Steissbeinschmerzen beim Sitzen: Ursachen, Symptome und 5 hilfreiche Übungen
Schmerzen am Steissbein können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Besonders beim längeren Sitzen, Aufstehen von einem Stuhl oder Autofahren bemerken Betroffene häufig ein unangenehmes Ziehen, einen stechenden Schmerz oder ein ausgeprägtes Druckgefühl am unteren Ende der Wirbelsäule. Manche Menschen können kaum noch auf einer harten Unterlage sitzen, andere verspüren sogar beim Liegen oder beim Stuhlgang Beschwerden. Häufig treten die Schmerzen nach einem Sturz auf das Gesäss auf. Sie können sich allerdings auch ohne erkennbaren Auslöser entwickeln.
Medizinisch werden Schmerzen im Bereich des Steissbeins als Kokzygodynie oder Coccygodynia bezeichnet. Dabei handelt es sich um ein Beschwerdebild, bei dem unterschiedliche Strukturen rund um das Steissbein beteiligt sein können. Neben dem Knochen selbst spielen die angrenzenden Gelenke, Bänder, Muskeln und Nerven eine Rolle. Auch Veränderungen der Beweglichkeit des Steissbeins oder des Beckenbodens können bei bestimmten Betroffenen mit den Beschwerden zusammenhängen.
Besonders frustrierend ist für viele Menschen, dass die Schmerzen über Wochen oder Monate bestehen bleiben, obwohl auf gewöhnlichen Röntgenbildern keine eindeutige Verletzung zu erkennen ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind. Schmerzen entstehen durch komplexe Prozesse, die nicht immer mit einer klar sichtbaren strukturellen Veränderung einhergehen.
In der Physiotherapie ist es deshalb wichtig, nicht ausschliesslich die schmerzende Stelle zu betrachten. Auch die Belastung im Sitzen, die Beweglichkeit der umliegenden Strukturen, mögliche Verletzungen und individuelle Risikofaktoren müssen berücksichtigt werden.
In diesem Artikel erfährst du, welche Ursachen hinter Steissbeinschmerzen stecken können, warum die Beschwerden besonders beim Sitzen auftreten, welche Behandlungsmöglichkeiten wissenschaftlich untersucht wurden und mit welchen Übungen du deine Beweglichkeit und Belastbarkeit unterstützen kannst.
Was ist das Steissbein und welche Funktion hat es?
Das Steissbein, medizinisch Os coccygis genannt, bildet den untersten Abschnitt der Wirbelsäule. Es besteht meistens aus drei bis fünf miteinander verbundenen kleinen Wirbeln und schliesst sich unterhalb des Kreuzbeins an.
Obwohl das Steissbein im Vergleich zu anderen Abschnitten der Wirbelsäule sehr klein ist, erfüllt es wichtige anatomische Funktionen. Es dient unter anderem als Ansatzstelle für verschiedene Muskeln, Bänder und Faszien des Beckenbodens.
Besonders die Muskulatur des Beckenbodens steht in einer engen funktionellen Verbindung mit dem Steissbein. Diese Muskelgruppe unterstützt unter anderem die Kontinenz, die Stabilisierung der Beckenorgane und verschiedene körperliche Funktionen.
Darüber hinaus beeinflusst das Steissbein gemeinsam mit den Sitzbeinhöckern die Druckverteilung beim Sitzen.
Beim Wechsel zwischen unterschiedlichen Sitzpositionen können sich die mechanischen Belastungen im Bereich des Steissbeins verändern. Auch beim Aufstehen oder Vorbeugen kommt es zu Bewegungen und Kraftübertragungen zwischen Becken, Kreuzbein und Steissbein.
Die Beweglichkeit des Steissbeins ist individuell unterschiedlich. Bei manchen Menschen ist es relativ unbeweglich, während bei anderen eine grössere Beweglichkeit besteht.
Diese Unterschiede sind nicht automatisch krankhaft. Unter bestimmten Umständen können jedoch eine ungewöhnlich hohe Beweglichkeit, eine eingeschränkte Gelenkfunktion oder Veränderungen nach einer Verletzung mit Schmerzen verbunden sein.
Welche Symptome sind typisch für Steissbeinschmerzen?
Das wichtigste Symptom einer Kokzygodynie ist ein lokal begrenzter Schmerz am unteren Ende der Wirbelsäule.
Viele Betroffene können die schmerzhafte Stelle mit einem Finger genau zeigen. Besonders häufig befindet sich der Schmerz unmittelbar oberhalb der Gesässfalte oder tief im Bereich des Steissbeins.
Typische Beschwerden sind Schmerzen beim Sitzen auf einer harten Unterlage, beim Zurücklehnen, beim Aufstehen oder bei bestimmten Bewegungen des Beckens.
Auch längeres Autofahren oder Arbeiten am Schreibtisch kann unangenehm sein.
Manche Menschen berichten zusätzlich über Schmerzen beim Stuhlgang oder bei anderen Aktivitäten, die den Beckenboden beanspruchen.
Die Schmerzintensität kann dabei erheblich schwanken. Während einige Betroffene lediglich ein leichtes Druckgefühl verspüren, haben andere starke Schmerzen, die bereits nach wenigen Minuten Sitzen auftreten.
Wichtig ist, dass Schmerzen am unteren Ende der Wirbelsäule nicht immer direkt vom Steissbein ausgehen. Auch Erkrankungen des Kreuzbeins, der Lendenwirbelsäule, des Beckenbodens oder der Haut und Weichteile können ähnliche Beschwerden verursachen.
Warum tut das Steissbein besonders beim Sitzen weh?
Beim Sitzen wird das Körpergewicht hauptsächlich über die Sitzbeinhöcker und angrenzende Strukturen auf die Unterlage übertragen.
Je nach Sitzposition verändert sich diese Druckverteilung. Besonders beim Zurücklehnen oder Zusammensinken kann die Belastung auf den unteren Bereich des Beckens und das Steissbein zunehmen.
Wenn die Region bereits empfindlich ist, können solche mechanischen Belastungen Schmerzen auslösen.
Hinzu kommt, dass manche Menschen über längere Zeit nahezu unbeweglich sitzen. Dadurch kann eine bereits schmerzhafte Körperregion wiederholt beziehungsweise dauerhaft belastet werden.
Allerdings ist Sitzen nicht grundsätzlich schädlich. Es gibt keine einzelne perfekte Sitzhaltung, die sämtliche Steissbeinschmerzen verhindert.
Vielmehr ist entscheidend, welche Position individuell am besten vertragen wird.
Einige Betroffene empfinden eine leicht nach vorne geneigte Sitzposition als angenehmer. Andere profitieren davon, regelmässig aufzustehen oder zwischen verschiedenen Sitzmöglichkeiten zu wechseln.
Besonders bei anhaltenden Beschwerden kann ein spezielles Steissbeinkissen die Druckbelastung reduzieren.
Welche Ursachen können Steissbeinschmerzen haben?
Die Entstehung einer Kokzygodynie ist häufig multifaktoriell. Das bedeutet, dass unterschiedliche Faktoren an der Entwicklung und Aufrechterhaltung der Beschwerden beteiligt sein können.
Steissbeinschmerzen nach einem Sturz
Eine der klassischen Ursachen ist ein Sturz auf das Gesäss.
Dabei können erhebliche Kräfte auf das Steissbein übertragen werden. Je nach Unfallmechanismus kann es zu einer Prellung, einer Verletzung der umliegenden Bänder oder in seltenen Fällen zu einer Fraktur kommen.
Besonders bei einem Sturz auf eine harte Oberfläche können die Beschwerden unmittelbar auftreten.
Nicht jede Verletzung ist allerdings auf einem gewöhnlichen Röntgenbild eindeutig sichtbar.
Ausserdem können Schmerzen auch dann über längere Zeit bestehen bleiben, wenn eine ursprüngliche Gewebeverletzung bereits weitgehend abgeheilt ist.
Bei starken Schmerzen nach einem Unfall sollte die Region ärztlich untersucht werden.
Steissbeinschmerzen nach der Geburt
Auch während und nach einer Geburt können Steissbeinschmerzen entstehen.
Während einer vaginalen Geburt wirken verschiedene mechanische Kräfte auf das Becken und die angrenzenden Strukturen.
Das Steissbein kann dabei mitbewegt und belastet werden.
In bestimmten Fällen können Verletzungen, Überlastungen oder Veränderungen der Gelenkbeweglichkeit entstehen.
Nicht jede Frau mit Steissbeinschmerzen nach einer Geburt besitzt jedoch eine nachweisbare knöcherne Verletzung.
Auch die Beckenbodenmuskulatur, die umliegenden Bänder und andere Gewebestrukturen können beteiligt sein.
Wenn die Schmerzen nach der Geburt länger anhalten oder die Versorgung des Kindes erheblich erschweren, sollte eine medizinische Untersuchung erfolgen.
Eine spezialisierte Beckenbodenphysiotherapie kann bei entsprechenden funktionellen Problemen sinnvoll sein.
Steissbeinschmerzen durch langes Sitzen
Längeres Sitzen kann bestehende Steissbeinbeschwerden verstärken.
Besonders harte Sitzflächen oder Positionen mit einer hohen Druckbelastung auf das Steissbein können unangenehm sein.
Allerdings ist die Vorstellung, dass langes Sitzen allein zwangsläufig eine Entzündung des Steissbeins verursacht, wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.
Häufig spielt das Zusammenspiel aus Druckbelastung, individueller Gewebeempfindlichkeit und weiteren Faktoren eine Rolle.
Deshalb ist es sinnvoller, die Sitzbelastung anzupassen, als eine bestimmte Haltung grundsätzlich als falsch zu betrachten.
Übergewicht und Untergewicht als mögliche Risikofaktoren
Auch das Körpergewicht kann die mechanische Belastung im Bereich des Steissbeins beeinflussen.
Bei starkem Übergewicht können sich die Druckverhältnisse im Sitzen verändern.
Umgekehrt kann bei ausgeprägtem Untergewicht die natürliche Polsterung durch das umliegende Fettgewebe geringer ausfallen.
Beide Situationen können bei bestimmten Menschen mit einem erhöhten Risiko für Beschwerden verbunden sein.
Das bedeutet allerdings nicht, dass das Körpergewicht bei jedem Betroffenen die eigentliche Ursache darstellt.
Veränderungen der Steissbeinbeweglichkeit
Bei einigen Menschen mit chronischen Steissbeinschmerzen lassen sich Veränderungen der Beweglichkeit des Steissbeins feststellen.
Dazu gehören beispielsweise eine ungewöhnlich grosse Beweglichkeit oder eine teilweise Verschiebung zwischen den knöchernen Strukturen.
Solche Veränderungen können bei bestimmten Patienten durch spezielle dynamische Röntgenaufnahmen untersucht werden.
Dabei werden Aufnahmen im Sitzen und Stehen miteinander verglichen.
Diese Untersuchung ist jedoch nicht bei allen Menschen mit Steissbeinschmerzen erforderlich.
Kann das Steissbein entzündet sein?
Viele Menschen suchen im Internet nach dem Begriff „Steissbein entzündet“.
Tatsächlich können Entzündungsprozesse in bestimmten Geweben rund um das Steissbein auftreten. Dennoch sollte nicht jeder Schmerz als Entzündung interpretiert werden.
Bei einer Kokzygodynie können auch mechanische Belastungen, Gelenkveränderungen oder andere schmerzhafte Prozesse eine Rolle spielen.
Eine besonders wichtige Differenzialdiagnose ist der sogenannte Pilonidalsinus, auch Steissbeinfistel genannt.
Dabei handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Haut und des Unterhautgewebes im Bereich der Gesässfalte.
Typische Hinweise können eine lokale Schwellung, Rötung, Überwärmung oder der Austritt von Sekret sein.
Im Gegensatz zur gewöhnlichen Kokzygodynie liegt das Problem dabei primär in den Weichteilen und nicht im Steissbeinknochen selbst.
Bei Verdacht auf eine infizierte Steissbeinfistel ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich.
Steissbeinschmerzen oder Probleme der Lendenwirbelsäule?
Nicht jeder Schmerz im unteren Rücken oder Gesäss entsteht direkt am Steissbein.
Auch Erkrankungen der Lendenwirbelsäule, des Kreuzbeins oder des Iliosakralgelenks können Beschwerden in angrenzenden Körperregionen verursachen.
Besonders bei ausstrahlenden Schmerzen, Kribbeln oder Gefühlsstörungen müssen neurologische Ursachen berücksichtigt werden.
Eine echte Kokzygodynie zeichnet sich häufig durch einen relativ lokal begrenzten Schmerz aus, der durch Druck auf die Steissbeinregion oder durch bestimmte Sitzbelastungen ausgelöst wird.
Allerdings sind die Beschwerdebilder nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen.
Eine sorgfältige Untersuchung ist deshalb wichtig, bevor bestimmte physiotherapeutische Massnahmen durchgeführt werden.
Wie wird eine Kokzygodynie diagnostiziert?
Die Diagnostik beginnt mit einer ausführlichen Befragung.
Dabei wird insbesondere geklärt, wann die Beschwerden begonnen haben, ob ein Sturz oder eine Geburt vorausging und welche Bewegungen beziehungsweise Positionen die Symptome verstärken.
Anschliessend erfolgt eine körperliche Untersuchung.
Dabei können die Druckempfindlichkeit, die Beweglichkeit des Beckens und mögliche Hinweise auf andere Erkrankungen überprüft werden.
Auch die Haut im Bereich der Gesässfalte sollte bei entsprechenden Symptomen berücksichtigt werden, um beispielsweise eine Steissbeinfistel nicht zu übersehen.
Wenn der Verdacht auf eine Verletzung oder andere strukturelle Veränderung besteht, können bildgebende Untersuchungen sinnvoll sein.
In bestimmten Fällen werden Röntgenaufnahmen durchgeführt.
Bei chronischen Beschwerden kann eine dynamische Untersuchung im Sitzen und Stehen zusätzliche Informationen liefern.
Eine Magnetresonanztomografie kann erforderlich sein, wenn andere Erkrankungen ausgeschlossen werden müssen oder die Ursache trotz Untersuchung unklar bleibt.
Nicht jeder Mensch mit Steissbeinschmerzen benötigt jedoch eine Bildgebung.
Was hilft wirklich gegen Steissbeinschmerzen?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, der bisherigen Beschwerdedauer und den individuellen Einschränkungen.
Bei unkomplizierten Beschwerden steht zunächst eine konservative Behandlung im Vordergrund.
Besonders wichtig ist häufig, die Druckbelastung beim Sitzen zu reduzieren.
Ein speziell geformtes Steissbeinkissen mit einer Aussparung im hinteren Bereich kann dazu beitragen, den direkten Druck auf die schmerzhafte Region zu verringern.
Auch regelmässige Positionswechsel können sinnvoll sein.
Statt längere Zeit unbeweglich zu sitzen, kann es hilfreich sein, immer wieder aufzustehen und kurze Bewegungsphasen einzubauen.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Aufrechterhaltung körperlicher Aktivität.
Solange keine medizinischen Einschränkungen bestehen, sind Spaziergänge und andere gut verträgliche Bewegungen häufig weiterhin möglich.
Bei stärkeren Beschwerden können ärztlich empfohlene Schmerzmittel infrage kommen.
Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen sind jedoch nicht für jeden Menschen geeignet und können unter anderem Magen, Nieren und Herz-Kreislauf-System belasten.
Deshalb sollte die Anwendung bei entsprechenden Risikofaktoren ärztlich oder pharmazeutisch abgeklärt werden.
Welches Sitzkissen hilft bei Steissbeinschmerzen?
Ein geeignetes Sitzkissen kann eine der einfachsten Möglichkeiten sein, die Beschwerden im Alltag zu reduzieren.
Besonders häufig werden Kissen mit einer Aussparung im Bereich des Steissbeins verwendet.
Durch diese Form soll der direkte Druck auf die empfindliche Region vermindert werden.
Ein klassisches ringförmiges Sitzkissen ist nicht zwangsläufig für jeden Menschen die beste Lösung.
Entscheidend ist, wie sich die Druckverteilung individuell verändert und ob die Beschwerden tatsächlich nachlassen.
Einige Menschen profitieren von keilförmigen Sitzkissen mit einer hinteren Aussparung.
Andere bevorzugen weichere oder festere Unterlagen.
Wichtig ist deshalb weniger ein bestimmtes Produkt als die tatsächliche Entlastung beim Sitzen.
Bei stark ausgeprägten Beschwerden kann es sinnvoll sein, verschiedene Varianten auszuprobieren.
Kann Physiotherapie bei Steissbeinschmerzen helfen?
Physiotherapie kann bei bestimmten Formen der Kokzygodynie eine sinnvolle konservative Behandlung darstellen.
Dabei sollten zunächst die individuellen Beschwerden, mögliche Verletzungen und funktionelle Einschränkungen untersucht werden.
Je nach Befund können sanfte Bewegungsübungen, Belastungsanpassungen und bestimmte manualtherapeutische Verfahren eingesetzt werden.
Eine wichtige Rolle kann auch die Beckenbodenmuskulatur spielen.
Besonders wenn Schmerzen im Zusammenhang mit einer Geburt, Beckenbodenproblemen oder erhöhter muskulärer Anspannung auftreten, kann eine spezialisierte physiotherapeutische Untersuchung sinnvoll sein.
Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 untersuchte zehn randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 515 Erwachsenen.
Dabei zeigten verschiedene physiotherapeutische Verfahren kurzfristige Verbesserungen der Schmerzen und körperlichen Funktion.
Allerdings unterschieden sich die untersuchten Behandlungen erheblich voneinander. Auch die Studienqualität und die Nachbeobachtungsdauer waren begrenzt.
Die Ergebnisse sprechen deshalb für einen möglichen Nutzen einzelner physiotherapeutischer Massnahmen, erlauben aber keine pauschale Aussage, dass eine bestimmte Methode allen Betroffenen hilft.
Die 5 besten Übungen bei Steissbeinschmerzen
Die folgenden Übungen können dazu beitragen, die allgemeine Beweglichkeit und Belastbarkeit im Bereich des Beckens und der angrenzenden Muskulatur zu erhalten.
Sie stellen allerdings kein wissenschaftlich eindeutig bestätigtes Standardprogramm zur Behandlung der Kokzygodynie dar.
Besonders nach einem frischen Sturz, bei Verdacht auf eine Fraktur oder bei starken ungeklärten Schmerzen sollte zunächst eine medizinische Untersuchung erfolgen.
Die Übungen sollten keine deutliche Zunahme der typischen Steissbeinschmerzen verursachen.
Übung 1: Sanftes Beckenkippen in Rückenlage
Lege dich auf den Rücken und stelle beide Füsse hüftbreit auf den Boden.
Die Knie sind angewinkelt und die Arme liegen entspannt neben dem Körper.
Kippe nun dein Becken langsam nach hinten, sodass sich der untere Rücken etwas stärker in Richtung Unterlage bewegt.
Anschliessend bewegst du das Becken vorsichtig in die Gegenrichtung.
Führe die Bewegung langsam und kontrolliert durch.
Beginne mit acht bis zwölf Wiederholungen.
Diese Übung kann helfen, die Beweglichkeit im unteren Rücken- und Beckenbereich zu erhalten.
Eine direkte mechanische Entlastung des Steissbeins ist dadurch allerdings nicht nachgewiesen.
Übung 2: Sanfte Hüftbewegung im Liegen
Lege dich entspannt auf den Rücken und stelle beide Beine angewinkelt auf.
Bewege nun ein Knie vorsichtig in Richtung Oberkörper und anschliessend wieder in die Ausgangsposition.
Die Bewegung sollte klein beginnen und keine starken Schmerzen auslösen.
Wiederhole sie ungefähr achtmal pro Seite.
Diese Übung dient der allgemeinen Mobilisation des Hüftgelenks.
Besonders wenn das Heranziehen des Beines direkt am Steissbein Schmerzen verursacht, sollte die Bewegung reduziert oder ausgelassen werden.
Übung 3: Seitliches Beinheben
Lege dich auf die Seite und winkele das untere Bein leicht an.
Hebe das obere Bein langsam einige Zentimeter nach oben und senke es anschliessend kontrolliert wieder ab.
Achte darauf, dass dein Oberkörper möglichst ruhig bleibt.
Beginne mit acht bis zwölf Wiederholungen pro Seite.
Diese Übung trainiert die seitliche Hüftmuskulatur.
Sie kann Bestandteil eines allgemeinen Krafttrainings sein, stellt jedoch keine spezifisch nachgewiesene Behandlung von Steissbeinschmerzen dar.
Übung 4: Sanfte Aktivierung der Gesässmuskulatur
Lege dich auf den Rücken und stelle die Beine angewinkelt auf.
Spanne nun die Gesässmuskulatur leicht an, ohne das Becken deutlich anzuheben.
Halte die Spannung ungefähr drei bis fünf Sekunden und entspanne anschliessend.
Beginne mit fünf bis zehn Wiederholungen.
Wenn bereits die Muskelanspannung Schmerzen am Steissbein verursacht, sollte die Intensität reduziert werden.
Bei guter Verträglichkeit kann später ein allgemeines Krafttraining für die Hüft- und Gesässmuskulatur ergänzt werden.
Übung 5: Regelmässiges Gehen
Eine der einfachsten Möglichkeiten, trotz Steissbeinschmerzen körperlich aktiv zu bleiben, ist das Gehen.
Beginne mit einer Strecke, die du gut bewältigen kannst.
Das können zunächst fünf bis zehn Minuten sein.
Wenn die Bewegung angenehm ist und sich die Beschwerden dadurch nicht verstärken, kannst du die Dauer schrittweise erhöhen.
Das Ziel besteht darin, die allgemeine Belastbarkeit zu erhalten und längere Phasen körperlicher Inaktivität zu vermeiden.
Gehen ist keine spezifische Heilbehandlung des Steissbeins, kann aber ein sinnvoller Bestandteil eines aktiven Umgangs mit den Beschwerden sein.
Welche Rolle spielt der Beckenboden bei Steissbeinschmerzen?
Der Beckenboden besteht aus mehreren Muskelschichten, die unter anderem zwischen Schambein, Sitzbeinhöckern und Steissbein verlaufen.
Dadurch besteht eine enge anatomische Verbindung zwischen der Beckenbodenmuskulatur und dem Steissbein.
Bei manchen Menschen können Veränderungen der Muskelspannung oder der Koordination des Beckenbodens mit Schmerzen in dieser Region zusammenhängen.
Besonders nach einer Geburt, bei chronischen Beckenschmerzen oder bestimmten funktionellen Problemen kann eine spezialisierte Untersuchung sinnvoll sein.
Dabei ist wichtig, dass nicht jede Beckenbodenstörung automatisch durch zu schwache Muskeln entsteht.
Auch eine übermässige Anspannung oder eine unzureichende Entspannungsfähigkeit kann Beschwerden verursachen.
Deshalb sind kräftige Beckenbodenübungen nicht grundsätzlich für alle Menschen mit Steissbeinschmerzen geeignet.
Bei entsprechender Symptomatik kann zunächst eine physiotherapeutische Untersuchung der Beckenbodenfunktion erforderlich sein.
Helfen Massagen und manuelle Therapie?
Bei einer Kokzygodynie werden teilweise manuelle Behandlungstechniken eingesetzt.
Dazu gehören beispielsweise die Behandlung bestimmter Muskelregionen, sanfte Mobilisationen und in ausgewählten Fällen spezialisierte Techniken im Bereich des Beckenbodens.
Wichtig ist, dass nicht jede Behandlung für jeden Menschen geeignet ist.
Insbesondere kräftiger Druck direkt auf das schmerzhafte Steissbein kann die Beschwerden verstärken.
Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 fand Hinweise darauf, dass bestimmte manualtherapeutische Verfahren bei ausgewählten Patienten kurzfristig Schmerzen reduzieren können.
Die Ergebnisse waren jedoch nicht einheitlich, und die langfristige Wirksamkeit bleibt unzureichend untersucht.
Deshalb sollten solche Massnahmen nicht als garantierte Lösung betrachtet werden.
Interne Beckenbodenbehandlungen erfordern eine entsprechende fachliche Qualifikation, eine medizinische Indikation und die ausdrückliche Einwilligung der betroffenen Person.
Kann Stosswellentherapie bei Steissbeinschmerzen helfen?
Die extrakorporale Stosswellentherapie, kurz ESWT, gehört zu den Behandlungen, die in den vergangenen Jahren wissenschaftlich untersucht wurden.
Dabei werden mechanische Druckwellen auf bestimmte Körperregionen übertragen.
Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 untersuchte neun randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 532 Teilnehmern.
In mehreren Studien zeigte die Stosswellentherapie Verbesserungen der Schmerzen und funktionellen Einschränkungen.
Teilweise hielten die positiven Veränderungen über mehrere Monate an.
Allerdings waren die Untersuchungen methodisch unterschiedlich aufgebaut. Zudem bestanden in verschiedenen Studien relevante Verzerrungsrisiken.
Die Ergebnisse sind deshalb vielversprechend, aber noch kein Nachweis dafür, dass die Stosswellentherapie grundsätzlich die beste Behandlung für jeden Menschen mit Kokzygodynie darstellt.
Ob diese Therapie sinnvoll ist, sollte individuell und nach entsprechender Diagnostik entschieden werden.
Wann sind Injektionen oder eine Operation notwendig?
Wenn konservative Behandlungen keine ausreichende Verbesserung erzielen, können weitere medizinische Massnahmen erwogen werden.
Dazu gehören beispielsweise lokale Injektionen mit einem Betäubungsmittel und gegebenenfalls einem Kortikosteroid.
Auch bestimmte interventionelle Schmerzbehandlungen, beispielsweise im Bereich des Ganglion impar, werden bei ausgewählten Patienten mit chronischen Steissbeinschmerzen eingesetzt.
Das Ganglion impar ist eine Nervenstruktur im unteren Beckenbereich, die an der Weiterleitung bestimmter Schmerzsignale beteiligt ist.
Solche Verfahren werden in der Regel von entsprechend spezialisierten Ärzten durchgeführt.
Eine operative Entfernung des Steissbeins, die sogenannte Kokzygektomie, kommt nur bei sorgfältig ausgewählten Patienten infrage.
Sie wird normalerweise erst dann erwogen, wenn über längere Zeit erhebliche Beschwerden bestehen und andere Behandlungen keine ausreichende Verbesserung erzielt haben.
Die Operation ist mit Risiken verbunden, insbesondere Wundheilungsstörungen und Infektionen.
Deshalb sollte sie nicht als gewöhnliche Erstbehandlung betrachtet werden.
Wie lange dauern Steissbeinschmerzen?
Die Dauer der Beschwerden kann erheblich variieren.
Nach einer unkomplizierten Prellung können sich die Schmerzen innerhalb einiger Wochen deutlich bessern.
Bei anderen Menschen bleiben Beschwerden über mehrere Monate bestehen.
Insbesondere nach schweren Verletzungen, bei bestimmten Beweglichkeitsveränderungen des Steissbeins oder bei chronischen Schmerzprozessen kann die Behandlung länger dauern.
Eine pauschale Heilungsdauer lässt sich deshalb nicht zuverlässig angeben.
Wichtig ist, dass eine langsame Besserung nicht automatisch bedeutet, dass eine schwere strukturelle Schädigung vorliegt.
Gleichzeitig sollten Beschwerden, die sich über mehrere Wochen nicht verbessern oder zunehmend stärker werden, medizinisch beurteilt werden.
Wie sollte man bei Steissbeinschmerzen schlafen?
Die günstigste Schlafposition hängt davon ab, welche Belastungen individuell Beschwerden verursachen.
Viele Menschen empfinden die Seitenlage als angenehm, da der direkte Druck auf das Steissbein reduziert werden kann.
Ein Kissen zwischen den Knien kann gegebenenfalls den Liegekomfort verbessern.
Andere Betroffene schlafen besser in Bauchlage oder in einer leicht veränderten Rückenposition.
Eine wissenschaftlich eindeutig überlegene Schlafposition für sämtliche Menschen mit Kokzygodynie ist nicht bekannt.
Entscheidend ist deshalb, eine Position zu finden, die möglichst wenig Schmerzen verursacht und einen erholsamen Schlaf ermöglicht.
Wann sollte man mit Steissbeinschmerzen zum Arzt?
Eine ärztliche Untersuchung ist sinnvoll, wenn die Schmerzen nach einem Unfall stark ausgeprägt sind oder trotz einer angepassten Belastung über mehrere Wochen bestehen bleiben.
Auch zunehmende Beschwerden, eine deutliche Einschränkung der Alltagsaktivitäten oder unklare Schmerzen ohne erkennbaren Auslöser sollten abgeklärt werden.
Besonders wichtig ist eine rasche Untersuchung bei Fieber, ausgeprägter Rötung, Schwellung oder Sekretaustritt im Bereich der Gesässfalte.
Solche Symptome können auf eine Infektion oder eine andere Erkrankung hinweisen.
Bei neu auftretenden Blasen- oder Darmfunktionsstörungen, Taubheit im Genital- beziehungsweise Dammbereich oder ausgeprägter Muskelschwäche der Beine ist eine sofortige notfallmedizinische Abklärung erforderlich.
Auch anhaltende nächtliche Schmerzen, unerklärlicher Gewichtsverlust oder eine bekannte Tumorerkrankung können eine weiterführende Untersuchung notwendig machen.
Häufige Fragen zu Steissbeinschmerzen
Warum tut mein Steissbein weh, obwohl ich nicht gestürzt bin?
Steissbeinschmerzen können auch ohne Unfall auftreten. Mögliche Ursachen sind wiederholte Druckbelastungen, Veränderungen der Beweglichkeit, Probleme der umliegenden Muskulatur oder andere Erkrankungen. Nicht immer lässt sich ein eindeutiger Auslöser feststellen.
Können Steissbeinschmerzen von selbst verschwinden?
Ja. Bei vielen Menschen bessern sich die Beschwerden mit der Zeit, insbesondere wenn belastende Sitzpositionen angepasst werden. Bei chronischen Beschwerden kann eine gezielte medizinische oder physiotherapeutische Behandlung sinnvoll sein.
Ist Wärme oder Kälte bei Steissbeinschmerzen besser?
Beide Anwendungen können kurzfristig als angenehm empfunden werden. Kälte wird beispielsweise nach einer frischen Prellung häufig eingesetzt, während Wärme bei begleitenden muskulären Beschwerden hilfreich sein kann. Eine eindeutig überlegene Anwendung ist nicht für alle Betroffenen nachgewiesen.
Kann man mit Steissbeinschmerzen Sport machen?
Das hängt von der Ursache und der Belastbarkeit ab. Spaziergänge oder bestimmte Kraftübungen können weiterhin möglich sein. Sportarten mit direktem Druck auf das Steissbein, beispielsweise Radfahren, können die Beschwerden dagegen verstärken.
Kann das Steissbein beim Sitzen brechen?
Eine Steissbeinfraktur entsteht normalerweise durch eine relevante mechanische Gewalteinwirkung, beispielsweise einen Sturz. Gewöhnliches Sitzen führt bei gesunden Knochen nicht typischerweise zu einem Bruch.
Helfen Dehnübungen bei Steissbeinschmerzen?
Bestimmte Dehn- oder Mobilisationsübungen können bei ausgewählten Menschen angenehm sein. Allerdings existiert keine einzelne Dehnübung, deren Wirksamkeit bei sämtlichen Formen von Kokzygodynie wissenschaftlich gesichert ist.
Kann eine Schwangerschaft Steissbeinschmerzen verursachen?
Während der Schwangerschaft und nach der Geburt können Veränderungen der Belastung, der Gewebe und der Beckenbodenfunktion mit Beschwerden im Steissbeinbereich zusammenhängen. Bei anhaltenden Schmerzen kann eine medizinische oder spezialisierte physiotherapeutische Untersuchung sinnvoll sein.
Mein Fazit als Physiotherapeut
Steissbeinschmerzen können ausgesprochen hartnäckig sein und selbst gewöhnliche Tätigkeiten wie Sitzen, Autofahren oder Aufstehen erheblich erschweren. Besonders belastend ist für viele Menschen, dass die Beschwerden über längere Zeit bestehen bleiben, obwohl keine schwere strukturelle Veränderung nachweisbar ist.
Entscheidend ist deshalb, die möglichen Ursachen sorgfältig zu unterscheiden. Nicht jeder Schmerz am unteren Ende der Wirbelsäule entsteht unmittelbar am Steissbein. Auch Probleme der umliegenden Muskulatur, des Beckenbodens oder anderer anatomischer Strukturen können eine Rolle spielen.
Aus physiotherapeutischer Sicht ist es wichtig, nicht ausschliesslich nach einer einzelnen vermeintlich blockierten oder verschobenen Struktur zu suchen. Vielmehr sollten die gesamte Belastungssituation, mögliche Verletzungen und individuelle funktionelle Einschränkungen berücksichtigt werden.
Bei unkomplizierten Steissbeinschmerzen können bereits einfache Massnahmen wie ein geeignetes Sitzkissen, regelmässige Positionswechsel und eine angepasste körperliche Aktivität hilfreich sein.
Auch physiotherapeutische Behandlungen können bei ausgewählten Patienten eine sinnvolle Unterstützung darstellen. Die aktuelle Forschung zeigt durchaus vielversprechende Ergebnisse für bestimmte Verfahren, gleichzeitig bestehen jedoch noch erhebliche Wissenslücken hinsichtlich der optimalen Behandlung.
Besonders wichtig finde ich, dass Betroffene ihre Beschwerden ernst nehmen, ohne aus jedem Schmerz automatisch auf eine dauerhafte Schädigung zu schliessen.
Mein wichtigster Rat lautet deshalb: Reduziere zunächst die Belastungen, die starke Schmerzen verursachen, bleibe im Rahmen deiner Möglichkeiten körperlich aktiv und lasse anhaltende oder ungewöhnliche Beschwerden medizinisch untersuchen. Eine individuell angepasste Behandlung ist häufig sinnvoller als der Versuch, die Schmerzen mit möglichst intensiven Dehnungen oder Massagen zu beseitigen.
Wissenschaftliche Quellen
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Sidiq, M., Ravichandran, H., Janakiraman, B., et al. (2025). Effectiveness of physical therapy interventions for coccydynia: A systematic review with a narrative synthesis. Archives of Physiotherapy, 15, 77–89. https://doi.org/10.33393/aop.2025.3233
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Larkin, G., et al. (2025). Coccygodynia—Diagnosis and treatment. Deutsches Ärzteblatt International. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC13266563/
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung oder Behandlung. Bei starken Beschwerden nach einem Unfall, Hinweisen auf eine Infektion oder neu auftretenden neurologischen Ausfällen sollte eine zeitnahe beziehungsweise sofortige medizinische Abklärung erfolgen.





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