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Sarkopenie: Muskelabbau im Alter erkennen und mit Krafttraining gegensteuern

vor 13 Stunden
11 Min. Lesezeit

Von Roman Welzk – Physiotherapeut | Mein Physio


Mit zunehmendem Alter verändert sich unser Körper. Viele Menschen bemerken zunächst, dass ihnen alltägliche Tätigkeiten schwerer fallen. Die Treppe wird anstrengender, das Aufstehen aus einem tiefen Sessel erfordert plötzlich mehr Kraft und längere Spaziergänge führen schneller zur Erschöpfung. Häufig werden diese Veränderungen als unvermeidbare Begleiterscheinungen des Älterwerdens betrachtet. Dabei kann hinter einer nachlassenden Muskelkraft eine Erkrankung stecken, die in der Medizin als Sarkopenie bezeichnet wird.

Sarkopenie beschreibt eine Erkrankung der Skelettmuskulatur, bei der insbesondere Muskelkraft und Muskelmasse beziehungsweise Muskelqualität beeinträchtigt sind. Sie kann die Selbstständigkeit erheblich einschränken und das Risiko für Stürze, funktionelle Einschränkungen und Pflegebedürftigkeit erhöhen.

In meiner Arbeit als Physiotherapeut habe ich viele Menschen behandelt, deren körperliche Belastbarkeit durch Erkrankungen, längere Krankenhausaufenthalte oder zunehmende Inaktivität deutlich abgenommen hatte. Besonders in der neurologischen Rehabilitation wird sichtbar, wie entscheidend Muskelkraft für die Selbstständigkeit im Alltag ist. Dabei geht es nicht darum, möglichst grosse Muskeln aufzubauen, sondern grundlegende Fähigkeiten wie sicheres Gehen, Aufstehen, Treppensteigen und eigenständige Körperpflege zu erhalten.

Die gute Nachricht ist, dass unsere Muskulatur auch im höheren Lebensalter auf Trainingsreize reagieren kann. Selbst Menschen, die über viele Jahre kaum Sport betrieben haben, können ihre Kraft und funktionelle Leistungsfähigkeit durch geeignetes Training verbessern. Wie stark diese Verbesserungen ausfallen, hängt unter anderem vom Gesundheitszustand, der Trainingsintensität und der Regelmässigkeit ab.



Was ist Sarkopenie?

Der Begriff Sarkopenie stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Begriffen für Fleisch und Verlust zusammen. Ursprünglich wurde damit vor allem der altersbedingte Verlust von Muskelmasse beschrieben. Inzwischen hat sich das medizinische Verständnis deutlich weiterentwickelt.

Die europäische Arbeitsgruppe für Sarkopenie bei älteren Menschen, kurz EWGSOP2, betont in ihrer Konsensdefinition insbesondere die Bedeutung der Muskelkraft. Eine verminderte Muskelkraft gilt als wichtiges Merkmal einer wahrscheinlichen Sarkopenie. Die Diagnose wird durch eine reduzierte Muskelmasse oder Muskelqualität bestätigt.

Das ist ein entscheidender Unterschied zur früheren Betrachtungsweise. Denn ein Mensch kann vergleichsweise wenig Muskelmasse besitzen und trotzdem körperlich leistungsfähig sein. Umgekehrt können Menschen mit normalem oder erhöhtem Körpergewicht eine erheblich eingeschränkte Muskelkraft aufweisen.

Sarkopenie ist deshalb nicht ausschliesslich eine Frage der sichtbaren Muskelmasse. Entscheidend ist, ob die Muskulatur ihre Aufgaben im Alltag noch ausreichend erfüllen kann.



Ab welchem Alter beginnt der Muskelabbau?

Veränderungen der Muskelmasse und Muskelkraft beginnen nicht erst mit 70 oder 80 Jahren. Bereits im mittleren Erwachsenenalter lassen sich altersabhängige Veränderungen beobachten. Wie schnell diese fortschreiten, unterscheidet sich jedoch erheblich zwischen einzelnen Menschen.

Einige Untersuchungen zeigen, dass der Verlust an Muskelkraft mit zunehmendem Alter schneller verlaufen kann als der reine Verlust an Muskelmasse. Neben strukturellen Veränderungen der Muskulatur spielen dabei auch Veränderungen des Nervensystems eine Rolle.

Allerdings darf das biologische Altern nicht mit körperlicher Inaktivität gleichgesetzt werden. Ein Teil des Leistungsabfalls, den wir mit höherem Lebensalter verbinden, hängt mit veränderten Lebensgewohnheiten zusammen.

Wer beispielsweise viele Jahre körperlich wenig aktiv ist, kann bereits in vergleichsweise jungen Jahren an Kraft und Belastbarkeit verlieren. Umgekehrt können regelmässig trainierende ältere Menschen ein erstaunlich hohes körperliches Leistungsniveau erreichen.

Das bedeutet nicht, dass sich sämtliche Alterungsprozesse durch Sport verhindern lassen. Aber es zeigt, dass wir einen wesentlichen Teil unserer körperlichen Leistungsfähigkeit beeinflussen können.



Welche Symptome sind typisch für Sarkopenie?

Eine Sarkopenie entwickelt sich häufig schleichend. Gerade deshalb wird sie im Alltag zunächst nicht immer erkannt. Viele Betroffene führen die Veränderungen auf das Alter zurück und passen ihre Aktivitäten unbewusst an.

Typisch sind Schwierigkeiten beim Aufstehen von einem Stuhl, eine verringerte Gehgeschwindigkeit, Probleme beim Treppensteigen und eine abnehmende Fähigkeit, Gegenstände zu tragen oder zu heben.

Auch eine erhöhte Sturzneigung kann auftreten. Wer beispielsweise beim Gehen unsicher wird oder sich häufiger an Möbeln und Geländern festhalten muss, sollte die Ursachen untersuchen lassen.

Ein weiteres mögliches Zeichen ist eine zunehmende Erschöpfung bei alltäglichen körperlichen Aktivitäten. Allerdings ist Müdigkeit allein kein spezifisches Symptom einer Sarkopenie.

Besonders wichtig ist, dass sich eine nachlassende Muskelkraft nicht immer am Körpergewicht erkennen lässt. Auch Menschen mit Übergewicht können eine Sarkopenie entwickeln.

Wenn gleichzeitig ein hoher Körperfettanteil und eine beeinträchtigte Muskelgesundheit vorliegen, wird häufig von sarkopener Adipositas gesprochen.



Warum verlieren wir mit zunehmendem Alter Muskelmasse?

Die Entstehung einer Sarkopenie ist komplex. Es handelt sich nicht um einen einzelnen Prozess, sondern um das Zusammenspiel verschiedener biologischer und lebensstilabhängiger Faktoren.

Mit zunehmendem Alter verändern sich unter anderem die Regeneration der Muskulatur, die neuromuskuläre Steuerung und die Fähigkeit, Muskelproteine aufzubauen. Gleichzeitig können chronische Erkrankungen, entzündliche Prozesse und bestimmte Medikamente die Muskelgesundheit beeinflussen.

Eine besondere Rolle spielt die sogenannte anabole Resistenz. Damit ist gemeint, dass die Muskulatur im höheren Lebensalter auf bestimmte aufbauende Reize, beispielsweise eine Proteinzufuhr oder körperliche Belastung, weniger ausgeprägt reagieren kann.

Daraus folgt jedoch nicht, dass ältere Menschen keine Muskulatur mehr aufbauen können. Vielmehr kann es notwendig sein, Trainings- und Ernährungsstrategien gezielter auf die individuelle Situation abzustimmen.

Ein weiterer wesentlicher Faktor ist körperliche Inaktivität. Gerade längere Phasen der Bettruhe oder eingeschränkten Mobilität können den Abbau von Muskelmasse und Kraft beschleunigen.

In der Rehabilitation begegnet man diesem Problem häufig nach Operationen, schweren Erkrankungen oder längeren Krankenhausaufenthalten. Der anschliessende Wiederaufbau körperlicher Fähigkeiten kann wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen als der ursprüngliche Leistungsabbau.



Kann man Muskelabbau im Alter stoppen?

Der altersbedingte Muskelabbau lässt sich nicht in jedem Fall vollständig verhindern. Allerdings können regelmässiges Krafttraining, ausreichende körperliche Aktivität und eine bedarfsgerechte Ernährung wesentlich dazu beitragen, Muskelkraft und funktionelle Fähigkeiten zu erhalten oder zu verbessern.

Besonders gut untersucht ist das progressive Krafttraining. Dabei wird die Muskulatur wiederholt gegen einen Widerstand belastet, der mit zunehmender Leistungsfähigkeit angepasst wird.

Unser Körper reagiert auf solche Trainingsreize mit Anpassungsprozessen. Dazu gehören Veränderungen der Muskelkraft, der neuromuskulären Koordination und bei geeignetem Training auch der Muskelmasse.

Wichtig ist, dass diese Anpassungsfähigkeit nicht mit dem Erreichen eines bestimmten Lebensalters vollständig verloren geht.

Auch hochbetagte Menschen können von gezieltem Krafttraining profitieren. Entscheidend ist, dass die Übungen zum gesundheitlichen Zustand passen und ausreichend intensiv sind, um überhaupt einen Anpassungsreiz auszulösen.



Wie wichtig ist Krafttraining ab 50, 60 oder 70 Jahren?

Krafttraining wird häufig vor allem mit jungen Menschen und Muskelaufbau im Fitnessstudio verbunden. Tatsächlich gehört es zu den wichtigsten körperlichen Aktivitäten, um die funktionelle Selbstständigkeit im Alter zu unterstützen.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen und älteren Menschen muskelkräftigende Aktivitäten an mindestens zwei Tagen pro Woche. Dabei sollten möglichst alle grossen Muskelgruppen berücksichtigt werden.

Für Menschen ab 65 Jahren wird zusätzlich ein regelmässiges Training empfohlen, das Kraft, Gleichgewicht und funktionelle Bewegungen kombiniert.

Die Empfehlungen dienen nicht ausschliesslich dem Muskelaufbau. Vielmehr geht es darum, die körperliche Leistungsfähigkeit möglichst lange zu erhalten und das Risiko für funktionelle Einschränkungen zu reduzieren.

Dabei müssen ältere Menschen nicht zwangsläufig schwere Gewichte im Fitnessstudio bewegen. Je nach Ausgangssituation können bereits Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, elastischen Trainingsbändern oder einfachen Trainingsgeräten sinnvoll sein.

Mit zunehmender Leistungsfähigkeit sollte die Belastung allerdings angepasst werden. Wer dauerhaft ausschliesslich sehr leichte Übungen durchführt, erreicht möglicherweise nicht den Trainingsreiz, der für eine relevante Kraftsteigerung erforderlich ist.



Die 5 wichtigsten Übungen gegen Muskelabbau im Alter

Die folgenden Übungen können Bestandteil eines grundlegenden Krafttrainings sein. Sie eignen sich insbesondere für Menschen, die ihre körperliche Belastbarkeit verbessern möchten. Bei ausgeprägter Gebrechlichkeit, neurologischen Erkrankungen oder relevanten Einschränkungen sollte das Training individuell angepasst und gegebenenfalls physiotherapeutisch begleitet werden.


Übung 1: Aufstehen vom Stuhl

Eine der wichtigsten funktionellen Bewegungen unseres Alltags ist das Aufstehen aus einer sitzenden Position.

Setze dich auf einen stabilen Stuhl und stelle beide Füsse ungefähr hüftbreit auf den Boden. Beuge den Oberkörper leicht nach vorne und stehe möglichst kontrolliert auf. Anschliessend setzt du dich langsam wieder hin.

Je nach Leistungsfähigkeit kannst du deine Hände zur Unterstützung verwenden oder versuchen, ohne Hilfe aufzustehen.

Beginne beispielsweise mit fünf bis zehn Wiederholungen. Wenn du die Bewegung sicher beherrschst, kannst du die Wiederholungszahl oder die Belastung schrittweise erhöhen.

Diese Übung trainiert insbesondere die Muskulatur der Beine und des Gesässes und besitzt einen unmittelbaren Bezug zum Alltag.


Übung 2: Wadenheben im Stand

Die Wadenmuskulatur spielt eine wichtige Rolle beim Gehen, Treppensteigen und bei der Kontrolle bestimmter Gleichgewichtsbewegungen.

Stelle dich aufrecht hin und halte dich bei Bedarf an einer stabilen Lehne fest. Hebe nun langsam beide Fersen vom Boden ab und stelle dich auf die Zehenspitzen. Anschliessend senkst du die Fersen kontrolliert wieder ab.

Beginne mit ungefähr zehn Wiederholungen.

Wenn die Übung zu leicht wird und du ausreichend sicher stehst, kann die Belastung später gesteigert werden.


Übung 3: Rudern mit einem Trainingsband

Die Muskulatur des oberen Rückens und Schultergürtels unterstützt zahlreiche alltägliche Bewegungen. Dazu gehören das Ziehen, Tragen und kontrollierte Bewegen der Arme.

Befestige ein geeignetes Trainingsband sicher auf Brusthöhe. Greife die Enden und ziehe die Ellenbogen kontrolliert nach hinten. Anschliessend führst du die Arme langsam wieder nach vorne.

Wähle einen Widerstand, der ungefähr acht bis zwölf technisch saubere Wiederholungen erlaubt.

Mit zunehmender Kraft kann der Widerstand erhöht werden.


Übung 4: Seitliches Beinheben

Diese Übung trainiert unter anderem die seitliche Hüftmuskulatur, die für die Stabilisierung des Beckens während des Gehens wichtig ist.

Stelle dich neben einen stabilen Stuhl oder eine Wand und halte dich bei Bedarf fest. Hebe ein Bein langsam seitlich an, ohne den Oberkörper stark zur Gegenseite zu neigen.

Senke das Bein anschliessend kontrolliert wieder ab.

Beginne mit acht bis zwölf Wiederholungen pro Seite. Später kann die Übung beispielsweise durch ein elastisches Trainingsband erschwert werden.


Übung 5: Gleichgewichtstraining im sicheren Stand

Neben der Muskelkraft spielt auch das Gleichgewicht eine wichtige Rolle für die Selbstständigkeit im Alter.

Stelle dich neben eine stabile Arbeitsfläche und versuche, deine Füsse etwas enger zusammenzustellen. Wenn dies sicher gelingt, kannst du später eine versetzte Fussstellung ausprobieren.

Halte die Position zunächst für etwa zehn bis zwanzig Sekunden.

Wichtig ist, dass du jederzeit die Möglichkeit hast, dich festzuhalten. Menschen mit erhöhter Sturzgefahr sollten solche Übungen nicht ohne entsprechende Absicherung durchführen.

Gleichgewichtstraining ersetzt kein Krafttraining, kann dieses aber sinnvoll ergänzen.



Reicht Spazierengehen gegen Muskelabbau?

Spazierengehen ist eine sinnvolle Form körperlicher Aktivität. Es unterstützt unter anderem die Ausdauer, Mobilität und allgemeine Gesundheit.

Allerdings reicht gewöhnliches Gehen allein häufig nicht aus, um einen deutlichen Aufbau der Muskelkraft zu erreichen.

Besonders die Muskulatur der Beine benötigt mit zunehmender Leistungsfähigkeit ausreichend hohe Belastungsreize, um stärker zu werden.

Das bedeutet nicht, dass ältere Menschen auf Spaziergänge verzichten sollten. Vielmehr ist eine Kombination aus regelmässiger Alltagsbewegung, Krafttraining und Gleichgewichtsübungen sinnvoll.

Die WHO empfiehlt älteren Erwachsenen zusätzlich zu muskelkräftigenden Aktivitäten mindestens 150 bis 300 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche oder eine entsprechende Menge intensiver Aktivität, sofern der Gesundheitszustand dies zulässt.

Dabei gilt: Auch wer diese Empfehlungen zunächst nicht erreicht, kann von einer schrittweisen Steigerung seiner körperlichen Aktivität profitieren.



Welche Ernährung hilft bei Sarkopenie?

Neben regelmässigem Krafttraining spielt die Ernährung eine wichtige Rolle für die Muskelgesundheit.

Unsere Muskulatur benötigt ausreichend Energie und essenzielle Aminosäuren, um Muskelproteine aufzubauen und bestehende Strukturen zu erhalten.

Besonders wichtig ist eine ausreichende Proteinzufuhr. Bei älteren Menschen kann der Proteinbedarf je nach gesundheitlicher Situation höher liegen als bei jüngeren Erwachsenen.

Einige internationale Ernährungsempfehlungen nennen für gesunde ältere Menschen etwa 1,0 bis 1,2 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Bei bestimmten Erkrankungen oder in der Rehabilitation können andere Mengen sinnvoll sein.

Diese Werte sind jedoch keine pauschale Empfehlung für jeden Menschen. Insbesondere bei relevanten Nierenerkrankungen muss die Proteinzufuhr individuell medizinisch beurteilt werden.

Wichtige Proteinquellen sind beispielsweise Milchprodukte, Eier, Fisch, Fleisch, Hülsenfrüchte und Sojaprodukte.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist eine ausreichende Energiezufuhr. Wer dauerhaft zu wenig Kalorien aufnimmt, kann trotz einer vergleichsweise hohen Proteinzufuhr Schwierigkeiten haben, Muskelmasse aufzubauen.

Gerade ältere Menschen mit geringem Appetit, Kauproblemen oder unbeabsichtigtem Gewichtsverlust sollten deshalb auch auf ihren allgemeinen Ernährungszustand achten.



Kann Kreatin bei Muskelabbau im Alter helfen?

Kreatin gehört zu den am besten untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln im Sportbereich. In Kombination mit Krafttraining kann eine Kreatinsupplementierung bei bestimmten älteren Erwachsenen zusätzliche Verbesserungen der fettfreien Körpermasse und möglicherweise der Muskelkraft unterstützen.

Die Ergebnisse unterscheiden sich allerdings je nach Untersuchung, Dosierung und Trainingsprogramm. Kreatin ist deshalb kein Ersatz für regelmässige körperliche Aktivität oder eine ausreichende Ernährung.

Auch handelt es sich nicht um eine notwendige Behandlung für jeden Menschen mit Sarkopenie.

Besonders bei bestehenden Erkrankungen oder regelmässiger Medikamenteneinnahme sollte die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln individuell abgeklärt werden.

Auf Mein Physio findest du bereits einen ausführlichen Artikel zur Wirkung von Kreatin, den du an dieser Stelle intern verlinken kannst.



Wie wird Sarkopenie diagnostiziert?

Eine Sarkopenie lässt sich nicht allein anhand des Körpergewichts oder des sichtbaren Muskelumfangs feststellen.

Im Rahmen der medizinischen Diagnostik können unterschiedliche Verfahren eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise Messungen der Handgreifkraft, funktionelle Tests und Untersuchungen der Körperzusammensetzung.

Ein häufig verwendeter funktioneller Test ist der sogenannte Chair-Stand-Test. Dabei wird geprüft, wie schnell eine Person mehrfach hintereinander von einem Stuhl aufstehen kann.

Auch die Gehgeschwindigkeit kann wichtige Informationen über die körperliche Leistungsfähigkeit liefern.

Für die Untersuchung der Muskelmasse können unter anderem die Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) oder die bioelektrische Impedanzanalyse eingesetzt werden.

Die Auswahl der Untersuchungen hängt von der medizinischen Fragestellung und den verfügbaren Möglichkeiten ab.

Wichtig ist, dass einzelne Testergebnisse immer im Zusammenhang mit dem Gesundheitszustand interpretiert werden.



Warum ist Sarkopenie besonders nach Krankenhausaufenthalten problematisch?

Eine der Situationen, in denen die Bedeutung der Muskelkraft besonders deutlich wird, ist ein längerer Krankenhausaufenthalt.

Wer aufgrund einer Erkrankung oder Operation mehrere Tage überwiegend im Bett verbringt, kann relativ schnell an Muskelkraft und körperlicher Leistungsfähigkeit verlieren.

Bei älteren Menschen kann dieser Leistungsabfall besonders ausgeprägt sein, da häufig bereits eine reduzierte körperliche Reserve besteht.

Dadurch entsteht ein problematischer Kreislauf: Weniger Bewegung führt zu einer weiteren Abnahme der Belastbarkeit. Dadurch werden alltägliche Aktivitäten zunehmend schwieriger, was wiederum die körperliche Aktivität reduziert.

In der physiotherapeutischen Rehabilitation gehört es deshalb zu den zentralen Aufgaben, vorhandene Ressourcen möglichst früh zu aktivieren und verlorene Fähigkeiten schrittweise wieder aufzubauen.

Wie früh eine Mobilisation erfolgen kann, hängt selbstverständlich von der jeweiligen Erkrankung und medizinischen Stabilität ab.



Kann man mit 80 Jahren noch Muskeln aufbauen?

Ja. Auch im hohen Lebensalter kann die Muskulatur auf geeignete Trainingsreize reagieren.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass selbst sehr alte Menschen durch progressives Krafttraining ihre Muskelkraft verbessern können.

Die erzielbaren Fortschritte unterscheiden sich individuell. Faktoren wie Vorerkrankungen, Mobilität, Ernährungszustand und Trainingsintensität beeinflussen das Ergebnis.

Entscheidend ist nicht, mit einer möglichst hohen Belastung zu beginnen. Vielmehr sollte das Training auf dem aktuellen Leistungsniveau aufbauen und anschliessend schrittweise gesteigert werden.

Für einen Menschen, der kaum noch selbstständig aufstehen kann, kann bereits das wiederholte Aufstehen unter Anleitung ein wichtiger Trainingsreiz sein.

Für einen körperlich aktiven 80-Jährigen können dagegen deutlich anspruchsvollere Kraftübungen geeignet sein.

Es gibt deshalb keine einzelne Trainingsmethode, die für alle älteren Menschen gleichermassen sinnvoll ist.



Häufige Fragen zu Sarkopenie und Muskelabbau


Ist Muskelabbau im Alter normal?

Bestimmte Veränderungen der Muskulatur gehören zum biologischen Alterungsprozess. Eine ausgeprägte Abnahme der Muskelkraft oder eine diagnostizierte Sarkopenie sollte jedoch nicht einfach als unvermeidbar hingenommen werden.


Wie schnell kann man verlorene Muskelmasse wieder aufbauen?

Der zeitliche Verlauf hängt unter anderem vom Ausgangszustand, der Ernährung und dem Training ab. Erste Kraftverbesserungen können innerhalb einiger Wochen auftreten. Veränderungen der Muskelmasse benötigen häufig mehr Zeit.


Welche Sportart ist gegen Sarkopenie am besten?

Progressives Krafttraining gehört zu den wichtigsten Massnahmen. Ergänzend sind Ausdauertraining, Gleichgewichtsübungen und regelmässige Alltagsbewegung sinnvoll.


Kann man Sarkopenie wieder rückgängig machen?

Muskelkraft und funktionelle Leistungsfähigkeit können sich durch gezieltes Training häufig verbessern. Ob eine bestehende Sarkopenie vollständig rückgängig gemacht werden kann, hängt vom individuellen Gesundheitszustand und der Ursache ab.


Ist Muskelabbau trotz normalem Gewicht möglich?

Ja. Auch Menschen mit normalem Gewicht oder Übergewicht können eine reduzierte Muskelmasse und Muskelkraft aufweisen. Das Körpergewicht allein ist deshalb kein zuverlässiges Diagnosekriterium.



Mein Fazit als Physiotherapeut

Muskelkraft ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um möglichst lange selbstständig und körperlich aktiv zu bleiben. Sie beeinflusst grundlegende Fähigkeiten wie das Gehen, Aufstehen, Treppensteigen und die Bewältigung alltäglicher Aufgaben.

In meiner Arbeit als Physiotherapeut erlebe ich immer wieder, wie stark eine abnehmende körperliche Belastbarkeit das Leben verändern kann. Gleichzeitig sehe ich, welche Fortschritte Menschen erreichen können, wenn sie wieder gezielt und regelmässig trainieren.

Dabei geht es nicht um sportliche Höchstleistungen. Für viele Menschen ist bereits die Fähigkeit, ohne fremde Hilfe aus einem Stuhl aufzustehen oder eine Treppe sicher zu bewältigen, ein wesentlicher Gewinn an Lebensqualität.

Sarkopenie verdient deshalb deutlich mehr Aufmerksamkeit. Denn während wir zahlreiche altersbedingte Veränderungen nur begrenzt beeinflussen können, besitzen wir bei der Muskelgesundheit wichtige Handlungsmöglichkeiten.

Mein Rat lautet: Beginne frühzeitig damit, deine Muskulatur regelmässig zu trainieren. Und wenn du bereits deutliche Einschränkungen bemerkst, betrachte diese nicht automatisch als unvermeidbare Folge des Alters. Eine medizinische Untersuchung und ein angepasstes Trainingsprogramm können helfen, vorhandene Möglichkeiten besser zu nutzen.

Roman Welzk – Physiotherapeut | Mein Physio



Wissenschaftliche Quellen

  1. Cruz-Jentoft, A. J., et al. (2019). Sarcopenia: Revised European consensus on definition and diagnosis. Age and Ageing, 48(1), 16–31. https://doi.org/10.1093/ageing/afy169

  2. World Health Organization. (2020). WHO guidelines on physical activity and sedentary behaviour. https://www.who.int/publications/i/item/9789240015128

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  4. Deutz, N. E. P., et al. (2014). Protein intake and exercise for optimal muscle function with aging: Recommendations from the ESPEN Expert Group. Clinical Nutrition, 33(6), 929–936. https://doi.org/10.1016/j.clnu.2014.04.007

  5. Peterson, M. D., Rhea, M. R., Sen, A., & Gordon, P. M. (2010). Resistance exercise for muscular strength in older adults: A meta-analysis. Ageing Research Reviews, 9(3), 226–237. https://doi.org/10.1016/j.arr.2010.03.004

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung oder Behandlung. Bei unerklärlichem Gewichtsverlust, plötzlich auftretender Muskelschwäche oder zunehmenden Funktionseinschränkungen sollte eine medizinische Abklärung erfolgen.


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