufrechter Haltung

Setze dich aufrecht hin und lockere die Schultern. Atme ohne forciertes Ein- oder Ausatmen ruhig ein und aus. Beobachte, ob eine angenehme Sitzposition und langsame Atemkoordination die Belastungswahrnehmung verbessern. Diese Übung dient der Entspannung und Körperwahrnehmung; sie beseitigt keine Flüssigkeit in der Lunge und ist keine Behandlung akuter Luftnot. Bei plötzlich schwerer Atemnot ist sofort medizinische Hilfe erforderlich.

Wann darf bei Herzinsuffizienz nicht trainiert werden?

Vor einer Bewegungseinheit muss bei neu aufgetretener Ruheatemnot, akuter Stauung, instabiler Angina pectoris, schweren symptomatischen Rhythmusstörungen, relevanter Kreislaufinstabilität oder anderen akuten Erkrankungen eine medizinische Bewertung erfolgen. Die ESC-Leitlinien betonen spezifische Kontraindikationen. Auch frische medikamentöse Umstellungen können die Belastbarkeit und Blutdruckreaktion verändern.

Training wird nicht anhand starrer Internetvorgaben begonnen. Besonders nach einem Krankenhausaufenthalt muss geklärt werden, ob und wann die medizinische Stabilisierung erreicht ist, ob ein betreutes Setting benötigt wird und welche Warnsignale individuell bedeutsam sind. Eine qualifizierte kardiologische Rehabilitation verbindet medizinische Sicherheit mit der Vermeidung unnötiger dauerhafter Schonung.

Selbstmanagement: Gewicht, Symptome, Medikamente und Lebensstil

Besprich mit deinem Behandlungsteam, ob eine regelmässige Gewichtskontrolle sinnvoll ist und bei welchen individuellen Veränderungen du Kontakt aufnehmen sollst. Eine plötzliche Zunahme kann auf Flüssigkeit hindeuten, muss aber stets zusammen mit Symptomen betrachtet werden. Die Versorgung umfasst ausserdem die Kontrolle von Blutdruck, Verträglichkeit der Medikamente, geeignete Ernährung und Beratung zu Tabak, Alkohol sowie körperlicher Aktivität.

Flüssigkeits- und Salzempfehlungen sind individuell: Eine pauschale strenge Trinkmengenbegrenzung ist nicht für jede stabile Person mit Herzinsuffizienz richtig. Auch eigenmächtige Diäten oder Supplemente können mit Nierenfunktion und Medikamenten kollidieren. Besprich alltagstaugliche Ziele statt pauschaler Internetregeln. Menschen mit Schlafapnoe oder anderen Begleiterkrankungen können zusätzliche Diagnostik und Behandlung benötigen.

Warnzeichen: wann ist es ein Notfall?

Sofort Notfallhilfe: plötzlich schwere Luftnot, Brustschmerz oder Brustdruck, Bewusstlosigkeit, bläuliche Lippen, ausgeprägte Verwirrtheit oder akute Atemnot mit schaumigem Auswurf sind potenziell lebensbedrohlich. Ebenso müssen neue Lähmungen oder Sprachstörungen sofort abgeklärt werden. In der Schweiz ist die Sanitätsnotrufnummer 144 erreichbar.

Zeitnah ärztlich Kontakt aufnehmen: deutlich zunehmende Atemnot, stärkerer Bedarf an erhöhtem Liegen, rasch zunehmende Ödeme, ungewohnte Erschöpfung oder schnelle Gewichtsveränderung über die individuell vereinbarte Schwelle. Warte bei einer klaren Verschlechterung nicht auf den nächsten regulären Therapietermin. Reine Muskelermüdung nach angepasst kontrolliertem Training muss davon unterschieden werden.

Häufige Fragen

Ist Herzinsuffizienz dasselbe wie ein Herzinfarkt?

Nein. Ein Herzinfarkt ist ein akutes Ereignis, das Herzmuskel schädigen und später Herzinsuffizienz verursachen kann. Herzinsuffizienz ist ein Syndrom eingeschränkter kardialer Funktion beziehungsweise erhöhter Füllungsdrücke mit vielfältigen möglichen Ursachen.

Darf ich mit Herzinsuffizienz Sport machen?

Bei stabiler Erkrankung ist individuell verordnetes Training häufig ausdrücklich sinnvoll. Die Art und Intensität hängen jedoch vom Risiko, von Begleiterkrankungen und der aktuellen Behandlung ab. Akute Dekompensation ist keine Situation für eigenständig begonnenes Training.

Bedeutet eine normale Ejektionsfraktion, dass mein Herz gesund ist?

Nein. Eine Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion ist möglich. Beschwerden, Bildgebung, Laborwerte und gegebenenfalls weiterführende funktionelle Tests werden gemeinsam beurteilt.

Kann Physiotherapie die Medikamente ersetzen?

Nein. Training und medizinische Therapie ergänzen sich. Kardiologische Rehabilitation kann die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern, ersetzt aber keine ursachengerichtete Behandlung und keine bei dir notwendige medikamentöse Versorgung.

Fazit

Herzinsuffizienz ist heute in vielen Situationen wirksam behandelbar. Die ESC-Leitlinien 2026 präzisieren die Diagnosekategorien, die medikamentöse Therapie und den Nutzen der kardiologischen Rehabilitation. Bei medizinisch stabilen Menschen können individuell dosiertes Ausdauer- und Krafttraining, Gesundheitsbildung und langfristige Aktivität die Lebensqualität und Alltagsfunktion verbessern. Entscheidend ist die Trennung zwischen stabiler Erkrankung, bei der gezieltes Training sinnvoll ist, und akuter Verschlechterung, bei der medizinische Behandlung Vorrang hat.

Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Informationen

Køber, L., Adamo, M., et al. (2026). 2026 ESC Guidelines for the management of heart failure. European Heart Journal, 47(38), 5346–5457. Originalquelle – Aktuellste europäische Leitlinie zu Einteilung, Diagnostik, medikamentöser Therapie und Rehabilitation.

Bäck, M., Wilhelm, M., Hansen, D., et al. (2026). 2026 ESC Guidelines on cardiac rehabilitation. European Heart Journal, 47(39), 5631–5729. Originalquelle – Europäische Fachleitlinie zu sicherem und wirksamem Rehabilitationsmanagement bei Herzerkrankungen.

Molloy, C., Long, L., Mordi, I. R., et al. (2024). Exercise-based cardiac rehabilitation for adults with heart failure. Cochrane Database of Systematic Reviews, 3, CD003331. Originalquelle – Systematische Evidenzübersicht zu Training, Lebensqualität und Krankenhausaufenthalten.

European Society of Cardiology. (2026). Major changes made to the ESC Guidelines on heart failure. Originalquelle – Erläutert die 2026 überarbeitete Klassifikation nach Ejektionsfraktion.

European Society of Cardiology. (2026). 2026 ESC Guidelines on Cardiac Rehabilitation – guideline overview. Originalquelle – Einordnung der neuen Rehabilitationsleitlinie und weiterführende Unterlagen.

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