Schmerzen am Brustbein beim Atmen: Costochondritis, Ursachen und was wirklich hilft
Ein stechender Schmerz mitten auf der Brust, ein unangenehmes Ziehen neben dem Brustbein oder Schmerzen beim tiefen Einatmen können sehr beunruhigend sein. Manche Menschen bemerken die Beschwerden beim Drehen des Oberkörpers, andere beim Husten, Niesen oder Aufstehen aus dem Bett. Auch beim Sport, insbesondere bei Liegestützen oder Kraftübungen für die Brustmuskulatur, können plötzlich Schmerzen im vorderen Brustkorb auftreten.
Hinter solchen Beschwerden können verschiedene Erkrankungen stecken. Neben Problemen des Herzens oder der Lunge kommen auch Ursachen im Bereich der Muskeln, Rippen, Gelenke und Knorpelstrukturen infrage. Eine davon ist die sogenannte Costochondritis. Dabei handelt es sich um ein schmerzhaftes Beschwerdebild im Bereich der Verbindungen zwischen Rippenknorpeln und Brustbein beziehungsweise den angrenzenden Rippenstrukturen.
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen harmloseren muskuloskelettalen Beschwerden und Erkrankungen, die eine sofortige medizinische Behandlung benötigen. Denn selbst wenn sich Brustschmerzen durch Bewegung oder Druck verstärken lassen, kann eine ernsthafte Ursache nicht allein dadurch ausgeschlossen werden. Unklare oder neu auftretende Brustschmerzen sollten deshalb medizinisch beurteilt werden.
In meiner Arbeit als Physiotherapeut spielt die Differenzierung verschiedener Schmerzursachen eine wichtige Rolle. Schmerzen entstehen nicht immer direkt dort, wo sie wahrgenommen werden. Ausserdem können ähnliche Beschwerden auf unterschiedliche Erkrankungen zurückzuführen sein. Gerade beim Brustkorb ist deshalb eine sorgfältige medizinische Abklärung entscheidend, bevor mit einer physiotherapeutischen Behandlung begonnen wird.
In diesem Artikel erkläre ich dir, welche Ursachen Schmerzen am Brustbein haben können, woran eine Costochondritis möglicherweise zu erkennen ist, welche Behandlungsmöglichkeiten sinnvoll sind und wie du nach entsprechender Abklärung wieder zu normalen Bewegungen und körperlicher Belastung zurückfinden kannst.
Was ist eine Costochondritis?
Die Costochondritis bezeichnet ein schmerzhaftes Beschwerdebild im Bereich der knorpeligen Verbindungen zwischen den Rippen und dem Brustbein beziehungsweise den Rippenknorpeln.
Der menschliche Brustkorb besteht aus zwölf Rippenpaaren, der Brustwirbelsäule und dem Brustbein. Die meisten Rippen sind über knorpelige Strukturen direkt oder indirekt mit dem Brustbein verbunden. Diese Verbindungen ermöglichen eine gewisse Beweglichkeit und tragen dazu bei, dass sich der Brustkorb während der Atmung ausdehnen und wieder zusammenziehen kann.
Kommt es in diesen Bereichen zu einer schmerzhaften Reizung, können bereits kleine Bewegungen unangenehm sein. Besonders die Atembewegung spielt dabei eine Rolle, da sich der Brustkorb bei jedem Atemzug verändert.
Traditionell wird die Costochondritis als Entzündung der Rippenknorpelverbindungen beschrieben. Allerdings ist die genaue Entstehung nicht in jedem Fall eindeutig geklärt. Der Begriff wird im klinischen Alltag häufig für lokalisierte Schmerzen und Druckempfindlichkeit im Bereich dieser Verbindungen verwendet.
Die Erkrankung kann plötzlich auftreten oder sich über mehrere Tage entwickeln. Häufig lassen sich die Beschwerden durch Druck auf bestimmte Stellen des vorderen Brustkorbs auslösen.
Entscheidend ist jedoch, dass solche Symptome nicht ausschliesslich bei einer Costochondritis vorkommen. Eine ärztliche Untersuchung ist deshalb besonders bei erstmalig auftretenden Brustschmerzen wichtig.
Welche Symptome sind typisch für Costochondritis?
Zu den häufigsten Symptomen gehören stechende, ziehende oder drückende Schmerzen im Bereich des Brustbeins oder der angrenzenden Rippenknorpel.
Die Beschwerden können einseitig oder beidseitig auftreten. Manche Menschen spüren einen sehr genau lokalisierbaren Schmerzpunkt, während andere einen grösseren Bereich des vorderen Brustkorbs als schmerzhaft empfinden.
Typisch ist häufig, dass sich die Schmerzen beim tiefen Einatmen, Husten oder Niesen verstärken. Auch das Drehen des Oberkörpers, bestimmte Armbewegungen oder Druck auf den Brustkorb können unangenehm sein.
Manche Betroffene berichten darüber, dass das Liegen auf einer bestimmten Seite oder das Umdrehen im Bett Beschwerden auslöst.
Darüber hinaus können sportliche Aktivitäten wie Liegestütze, Bankdrücken oder andere Übungen mit einer hohen Belastung der Brustmuskulatur die Symptome verstärken.
Allerdings darf aus diesen Merkmalen keine sichere Selbstdiagnose abgeleitet werden. Auch Erkrankungen des Herzens, der Lunge und anderer Organe können Schmerzen im Brustkorb verursachen.
Warum schmerzt das Brustbein beim tiefen Einatmen?
Beim Atmen bewegt sich nicht nur das Zwerchfell. Auch die Rippen und die damit verbundenen Gelenk- und Knorpelstrukturen werden bei jedem Atemzug beansprucht.
Während der Einatmung vergrössert sich das Volumen des Brustkorbs. Die Rippen heben sich und verändern ihre Position zueinander.
Bei einer schmerzhaften Reizung im Bereich der Rippenknorpelverbindungen kann diese Bewegung Beschwerden auslösen.
Das erklärt, warum manche Menschen bei einer Costochondritis besonders beim tiefen Einatmen Schmerzen verspüren.
Wichtig ist allerdings, dass atemabhängige Brustschmerzen zahlreiche andere Ursachen haben können.
Dazu gehören beispielsweise Erkrankungen des Rippenfells, Lungenentzündungen, ein Pneumothorax oder eine Lungenembolie.
Besonders bei plötzlich auftretenden atemabhängigen Schmerzen, Atemnot, Husten mit Blut oder Kreislaufbeschwerden ist eine sofortige notfallmedizinische Untersuchung erforderlich.
Eine vermeintliche Costochondritis sollte deshalb niemals allein anhand der Tatsache diagnostiziert werden, dass Schmerzen beim Einatmen entstehen.
Costochondritis oder Herzinfarkt: Wie erkennt man den Unterschied?
Eine der wichtigsten Fragen bei Brustschmerzen lautet, ob das Herz betroffen sein könnte.
Ein Herzinfarkt kann sich unter anderem durch ein Engegefühl, Druck oder Schmerzen im Brustkorb bemerkbar machen. Die Beschwerden können in den Arm, Rücken, Hals oder Kiefer ausstrahlen.
Zusätzlich können Atemnot, kalter Schweiss, Übelkeit, Schwäche oder ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl auftreten.
Allerdings gibt es auch Herzinfarkte mit weniger typischen Symptomen. Insbesondere bei älteren Menschen, Menschen mit Diabetes und Frauen können die Beschwerden unterschiedlich ausgeprägt sein.
Eine Costochondritis verursacht dagegen häufig lokal begrenzte Schmerzen, die sich durch bestimmte Bewegungen oder Druck auf die Brustwand verstärken lassen.
Trotzdem ist diese Unterscheidung allein nicht ausreichend zuverlässig.
Auch bei einem Menschen mit einer ernsthaften Herzerkrankung können zusätzlich druckempfindliche Strukturen der Brustwand vorhanden sein.
Deshalb gilt: Plötzlich auftretende starke Brustschmerzen, ein Engegefühl, Atemnot oder begleitende Kreislaufbeschwerden sind ein medizinischer Notfall.
In der Schweiz sollte in solchen Situationen die Sanität unter der Telefonnummer 144 alarmiert werden. In Deutschland ist der Rettungsdienst unter 112 erreichbar.
Welche Ursachen kann eine Costochondritis haben?
Die genaue Ursache einer Costochondritis lässt sich nicht immer feststellen.
In manchen Fällen treten die Beschwerden nach ungewohnten körperlichen Belastungen auf. Dazu gehören beispielsweise intensives Krafttraining, schweres Heben oder wiederholte Bewegungen des Oberkörpers.
Auch längere Phasen mit starkem Husten können die Brustwand erheblich belasten. Dabei entstehen wiederholt Kräfte auf die Rippen, Knorpel und angrenzenden Weichteile.
Ein weiterer möglicher Auslöser ist eine Verletzung des Brustkorbs, beispielsweise nach einem Sturz oder einem direkten Stoss.
Allerdings sollte nach einem Unfall zunächst untersucht werden, ob möglicherweise eine Rippenfraktur oder eine andere relevante Verletzung vorliegt.
Bei vielen Betroffenen beginnt die Costochondritis ohne eindeutig erkennbaren Auslöser.
Das bedeutet, dass nicht automatisch eine schlechte Körperhaltung oder eine bestimmte Muskelverspannung verantwortlich gemacht werden sollte.
Brustbein-Schmerzen nach Krafttraining: Kann Sport die Ursache sein?
Besonders beim Krafttraining können hohe mechanische Belastungen auf die Brustmuskulatur und den Brustkorb wirken.
Übungen wie Bankdrücken, Liegestütze oder Dips beanspruchen unter anderem den Musculus pectoralis major und verschiedene stabilisierende Strukturen des Schultergürtels.
Wird das Trainingsgewicht plötzlich deutlich gesteigert oder werden ungewohnte Übungen durchgeführt, können Schmerzen entstehen.
Dabei muss nicht zwangsläufig eine Costochondritis vorliegen. Auch Muskelverletzungen, Sehnenprobleme und andere Veränderungen der Brustwand können Beschwerden verursachen.
Wenn Schmerzen regelmässig während einer bestimmten Übung auftreten, ist es sinnvoll, die Belastung zunächst anzupassen und die Ursache bei Bedarf untersuchen zu lassen.
Nach ärztlichem Ausschluss ernsthafter Ursachen kann ein schrittweiser Wiedereinstieg ins Training sinnvoll sein.
Wichtig ist, dass die Belastung nicht sofort wieder auf das ursprüngliche Niveau gesteigert wird, wenn bereits leichte Bewegungen starke Beschwerden verursachen.
Costochondritis oder Tietze-Syndrom: Was ist der Unterschied?
Die Begriffe Costochondritis und Tietze-Syndrom werden gelegentlich gleichgesetzt. Tatsächlich handelt es sich jedoch um unterschiedliche, wenn auch verwandte Beschwerdebilder.
Beide können Schmerzen im Bereich der Verbindungen zwischen Rippenknorpeln und Brustbein verursachen.
Beim Tietze-Syndrom besteht typischerweise zusätzlich eine sichtbare oder tastbare lokale Schwellung im Bereich einer betroffenen Rippenknorpelverbindung.
Eine gewöhnliche Costochondritis geht dagegen normalerweise nicht mit einer solchen ausgeprägten Schwellung einher.
Das Tietze-Syndrom ist vergleichsweise selten und betrifft häufig eine einzelne Verbindung im oberen Brustkorbbereich.
Allerdings reicht das Vorhandensein einer Schwellung nicht aus, um die Diagnose ohne weitere Untersuchung sicher zu stellen.
Insbesondere ungewöhnliche Veränderungen oder Knoten im Bereich des Brustkorbs sollten ärztlich untersucht werden.
Können Brustbein-Schmerzen von der Brustwirbelsäule kommen?
Ja. Schmerzen im vorderen Brustkorb können unter bestimmten Umständen auch mit Beschwerden der Brustwirbelsäule oder der angrenzenden Rippen-Wirbel-Gelenke zusammenhängen.
Die Rippen sind im hinteren Bereich mit der Brustwirbelsäule verbunden. Dadurch entsteht ein funktionelles Zusammenspiel zwischen Brustbein, Rippen und Wirbelsäule.
Bestimmte Bewegungen des Oberkörpers beeinflussen mehrere dieser Strukturen gleichzeitig.
Auch muskuläre Beschwerden oder Veränderungen der Brustwirbelsäule können unter Umständen Schmerzen verursachen, die in den Brustkorb ausstrahlen.
Allerdings sollte nicht automatisch angenommen werden, dass eine eingeschränkte Beweglichkeit der Brustwirbelsäule die Ursache für Schmerzen am Brustbein ist.
Eine solche Erklärung muss durch die klinische Untersuchung gestützt werden.
Wie wird eine Costochondritis diagnostiziert?
Die Diagnose wird hauptsächlich anhand der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung gestellt.
Am Anfang steht die Frage, welche Art von Brustschmerz vorliegt und ob Hinweise auf eine ernsthafte Erkrankung bestehen.
Dabei werden unter anderem die Schmerzlokalisation, der zeitliche Verlauf, Begleitsymptome und mögliche Risikofaktoren berücksichtigt.
Je nach Beschwerdebild können eine Herzuntersuchung, ein Elektrokardiogramm, Blutuntersuchungen oder bildgebende Verfahren notwendig sein.
Erst wenn relevante andere Ursachen ausreichend ausgeschlossen wurden, kann eine muskuloskelettale Ursache im Vordergrund stehen.
Bei der Untersuchung der Brustwand lässt sich möglicherweise ein typischer Schmerz durch vorsichtigen Druck auf die Rippenknorpelverbindungen auslösen.
Auch bestimmte Bewegungen des Oberkörpers können die Beschwerden reproduzieren.
Für die Costochondritis gibt es allerdings keinen einzelnen Test, der die Diagnose mit absoluter Sicherheit bestätigt.
Was hilft wirklich gegen Costochondritis?
Bei einer medizinisch abgeklärten und unkomplizierten Costochondritis können zunächst konservative Massnahmen sinnvoll sein.
Besonders wichtig ist, die Aktivitäten vorübergehend anzupassen, die starke Beschwerden verursachen.
Das kann beispielsweise bedeuten, schwere Druckübungen für die Brustmuskulatur oder wiederholtes Heben grosser Gewichte zunächst zu reduzieren.
Allerdings ist eine vollständige körperliche Ruhigstellung normalerweise nicht notwendig.
Allgemeine Bewegungen, kurze Spaziergänge und andere gut verträgliche Aktivitäten können weiterhin möglich sein.
Wärmeanwendungen können von manchen Betroffenen als angenehm empfunden werden. Auch Kälte kann in bestimmten Situationen zur kurzfristigen Schmerzlinderung beitragen.
Bei stärkeren Schmerzen kommen gegebenenfalls Medikamente infrage. Dazu zählen beispielsweise entzündungshemmende Schmerzmittel, sofern diese medizinisch geeignet sind.
Die Auswahl sollte individuell erfolgen, da solche Medikamente Nebenwirkungen verursachen können und nicht für alle Menschen infrage kommen.
Viele Costochondritis-Beschwerden bessern sich im Laufe der Zeit. Bei manchen Menschen kann die Genesung allerdings mehrere Wochen oder Monate dauern.
Hilft Physiotherapie bei Schmerzen am Brustbein?
Physiotherapie kann bei muskuloskelettalen Brustwandschmerzen eine unterstützende Rolle spielen, sofern ernsthafte medizinische Ursachen ausgeschlossen wurden.
Ein wichtiger Bestandteil ist die Untersuchung der Beweglichkeit und Belastbarkeit des Oberkörpers.
Dabei können unter anderem die Brustwirbelsäule, Schultergelenke, Rippenbeweglichkeit und angrenzende Muskulatur berücksichtigt werden.
Je nach Beschwerdebild können vorsichtige Mobilisationsübungen und ein schrittweiser Belastungsaufbau sinnvoll sein.
Auch die Beratung zu alltäglichen Bewegungen und sportlichen Belastungen kann helfen, wieder mehr Sicherheit im Umgang mit Beschwerden zu entwickeln.
Allerdings ist die wissenschaftliche Evidenz für spezifische physiotherapeutische Behandlungsmethoden bei Costochondritis begrenzt.
Es gibt deshalb keine einzelne Übung oder manuelle Technik, mit der sich die Beschwerden bei allen Betroffenen zuverlässig beseitigen lassen.
Besonders wichtig ist, die Symptome nicht durch intensive Dehnungen oder wiederholten starken Druck auf schmerzhafte Brustwandstrukturen zu verstärken.
5 sanfte Übungen und Bewegungen bei Costochondritis
Die folgenden Übungen können nach medizinischer Abklärung und bei einem unkomplizierten Verlauf helfen, die allgemeine Beweglichkeit und Belastbarkeit zu erhalten.
Sie stellen kein wissenschaftlich gesichertes Standardprogramm zur Behandlung der Costochondritis dar.
Bei neu auftretenden, ungeklärten oder starken Brustschmerzen sollten keine Selbstbehandlungsübungen durchgeführt werden, bevor eine ernsthafte Ursache ausgeschlossen wurde.
Übung 1: Ruhige, natürliche Atembewegungen
Setze dich bequem auf einen Stuhl und lasse deine Schultern entspannt.
Atme langsam und möglichst ohne Anstrengung ein und wieder aus.
Versuche nicht, besonders tief einzuatmen oder die Brust maximal auszudehnen.
Beginne mit einigen ruhigen Atemzügen und beobachte, ob die Bewegung gut vertragen wird.
Ziel ist es, eine entspannte natürliche Atmung beizubehalten und schmerzbedingte Schonmuster nicht unnötig zu verstärken.
Wenn bereits gewöhnliches Atmen starke Schmerzen verursacht oder Atemnot besteht, ist eine medizinische Abklärung erforderlich.
Übung 2: Schulterkreisen
Setze dich aufrecht hin oder stelle dich entspannt auf beide Beine.
Bewege deine Schultern langsam nach hinten und anschliessend wieder nach vorne.
Die Bewegung sollte möglichst locker erfolgen.
Beginne mit ungefähr zehn Wiederholungen.
Diese Übung dient der allgemeinen Schultergürtelbeweglichkeit und soll keine starke mechanische Belastung auf die vordere Brustwand ausüben.
Übung 3: Sanfte Rotation der Brustwirbelsäule
Setze dich auf einen stabilen Stuhl und verschränke deine Arme locker vor dem Körper.
Drehe den Oberkörper langsam ein kleines Stück nach rechts und anschliessend nach links.
Vermeide starkes Verdrehen oder ein erzwungenes Endgefühl.
Beginne mit fünf bis acht Wiederholungen pro Seite.
Wenn die Rotation stechende Schmerzen am Brustbein auslöst, sollte die Übung reduziert oder vorübergehend ausgelassen werden.
Übung 4: Schulterblätter kontrolliert bewegen
Setze dich aufrecht hin und lasse deine Arme locker neben dem Körper hängen.
Bewege deine Schulterblätter langsam etwas nach hinten und anschliessend wieder in eine entspannte Ausgangsposition.
Halte keine dauerhafte Spannung und versuche nicht, eine vermeintlich perfekte Körperhaltung zu erzwingen.
Beginne mit ungefähr zehn Wiederholungen.
Die Bewegung kann helfen, die Kontrolle des Schultergürtels zu erhalten.
Eine spezifische heilende Wirkung auf die Rippenknorpelverbindungen ist wissenschaftlich jedoch nicht nachgewiesen.
Übung 5: Schrittweiser Wiedereinstieg in Alltagsbewegungen
Wenn die Beschwerden nachlassen, ist es sinnvoll, die normale körperliche Belastung langsam wieder aufzubauen.
Beginne mit Bewegungen, die du gut verträgst.
Dazu können beispielsweise leichte Armbewegungen, Spaziergänge oder einfache Tätigkeiten im Haushalt gehören.
Anschliessend kann die Belastung schrittweise gesteigert werden.
Kräftige Liegestütze, Dips oder schweres Bankdrücken sollten erst wieder aufgenommen werden, wenn leichtere Belastungen gut vertragen werden und keine medizinischen Einwände bestehen.
Entscheidend ist die individuelle Reaktion auf die Belastung.
Sollte man bei Costochondritis den Brustkorb dehnen?
Viele Menschen versuchen, stechende Brustwandschmerzen durch intensive Dehnübungen der Brustmuskulatur zu behandeln.
Allerdings ist nicht jeder Schmerz im Brustkorb auf verkürzte Muskeln zurückzuführen.
Bei einer Costochondritis können gerade Bewegungen, die den vorderen Brustkorb stark auf Spannung bringen, Beschwerden verstärken.
Deshalb ist es nicht sinnvoll, wiederholt kräftig in eine schmerzhafte Dehnposition zu gehen.
Sanfte Bewegungen können nach entsprechender Abklärung hilfreich sein. Eine starke Dehnung ist jedoch keine Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung.
Helfen Massagen oder Faszienrollen?
Massagen können bei begleitenden muskulären Beschwerden als angenehm empfunden werden.
Allerdings wird eine Costochondritis nicht allein durch eine gewöhnliche Muskelverspannung verursacht.
Insbesondere kräftiger Druck direkt auf empfindliche Rippenknorpelverbindungen kann die Beschwerden verstärken.
Auch die Anwendung einer Faszienrolle auf der Vorderseite des Brustkorbs ist keine nachgewiesene Behandlung.
Wenn sanfte Massagen angrenzender Muskelregionen subjektiv hilfreich sind, können sie gegebenenfalls ergänzend eingesetzt werden.
Eine direkte mechanische Heilwirkung auf die betroffenen Knorpelstrukturen ist jedoch nicht ausreichend belegt.
Wie lange dauert eine Costochondritis?
Die Dauer kann zwischen einzelnen Betroffenen erheblich variieren.
Bei manchen Menschen bessern sich die Schmerzen innerhalb weniger Wochen.
Andere berichten über Beschwerden, die mehrere Monate anhalten oder in bestimmten Belastungssituationen wieder auftreten.
Entscheidend ist unter anderem, ob die auslösenden Belastungen angepasst werden können und ob weitere Erkrankungen eine Rolle spielen.
Bei einem länger anhaltenden Verlauf sollte die Diagnose erneut überprüft werden.
Das gilt insbesondere dann, wenn neue Symptome auftreten oder sich der Schmerzcharakter deutlich verändert.
Kann Stress Schmerzen am Brustbein verursachen?
Stress und psychische Belastung können die Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerzen beeinflussen.
Auch Muskelspannung, Atmung und Schlafqualität können sich in stressreichen Lebensphasen verändern.
Dadurch können bestehende Beschwerden verstärkt wahrgenommen werden.
Allerdings bedeutet das nicht, dass Schmerzen am Brustbein grundsätzlich psychisch verursacht sind.
Besonders bei Brustschmerzen wäre es problematisch, die Symptome vorschnell auf Stress oder Angst zurückzuführen, ohne mögliche körperliche Ursachen ausreichend zu untersuchen.
Erst nach einer angemessenen medizinischen Abklärung kann es sinnvoll sein, auch psychologische Einflussfaktoren auf die Schmerzverarbeitung zu berücksichtigen.
Wann sollte man bei Brustbein-Schmerzen zum Arzt?
Neu auftretende oder unerklärliche Brustschmerzen sollten medizinisch abgeklärt werden.
Besonders dringend ist eine Untersuchung bei plötzlich einsetzenden starken Schmerzen, einem Engegefühl im Brustkorb, Atemnot, kaltem Schweiss, Übelkeit oder Kreislaufproblemen.
Auch Schmerzen, die in den Arm, Hals, Rücken oder Kiefer ausstrahlen, können Hinweise auf eine ernsthafte Erkrankung sein.
Bei solchen Symptomen sollte sofort der Rettungsdienst alarmiert werden.
Ebenso können plötzlich auftretende atemabhängige Brustschmerzen zusammen mit Atemnot, Herzrasen oder blutigem Husten auf eine ernste Lungenerkrankung hinweisen.
Bei bereits diagnostizierter Costochondritis ist eine erneute medizinische Untersuchung sinnvoll, wenn die Schmerzen zunehmen, neue Symptome auftreten oder die Beschwerden trotz angepasster Belastung länger bestehen bleiben.
Häufige Fragen zu Schmerzen am Brustbein
Warum sticht mein Brustbein beim Einatmen?
Eine mögliche Ursache ist eine Reizung der Rippenknorpelverbindungen im Rahmen einer Costochondritis. Allerdings können auch Erkrankungen von Herz, Lunge oder Rippenfell atemabhängige Brustschmerzen verursachen. Deshalb sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden.
Ist Costochondritis gefährlich?
Eine unkomplizierte Costochondritis ist normalerweise keine lebensbedrohliche Erkrankung. Allerdings können die Symptome denen anderer, potenziell gefährlicher Erkrankungen ähneln. Eine sichere Abgrenzung ist deshalb wichtig.
Kann Costochondritis von allein verschwinden?
Ja. Viele Beschwerden bessern sich im Laufe einiger Wochen. Bei manchen Betroffenen können die Schmerzen allerdings mehrere Monate anhalten.
Ist Wärme oder Kälte bei Costochondritis besser?
Beide Anwendungen können subjektiv zur Schmerzlinderung beitragen. Welche angenehmer ist, unterscheidet sich individuell. Weder Wärme noch Kälte beseitigt nachweislich bei allen Betroffenen die zugrunde liegende Ursache.
Darf man mit Costochondritis Sport treiben?
Nach ärztlicher Abklärung können gut verträgliche sportliche Aktivitäten weiterhin möglich sein. Bewegungen, die starke Brustwandschmerzen auslösen, sollten zunächst reduziert werden. Anschliessend kann die Belastung schrittweise gesteigert werden.
Kann Costochondritis durch Husten entstehen?
Starker oder langanhaltender Husten kann die Brustwand wiederholt mechanisch belasten und mit der Entstehung von Costochondritis-Beschwerden zusammenhängen. Allerdings sind auch andere Ursachen möglich.
Können Brustbein-Schmerzen vom Rücken kommen?
Ja. Bestimmte muskuloskelettale Beschwerden der Brustwirbelsäule und der Rippen-Wirbel-Gelenke können Schmerzen im Brustkorb verursachen. Eine sichere Zuordnung erfordert jedoch eine entsprechende Untersuchung.
Mein Fazit als Physiotherapeut
Schmerzen am Brustbein können zahlreiche Ursachen haben. Eine davon ist die Costochondritis, bei der schmerzhafte Veränderungen im Bereich der Rippenknorpelverbindungen auftreten.
Besonders typisch sind Beschwerden beim tiefen Einatmen, Husten, Bewegen des Oberkörpers oder bei Druck auf bestimmte Stellen der Brustwand.
Trotzdem sollte man gerade bei Brustschmerzen niemals vorschnell von einer harmlosen muskulären Ursache ausgehen.
Aus meiner physiotherapeutischen Erfahrung weiss ich, wie wichtig eine sorgfältige Untersuchung und das Verständnis der zugrunde liegenden Beschwerden sind. Nicht jeder Schmerz entsteht durch verkürzte Muskeln, und nicht jede schmerzhafte Struktur muss intensiv gedehnt oder massiert werden.
Wenn eine ernsthafte Erkrankung medizinisch ausgeschlossen wurde und tatsächlich eine unkomplizierte Costochondritis vorliegt, können eine vorübergehende Belastungsanpassung, sanfte Bewegung und ein schrittweiser Wiedereinstieg in alltägliche Aktivitäten sinnvoll sein.
Dabei ist Geduld wichtig. Die Beschwerden können mehrere Wochen anhalten, ohne dass zwangsläufig eine schwere strukturelle Schädigung besteht.
Mein wichtigster Rat lautet deshalb: Lass unklare Brustschmerzen zunächst medizinisch abklären. Wenn eine muskuloskelettale Ursache festgestellt wurde, versuche, im Rahmen deiner Belastbarkeit aktiv zu bleiben und vermeide es, schmerzhafte Bewegungen durch intensives Dehnen oder wiederholte mechanische Belastung zu erzwingen.
Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Informationen
National Health Service. Costochondritis. https://www.nhs.uk/conditions/costochondritis/
Cambridge University Hospitals NHS Foundation Trust. (2026). Costochondritis (rib pain). https://www.cuh.nhs.uk/patient-information/costochondritis-rib-pain/
Cambridge University Hospitals NHS Foundation Trust. (2025). Musculoskeletal chest wall pain. https://www.cuh.nhs.uk/patient-information/musculoskeletal-chest-wall-pain/
NHS 111 Wales. Costochondritis. https://111.wales.nhs.uk/costochondritis/
Frimley Health NHS Foundation Trust. (2024). Non-cardiac chest pain. https://www.fhft.nhs.uk/patients-and-visitors/patient-information-library/non-cardiac-chest-pain
North East Lincolnshire, North Lincolnshire and Goole NHS Foundation Trust / TIMS. (2025). Costochondritis – Patient information. https://www.tims.nhs.uk/wp-content/uploads/2025/08/Costochondritis.pdf
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle medizinische Diagnostik oder Behandlung. Bei plötzlich auftretenden starken Brustschmerzen, Atemnot, Kreislaufproblemen oder anderen Warnzeichen ist eine sofortige notfallmedizinische Abklärung erforderlich.





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