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Adduktorenschmerzen in der Leiste: Ursachen, Diagnostik und sechs Übungen zur Rehabilitation

Autorenbild: Roman Welzk | Gründer mein-physio.info
Roman Welzk | Gründer mein-physio.info
vor 15 Stunden
9 Min. Lesezeit

Ein Ziehen an der Innenseite des Oberschenkels kann beim Fussball, Joggen, Krafttraining oder sogar beim Einsteigen ins Auto auftreten. Besonders häufig werden dabei die Adduktoren verdächtigt: jene Muskeln, die das Bein zur Körpermitte ziehen und das Becken bei dynamischen Bewegungen stabilisieren. Nicht jeder Leistenschmerz kommt jedoch von den Adduktoren. Probleme am Hüftgelenk, eine Leistenhernie und andere Ursachen können ähnlich empfunden werden.


Dieser Ratgeber zeigt, wie sich adduktorenbezogene Leistenschmerzen erkennen lassen, warum chronische Beschwerden oft nicht von allein verschwinden und weshalb ein dosierter Kraftaufbau eine zentrale Rolle spielt. Dazu kommen sechs Übungen als mögliche Bausteine einer Rehabilitation, wichtige Warnzeichen und Antworten auf typische Fragen.



Was sind die Adduktoren und welche Aufgabe haben sie?


Zur Adduktorengruppe gehören vor allem Musculus adductor longus, brevis und magnus sowie Gracilis und Pectineus. Sie ziehen das Bein nach innen, tragen aber auch zu Hüftbeugung, Hüftstreckung und zur Stabilisierung bei schnellen Richtungswechseln bei. Besonders im Sport wirken hohe Kräfte auf die Sehnenansätze am Schambein und auf die Muskel-Sehnen-Übergänge.


Eine schmerzhafte Adduktorensehne ist nicht automatisch gerissen. Es gibt akute Zerrungen oder Muskelfaserrisse nach einer plötzlichen Bewegung und länger bestehende belastungsabhängige Beschwerden ohne eindeutiges Einzelereignis. Umgangssprachlich wird beides oft als Leistenzerrung bezeichnet. Medizinisch sollte man genauer unterscheiden, weil sich Zeitpunkt und Dosierung von Bewegung und Training unterscheiden können.



Was bedeutet adduktorenbezogener Leistenschmerz?


Die internationale Doha-Konsenserklärung schlägt vor, Leistenschmerzen bei Sporttreibenden zunächst anhand der klinischen Untersuchung einzuordnen. Für adduktorenbezogenen Schmerz sprechen Druckschmerz an den Adduktoren und die Reproduktion der bekannten Beschwerden beim Zusammendrücken der Beine gegen Widerstand. Das ist eine klinische Kategorie, keine Garantie, dass eine Sehne im Ultraschall oder MRT verändert sein muss.


Weitere Kategorien sind iliopsoasbezogene, inguinale und schambeinbezogene Leistenschmerzen, Beschwerden aus dem Hüftgelenk und andere Ursachen. Mehrere Kategorien können gleichzeitig auftreten. Dieser Unterschied ist wichtig, weil eine einzelne positive Übung oder ein Druckpunkt nicht die gesamte Diagnostik ersetzt.



Typische Symptome


Menschen mit einer chronischen Adduktorenproblematik beschreiben häufig ein Ziehen nahe der Leistenfalte oder direkt am Schambein. Sprints, abrupte Richtungswechsel, Schüsse im Fussball und kräftiges Zusammenführen der Beine können den Schmerz auslösen. Gelegentlich ist auch das seitliche Aussteigen aus dem Auto oder das Umdrehen im Bett unangenehm.


Bei einer akuten Muskelverletzung ist der Verlauf oft anders: Ein plötzlich einschießender Schmerz, möglicher Kraftverlust, später Schwellung oder Bluterguss und Schwierigkeiten beim schnellen Gehen sind möglich. In diesem Fall ist ein gewöhnliches Kräftigungsprogramm nicht sofort der richtige Einstieg. Bei deutlicher Funktionseinschränkung braucht es zunächst eine klinische Einordnung.



Warum nur die Schmerzstelle nicht ausreicht


Schmerzen an der Leiste können vom Hüftgelenk ausgehen, etwa bei einem femoroazetabulären Impingement. Unser Artikel über das Hüftimpingement und belastungsabhängige Leistenschmerzen zeigt, weshalb eine gezielte Untersuchung der Hüftbeweglichkeit wichtig ist. Umgekehrt können Menschen sowohl ein Hüftproblem als auch eine schmerzhafte Adduktorengruppe haben. Die Behandlung konzentriert sich dann auf die Befunde, die im Alltag und Sport tatsächlich Beschwerden auslösen.



Ursachen und begünstigende Faktoren



Zu schnelle Steigerung von Sprint- und Richtungswechselbelastung


Wer nach einer Trainingspause sofort wieder mit intensiven Sprints, Zweikämpfen oder Seitwärtsbewegungen beginnt, belastet die Adduktoren stark. Der Gewebezustand passt sich oft langsamer an als die Motivation, wieder auf dem alten Leistungsniveau zu spielen. Auch dicht aufeinanderfolgende Wettkämpfe können die Erholung einschränken.



Unzureichende Kraft und Belastungsverträglichkeit


Ein Kraftdefizit kann die Fähigkeit reduzieren, wiederholte hohe Belastungen zu tolerieren. Das bedeutet nicht, dass sich jeder Leistenschmerz durch einseitig schwache Adduktoren erklären lässt. Die praktische Bedeutung liegt im Training: Kraft, kontrollierte Bewegungen und später sportartspezifische Anforderungen werden schrittweise aufgebaut und überprüft.



Akute Muskelverletzung


Eine akute Zerrung ist nicht dasselbe wie eine chronische Sehnenproblematik. Bei deutlichen Schmerzen unmittelbar nach einem Sprint oder einer Grätschbewegung sollte vor aggressiven Dehnübungen und maximalen Adduktorentests abgeklärt werden, welche Struktur verletzt ist. Bei ausgeprägtem Verdacht auf eine schwere Verletzung können bildgebende Verfahren erforderlich werden.



Andere Ursachen von Leistenschmerzen


Eine Leistenhernie, Beschwerden am Schambein, eine Stressfraktur, Erkrankungen im Bauch- oder Beckenraum und urologische Ursachen gehören in die Differenzialdiagnose. Beschwerden der Lendenwirbelsäule können ebenfalls in Hüft- und Leistenregion ausstrahlen. Wenn gleichzeitig Beschwerden im Gesäss oder entlang des hinteren Oberschenkels auftreten, kann ein Blick auf die Symptome des Piriformis-Syndroms helfen, mögliche Schmerzregionen einzuordnen – die konkreten Symptome müssen jedoch ärztlich zugeordnet werden.



Warnzeichen: Wann nicht selbst trainieren?


Plötzlich starke Hodenschmerzen, ein schmerzhaft eingeklemmter Leistenbruch, schwere Schmerzen nach einem Unfall oder eine Unfähigkeit, das Bein zu belasten, müssen dringend medizinisch abgeklärt werden. Ebenso wichtig sind Fieber, ausgeprägtes Krankheitsgefühl, starke Bauchschmerzen, unerklärlicher Gewichtsverlust oder Beschwerden, die nachts ohne Belastungsbezug deutlich zunehmen.


Bei einer frischen Sportverletzung mit hörbarem Schnappen, grossem Bluterguss oder ausgeprägtem Kraftverlust sollte die Belastung zuerst untersucht werden. In diesen Situationen wäre der Rat, einfach sechs Übungen auszuprobieren, unangemessen. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Diagnostik.



Untersuchung und Diagnostik


Eine gute Untersuchung beginnt mit dem Belastungsverlauf: Welche Bewegungen lösen die Beschwerden aus? Ist der Beginn plötzlich oder schleichend? Tritt der Schmerz direkt im Training oder erst danach auf? Wo liegt der Druckschmerz? Wie reagiert die Muskulatur beim Zusammendrücken der Beine und beim kontrollierten Krafttest?


Zusätzlich werden Hüftbeweglichkeit, Gangbild, Rumpffunktion und weitere mögliche Schmerzquellen beurteilt. Der sogenannte Adductor-Squeeze-Test kann die vertrauten Beschwerden provozieren, sichert aber alleine keine Diagnose. Er ist auch nicht dafür gedacht, die Belastungsgrenze bei akuten Verletzungen auszureizen.


Ultraschall oder MRT können in ausgewählten Fällen Muskelverletzungen, Sehnenveränderungen oder andere Diagnosen näher charakterisieren. Bei typischen, unkomplizierten und länger bestehenden Beschwerden ist eine sorgfältige klinische Beurteilung häufig der Ausgangspunkt. Ein Bildbefund muss stets mit den tatsächlichen Symptomen verglichen werden.




Was sagt die Wissenschaft zur Behandlung?


Eine randomisierte Studie von Hölmich und Mitarbeitenden verglich 1999 ein aktives Trainingsprogramm mit einer Behandlung ohne vergleichbaren aktiven Kraftschwerpunkt bei Sportlern mit lange bestehenden adduktorenbezogenen Leistenschmerzen. In der aktiven Gruppe gelang deutlich häufiger die Rückkehr zum Sport ohne Leistenschmerzen. Wichtig ist der Kontext: Untersucht wurden vor allem männliche Sportler mit chronischen Beschwerden. Aus diesem Ergebnis folgt nicht, dass dasselbe Programm für jede akute Zerrung oder für alle Menschen geeignet ist.


Die Doha-Konsenserklärung hilft vor allem bei der sauberen Einordnung der Beschwerden. Eine prospektive Untersuchung von Serner und Mitarbeitenden beschreibt zudem eine kriterienbasierte Rehabilitation nach akuten Adduktorenverletzungen. Insgesamt stützen diese Arbeiten die Idee, Belastung kontrolliert wieder aufzubauen statt ausschliesslich auf passive Massnahmen zu setzen. Bei der konkreten Übungswahl und Dosierung bleibt individuelle Anpassung nötig.



Warum Schonung allein selten das ganze Problem löst


Wenn die Beschwerden nur bei hohen sportlichen Anforderungen auftreten, kann vorübergehendes Reduzieren von Sprints und scharfen Richtungswechseln hilfreich sein. Bleiben Kraft- und Belastungsdefizite bestehen, kommen die Schmerzen beim Wiedereinstieg jedoch oft zurück. Die Rehabilitation muss deshalb irgendwann über reine Schmerzreduktion hinausgehen und kontrollierte Kraftentwicklung sowie sportnahe Belastung einschliessen.



Haben Massage, Dehnen oder Wärme einen Platz?


Wärme oder manuelle Anwendungen können subjektiv Erleichterung verschaffen. Belegt ist damit aber nicht, dass sie geschädigtes Sehnengewebe reparieren. Starkes Dehnen bei frischer Muskelverletzung kann kontraproduktiv sein; bei langwierigen Beschwerden sind Dehnübungen allein selten ausreichend. Wenn der Bewegungsumfang tatsächlich eingeschränkt ist, können vorsichtige Mobilisationsübungen ergänzen, solange sie nicht wiederholt deutliche Beschwerden verursachen.



Sechs Übungen gegen adduktorenbezogene Leistenschmerzen


Die folgenden Übungen sind Beispiele für eine progressive Kräftigung bei eingeordneten, stabilen Beschwerden. Nach akuter Verletzung, bei starker Schwellung oder wenn die Ursache nicht klar ist, sollte ein Profi zunächst die Belastbarkeit beurteilen. Die angegebenen Umfänge sind Orientierungen, keine universellen Therapieprotokolle. Beurteile die Belastung auch am nächsten Morgen.



Übung 1: Isometrisches Zusammendrücken eines Kissens


Lege dich auf den Rücken und stelle die Beine mit gebeugten Knien auf. Klemme ein weiches Kissen zwischen die Knie und drücke es fünf bis zehn Sekunden mit mittlerer Kraft zusammen. Entspanne danach. Beginne mit fünf bis acht Wiederholungen. Die Übung eignet sich zum vorsichtigen Kennenlernen der Belastungsreaktion. Bei frischem Muskelfaserriss ist auch hier eine Freigabe nötig.



Übung 2: Adduktion in Seitenlage


Lege dich seitlich hin und stelle das obere Bein vor dem unteren auf den Boden. Hebe nun das untere Bein langsam einige Zentimeter an und senke es kontrolliert. Starte mit zwei Sätzen zu acht bis zwölf Wiederholungen. Achte auf eine ruhige Bewegung aus der Hüfte ohne Ausweichbewegung des Rumpfs.



Übung 3: Seitlicher Ausfallschritt mit kurzer Bewegung


Stelle die Füsse etwas breiter als hüftbreit. Beuge ein Knie leicht und verlagere den Oberkörper kontrolliert über dieses Bein, während das andere Bein länger bleibt. Beginne mit einer kleinen Bewegungstiefe und kehre langsam zurück. Fünf bis acht Wiederholungen pro Seite können genügen. Bei ausgeprägtem Zugschmerz reduziere den Bewegungsumfang.



Übung 4: Adduktorenkraft mit Band im Stehen


Befestige ein elastisches Band seitlich auf Knöchelhöhe. Führe das entfernte Bein gegen den leichten Widerstand langsam zur Körpermitte und zurück. Halte dich an einer stabilen Fläche fest. Zwei Sätze zu zehn kontrollierten Wiederholungen ermöglichen einen sanften Einstieg. Steigere den Widerstand erst, wenn die Bewegung am folgenden Tag gut vertragen wird.



Übung 5: Kurzer Copenhagen-Hold mit Unterstützung


Lege das obere Knie auf eine stabile Bank und stütze dich seitlich mit dem Unterarm am Boden ab. Hebe das Becken nur so weit, dass eine gut kontrollierbare Spannung entsteht; das untere Bein darf als Hilfe auf dem Boden bleiben. Beginne mit wenigen kurzen Haltephasen. Diese Übung kann intensiv sein und gehört eher in eine fortgeschrittene Phase. Falls sie die Leiste deutlich provoziert, ist sie vorerst zu anspruchsvoll.



Übung 6: Schrittweise Rückkehr zu Richtungswechseln


Beginne mit geradem, zügigem Gehen und später lockerem Joggen, sofern dies beschwerdearm möglich ist. Danach können kontrollierte Seitwärtsschritte und erst später schnellere Richtungswechsel folgen. Entscheidend sind Kraft, Bewegungsqualität, Vertrauen in die Bewegung und die Reaktion auf die Einheit. Die Rückkehr zu Mannschaftssport sollte nicht allein an einer abgelaufenen Kalenderwoche festgemacht werden.


Wer zusätzlich durch ein neues, plötzliches Ereignis einen hinteren Oberschenkelschmerz entwickelt hat, sollte die Belastungsstrategie anders wählen. Unser Beitrag über Muskelfaserrisse der Hamstrings und Rehabilitation erklärt die Unterschiede bei einer akuten Muskelverletzung.



So baust du dein Training über mehrere Wochen auf


Die erste Phase dient dazu, die belastbare Ausgangssituation zu finden. Nicht jede Person braucht vollständige Sportpause. Häufig sind alternative Aktivitäten möglich, solange sie die Symptome nicht deutlich verstärken. In der nächsten Phase wird die Muskulatur mit zunehmend anspruchsvollen Wiederholungen, längeren Hebeln oder grösserem Widerstand belastet. Erst wenn diese Übungen ausreichend toleriert werden, lohnt sich der Aufbau von Geschwindigkeit, Richtungswechseln und Wettkampfintensität.


Eine sinnvolle Progression berücksichtigt auch Trainingsumfang, Schlaf, Erholung und die Häufigkeit intensiver Einheiten. Notiere bei wiederkehrenden Beschwerden, wie sich Schmerzen im Training und am folgenden Tag entwickeln. Wenn die Belastung mehrmals hintereinander einen deutlichen Rückschritt erzeugt, sind Tempo und Dosierung zu hoch. Das ist ein Signal zur Anpassung, nicht zwingend zur völligen Aufgabe aller Bewegung.


Für eine bessere Gesamtbelastbarkeit kann ergänzendes Krafttraining für Hüfte und Rumpf sinnvoll sein. Es geht dabei nicht um eine angeblich perfekte Haltung oder um das isolierte Aktivieren eines einzelnen Muskels, sondern um kontrollierbare Bewegungen und eine allmähliche Steigerung.



Welche häufigen Fehler bremsen die Rehabilitation?


Ein typisches Muster ist, nach wenigen schmerzarmen Tagen sofort wieder voll zu sprinten. Ein anderes ist ausschliessliches Dehnen ohne ausreichenden Kraftaufbau. Auch das wiederholte Auslösen starker Schmerzen beim Selbsttest liefert keinen zusätzlichen Nutzen. Stattdessen sollten Zwischenziele definiert werden: schmerzarm gehen, Kraftübungen tolerieren, lockeres Laufen bewältigen und erst anschliessend Sprints oder Schüsse aufbauen.


Ebenso problematisch ist die Annahme, dass auf einem MRT sichtbare Veränderungen automatisch die Schmerzstärke erklären. Bei vielen Sportverletzungen hängen Symptome und Bildgebung nicht exakt zusammen. Die Therapie wird deshalb am besten an der klinischen Situation, den Trainingszielen und einer realistischen Belastungsentwicklung ausgerichtet.




Video: Die Arbeit von Mein Physio kennenlernen



Im eingebetteten Video stellt der Autor den Ansatz und seine Arbeit von Mein Physio vor. Das Video ist keine spezielle Behandlungsempfehlung für Adduktorenverletzungen.



FAQ zu Leistenschmerzen und Adduktoren



Ist eine Leistenzerrung dasselbe wie eine Adduktorentendinopathie?


Nein. Eine akute Zerrung betrifft meist den Muskel oder Muskel-Sehnen-Übergang nach einem konkreten Belastungsereignis. Eine Tendinopathie bezeichnet eher eine länger bestehende Störung der Belastungsverträglichkeit einer Sehne. Symptome können überlappen, aber Diagnostik und zeitlicher Aufbau sind unterschiedlich.



Wie lange dauert die Heilung?


Das hängt von Diagnose, Schwere, Trainingsanforderung und Begleitbefunden ab. Akute leichte Verletzungen können einen anderen Verlauf haben als seit Monaten bestehende Leistenschmerzen. Eine seriöse Einschätzung beruht auf den Fortschritten in Bewegung, Kraft und Belastung, nicht auf einer festen Zahl von Tagen.



Darf ich mit Leistenschmerzen Fahrrad fahren?


Wenn eine Belastung bei stabiler, abgeklärter Problematik wenig Beschwerden auslöst und der Folgetag unauffällig bleibt, kann sie als Alternative infrage kommen. Bei akuter Verletzung, unklaren starken Schmerzen oder Verdacht auf Hüft- oder Knochenprobleme ist eine medizinische Einordnung sinnvoll.



Sind Adduktorenschmerzen immer ein Zeichen für schwache Muskeln?


Nein. Kraft ist nur ein Faktor unter mehreren. Trainingsumfang, plötzliche Belastungsspitzen, frühere Verletzungen und mögliche andere Ursachen müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Eine alleinige Fixierung auf vermeintliche Muskelschwäche kann wichtige Diagnosen übersehen.



Hilft eine Sportbandage?


Manche Sportler empfinden durch eine Bandage mehr Sicherheit. Das ersetzt jedoch weder die gezielte Rehabilitation noch die Abklärung möglicher Hernien, Knochenverletzungen oder einer ausgeprägten Muskelverletzung.



Können Knie und Hüfte gleichzeitig schmerzen?


Ja. Beschwerden können unabhängig voneinander auftreten oder mit der gesamten Beinbelastung zusammenhängen. Wenn Schmerzen vorne am Knie hinzukommen, erklärt unser Artikel zum patellofemoralen Schmerzsyndrom, weshalb dort meist andere Strukturen im Vordergrund stehen.


Auch ein Meniskusriss des Kniegelenks kann das Sporttraining begrenzen, benötigt aber eine eigenständige Beurteilung und darf nicht mit adduktorenbedingtem Leistenschmerz gleichgesetzt werden.



Fazit


Adduktorenbezogene Leistenschmerzen können akut nach einer Verletzung beginnen oder sich über längere Zeit unter sportlicher Belastung entwickeln. Die Doha-Klassifikation hilft, andere Leistenschmerzformen nicht zu übersehen. Vor allem bei chronischen Beschwerden spricht die Studienlage dafür, Kraft und sportbezogene Belastbarkeit gezielt aufzubauen. Bei ausgeprägten Warnzeichen, akuter schwerer Verletzung oder unklarer Ursache steht jedoch zunächst die ärztliche Abklärung im Vordergrund.


Du musst deine Leiste nicht dauerhaft schonen, solltest sie aber auch nicht durch ständige Selbsttests überlasten. Ein sinnvoller Plan baut zuerst kontrollierte Bewegungen und Kraft auf und nähert sich dann den Anforderungen deines Sports.



Wissenschaftliche Quellen


1. Weir A et al. Doha agreement meeting on terminology and definitions in groin pain in athletes. British Journal of Sports Medicine (2015). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26031643/ 2. Hölmich P et al. Effectiveness of active physical training as treatment for long-standing adductor-related groin pain in athletes: randomised trial. The Lancet (1999). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9989713/ 3. Serner A et al. Return to Sport After Criteria-Based Rehabilitation of Acute Adductor Injuries in Male Athletes: A Prospective Cohort Study. Orthopaedic Journal of Sports Medicine (2020). https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6990618/ 4. Hölmich P et al. Long-term outcome of a randomized clinical trial for adductor-related groin pain. American Journal of Sports Medicine (2011). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21813441/


Die Evidenz stammt überwiegend aus Sportlerpopulationen. Trainingsumfänge und Zeitspannen müssen für Alter, Leistungsniveau, Verletzungsschwere und weitere Erkrankungen angepasst werden.



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