Xiphodynie: Schmerzen am Schwertfortsatz – Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein stechender Schmerz direkt unterhalb des Brustbeins, ein unangenehmes Druckgefühl im oberen Bauch oder Beschwerden beim Vorbeugen: Hinter solchen Symptomen können unterschiedliche Erkrankungen stecken. Viele Menschen denken zunächst an den Magen, die Speiseröhre oder das Herz. Doch auch eine kleine knöcherne Struktur am unteren Ende des Brustbeins kann Schmerzen verursachen. Die Rede ist vom Schwertfortsatz, medizinisch Processus xiphoideus genannt.
Wenn Schmerzen von dieser Region beziehungsweise den angrenzenden Strukturen ausgehen, sprechen Mediziner von einer Xiphodynie. Die Erkrankung wird auch als Xiphoid-Syndrom oder Xiphoidalgie bezeichnet.
Obwohl die Xiphodynie zu den selten beschriebenen muskuloskelettalen Schmerzsyndromen gehört, kann sie erhebliche Beschwerden verursachen. Manche Betroffene berichten über einen gut lokalisierbaren Schmerz unterhalb des Brustbeins. Andere leiden unter Schmerzen, die in den Rücken, die Schultern oder den Oberbauch ausstrahlen.
Besonders problematisch ist, dass die Symptome teilweise denen ernsthafter Erkrankungen ähneln. Dazu gehören beispielsweise Herzinfarkte, bestimmte Erkrankungen der Speiseröhre und andere Ursachen von Brust- oder Oberbauchschmerzen.
Deshalb sollte eine Xiphodynie niemals vorschnell als harmlose Muskelverspannung eingeordnet werden.
Andererseits kann die Erkrankung nach sorgfältiger medizinischer Abklärung eine Erklärung für länger bestehende Schmerzen liefern, bei denen zuvor keine eindeutige Ursache gefunden wurde.
Aus physiotherapeutischer Sicht ist besonders interessant, dass der Schwertfortsatz mit verschiedenen Muskeln und Bindegewebsstrukturen verbunden ist. Bewegungen des Oberkörpers, körperliche Belastungen und bestimmte Druckeinwirkungen können deshalb unter Umständen die Beschwerden beeinflussen.
Allerdings ist die wissenschaftliche Evidenz zur Behandlung begrenzt. Es existieren vor allem Fallberichte, kleinere Fallserien und narrative Übersichtsarbeiten. Hochwertige randomisierte Studien zu spezifischen physiotherapeutischen Übungen fehlen bislang weitgehend.
In diesem Artikel erfährst du, was eine Xiphodynie ist, welche Symptome auftreten können, wie die Erkrankung diagnostiziert wird und welche konservativen sowie operativen Behandlungsmöglichkeiten wissenschaftlich beschrieben sind.
Was ist eine Xiphodynie?
Die Xiphodynie ist ein muskuloskelettales Schmerzsyndrom, bei dem Beschwerden im Bereich des Schwertfortsatzes beziehungsweise seiner angrenzenden Strukturen auftreten.
Der Schwertfortsatz befindet sich am unteren Ende des Brustbeins.
Das Brustbein besteht aus mehreren anatomischen Abschnitten. Dazu gehören der obere Brustbeingriff, das eigentliche Brustbeinkörpersegment und der Schwertfortsatz.
Der medizinische Name für das Brustbein lautet Sternum.
Der Schwertfortsatz bildet den untersten Abschnitt dieser knöchernen Struktur.
Er kann hinsichtlich seiner Länge, Form und Ausrichtung individuell unterschiedlich aussehen.
Bei manchen Menschen ist er relativ kurz und kaum tastbar.
Bei anderen kann er etwas deutlicher nach vorne hervorstehen.
Diese anatomischen Unterschiede sind nicht automatisch krankhaft.
Eine Xiphodynie liegt erst dann als mögliche Diagnose vor, wenn Beschwerden plausibel aus diesem Bereich stammen und andere relevante Ursachen ausreichend ausgeschlossen wurden.
Wo genau befindet sich der Schwertfortsatz?
Der Schwertfortsatz liegt in der Körpermitte am unteren Ende des Brustbeins.
Wenn du mit den Fingern entlang des Brustbeins nach unten gehst, befindet sich dort der Übergang zum oberen Bauch.
An dieser Stelle liegt der Processus xiphoideus.
Die Struktur kann bei manchen Menschen als kleine feste Vorwölbung wahrgenommen werden.
Das bedeutet nicht automatisch, dass ein ungewöhnlicher Knoten oder eine krankhafte Veränderung vorliegt.
Der Schwertfortsatz ist ein normaler Bestandteil des menschlichen Skeletts.
An ihm beziehungsweise den angrenzenden Bindegewebsstrukturen setzen verschiedene anatomische Strukturen an.
Dazu gehören Anteile des Zwerchfells, des geraden Bauchmuskels und des Brustkorbbindegewebes.
Durch diese Verbindungen kann die Region bei Bewegungen des Rumpfes mechanisch beansprucht werden.
Besonders beim Vorbeugen, bei kräftigen Rumpfbewegungen und bei bestimmten sportlichen Übungen können Kräfte auf die angrenzenden Strukturen wirken.
Allerdings bedeutet eine mechanische Beanspruchung nicht automatisch, dass eine Xiphodynie entsteht.
Welche Symptome sind typisch für eine Xiphodynie?
Das wichtigste Symptom ist ein lokalisierter Schmerz im Bereich des unteren Brustbeins.
Betroffene beschreiben diesen beispielsweise als stechend, drückend oder ziehend.
Manche Menschen bemerken die Beschwerden vor allem beim Vorbeugen.
Andere spüren Schmerzen beim Aufrichten, beim Heben schwerer Gegenstände oder bei bestimmten Bewegungen des Oberkörpers.
Auch Druck auf die Region kann unangenehm sein.
In wissenschaftlichen Fallberichten werden zusätzlich ausstrahlende Schmerzen beschrieben.
Diese können unter anderem den oberen Bauch, den Brustkorb, den Rücken und teilweise die Schultern betreffen.
Gelegentlich treten begleitend Übelkeit oder andere unspezifische Beschwerden auf.
Solche Symptome sind jedoch nicht charakteristisch genug, um allein daraus eine Xiphodynie zu diagnostizieren.
Besonders wichtig ist, dass auch gefährliche Erkrankungen ähnliche Beschwerden verursachen können.
Deshalb sollte nicht allein aufgrund der Schmerzlokalisation von einer harmlosen muskuloskelettalen Ursache ausgegangen werden.
Schmerzen unter dem Brustbein: Ist der Schwertfortsatz die Ursache?
Wenn Schmerzen unmittelbar unter dem Brustbein auftreten, kommen verschiedene Ursachen infrage.
Die Xiphodynie ist lediglich eine davon.
Besonders bei Beschwerden im oberen Bauch müssen auch Erkrankungen des Verdauungssystems berücksichtigt werden.
Dazu gehören beispielsweise gastroösophagealer Reflux, Magenschleimhauterkrankungen und bestimmte Gallenwegserkrankungen.
Auch Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse können Oberbauchschmerzen verursachen.
Bei Beschwerden im Brustbereich müssen darüber hinaus mögliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Betracht gezogen werden.
Die Unterscheidung kann schwierig sein, weil sich die betroffenen anatomischen Regionen überschneiden.
Ausserdem können Schmerzen in andere Körperbereiche ausstrahlen.
Eine Xiphodynie sollte deshalb als mögliche Differentialdiagnose betrachtet werden, nicht als erste automatische Erklärung für Schmerzen unter dem Brustbein.
Besonders bei erstmaligen, akuten oder ungewöhnlich starken Beschwerden ist eine medizinische Untersuchung wichtig.
Warum entstehen Schmerzen am Schwertfortsatz?
Die genaue Entstehung einer Xiphodynie ist nicht vollständig geklärt.
In wissenschaftlichen Veröffentlichungen werden unterschiedliche mögliche Auslöser diskutiert.
Dazu gehören direkte Verletzungen des unteren Brustkorbs, wiederholte mechanische Belastungen und bestimmte anatomische Besonderheiten.
Auch nach Operationen oder anderen Eingriffen im Brustkorbbereich können unter bestimmten Umständen Beschwerden entstehen.
Einige Fallberichte beschreiben Xiphodynie nach wiederholtem schweren Heben oder anderen intensiven körperlichen Belastungen.
Dabei könnte es zu einer Reizung der angrenzenden Gewebestrukturen kommen.
Allerdings handelt es sich überwiegend um Beobachtungen aus kleinen Patientengruppen.
Daraus lässt sich nicht ableiten, dass eine bestimmte Alltagsbewegung zuverlässig eine Xiphodynie verursacht.
Auch die Rolle anatomischer Veränderungen ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt.
Nicht jeder auffällig geformte Schwertfortsatz verursacht Schmerzen.
Kann eine Xiphodynie durch Sport entstehen?
Sportliche Aktivitäten können den unteren Brustkorb mechanisch beanspruchen.
Besonders Übungen, bei denen die Bauchmuskulatur intensiv arbeitet, können hohe Kräfte auf die angrenzenden Strukturen übertragen.
Dazu gehören beispielsweise bestimmte Rumpfübungen im Krafttraining.
Auch wiederholtes schweres Heben wurde in einzelnen Fallberichten als möglicher auslösender Faktor beschrieben.
Das bedeutet allerdings nicht, dass gewöhnliches Krafttraining ein eindeutig nachgewiesener Risikofaktor für Xiphodynie ist.
Die wissenschaftlichen Untersuchungen reichen für eine solche Aussage nicht aus.
Wenn nach einem Training Schmerzen im Bereich des Schwertfortsatzes auftreten, kommen ausserdem zahlreiche andere Ursachen infrage.
Dazu gehören Muskelverletzungen, Beschwerden der Rippenknorpelverbindungen und andere Veränderungen der Brustwand.
Besonders bei plötzlich auftretenden Beschwerden muss die Ursache deshalb sorgfältig untersucht werden.
Kann eine Xiphodynie nach einem Unfall entstehen?
Ja. In der medizinischen Literatur werden mehrere Fälle beschrieben, in denen Beschwerden nach einem Unfall oder einer direkten Verletzung entstanden.
Dabei kann beispielsweise eine Krafteinwirkung auf den unteren Brustkorb oder den oberen Bauch eine Rolle spielen.
Auch bei starken Beschleunigungs- und Abbremsbewegungen können Kräfte auf den Brustkorb wirken.
In einzelnen Fallberichten wurden Veränderungen des Schwertfortsatzes nach solchen Ereignissen beobachtet.
Allerdings ist wichtig, dass nach einem relevanten Unfall nicht vorschnell von einer Xiphodynie ausgegangen werden darf.
Es können auch Brustbeinfrakturen, Rippenverletzungen und andere innere Verletzungen vorliegen.
Deshalb sollte insbesondere bei starken Schmerzen, Atemproblemen oder ausgeprägter Druckempfindlichkeit nach einem Unfall eine medizinische Untersuchung erfolgen.
Ist ein hervorstehender Schwertfortsatz gefährlich?
Nicht unbedingt.
Der Schwertfortsatz besitzt eine erhebliche anatomische Variabilität.
Manche Menschen haben einen relativ geraden Schwertfortsatz.
Bei anderen kann er stärker nach vorne oder hinten gekrümmt sein.
Auch Länge und Form unterscheiden sich.
Eine sichtbare oder tastbare Vorwölbung ist deshalb nicht automatisch ein krankhafter Befund.
Besonders bei schlanken Menschen kann diese Struktur deutlicher hervortreten.
Ein hervorstehender Schwertfortsatz muss deshalb nicht behandelt werden, wenn keine Beschwerden oder anderen Auffälligkeiten bestehen.
Allerdings sollte eine neu entstandene, ungewöhnlich wachsende oder schmerzhafte Veränderung medizinisch abgeklärt werden.
Nicht jeder tastbare Knoten unterhalb des Brustbeins ist tatsächlich der Schwertfortsatz.
Die neue Studie von 2025: Ist die Form des Schwertfortsatzes entscheidend?
Lange wurde diskutiert, ob ein besonders stark nach vorne gerichteter Schwertfortsatz das Risiko für eine Xiphodynie erhöhen könnte.
Einige ältere Fallberichte beschrieben auffällige Winkel zwischen dem Brustbeinkörper und dem Schwertfortsatz.
Daraus entstand die Vermutung, dass eine bestimmte anatomische Stellung mit den Schmerzen zusammenhängen könnte.
Eine 2025 veröffentlichte Fall-Kontroll-Studie untersuchte diese Frage genauer.
Die Forscher Ono und Horibata analysierten Computertomografien von Patienten mit Beschwerden im Brust- oder Oberbauchbereich.
Dabei wurden neun Menschen mit diagnostizierter Xiphodynie mit 321 Kontrollpersonen verglichen.
Untersucht wurden unter anderem der Winkel des Schwertfortsatzes und Hinweise auf eine mögliche Kompression angrenzender Weichteile.
Die Ergebnisse zeigten keine statistisch signifikanten Unterschiede bei den zentralen untersuchten CT-Merkmalen.
Insbesondere erwies sich der Winkel zwischen Brustbein und Schwertfortsatz nicht als zuverlässiges diagnostisches Merkmal.
Die Studie ist aufgrund der kleinen Zahl betroffener Patienten begrenzt.
Trotzdem ist sie wichtig, weil sie frühere Schlussfolgerungen aus einzelnen Fallberichten relativiert.
Die Ergebnisse sprechen dagegen, eine Xiphodynie allein anhand eines bestimmten Schwertfortsatzwinkels diagnostizieren zu wollen.
Schmerzen beim Drücken auf den Schwertfortsatz
Ein häufig beschriebenes klinisches Merkmal ist eine lokale Druckempfindlichkeit.
Bei der Untersuchung kann vorsichtiger Druck auf den Schwertfortsatz die bekannten Beschwerden möglicherweise reproduzieren.
Dieses Merkmal wird in verschiedenen Veröffentlichungen als diagnostischer Hinweis beschrieben.
Allerdings ist eine solche Untersuchung nicht vollständig spezifisch.
Auch bei anderen Erkrankungen oder lokal empfindlichem Gewebe können Schmerzen durch Druck ausgelöst werden.
Besonders wichtig ist, dass ein druckempfindlicher Brustkorb eine ernsthafte Herzerkrankung nicht sicher ausschliesst.
Ein Mensch kann gleichzeitig lokale Druckschmerzen und eine andere medizinisch relevante Erkrankung besitzen.
Deshalb sollte die Diagnose nicht allein durch einen positiven Drucktest gestellt werden.
Auch sollte der Schwertfortsatz nicht eigenständig wiederholt oder kräftig gedrückt werden, um eine vermeintliche Diagnose zu bestätigen.
Dadurch können zusätzliche Beschwerden entstehen.
Xiphodynie oder Costochondritis?
Die Xiphodynie kann leicht mit anderen Schmerzen der Brustwand verwechselt werden.
Eine wichtige Differentialdiagnose ist die Costochondritis.
Dabei stehen Schmerzen im Bereich der Rippenknorpelverbindungen im Vordergrund.
Diese befinden sich seitlich des Brustbeins beziehungsweise im Übergang zwischen Rippen und Brustbein.
Bei einer Xiphodynie liegt die vermutete Schmerzquelle dagegen im Bereich des Schwertfortsatzes am unteren Ende des Brustbeins.
Allerdings können sich die Schmerzregionen teilweise überschneiden.
Auch die auslösenden Bewegungen können ähnlich sein.
Eine genaue Unterscheidung ist deshalb nicht immer allein aufgrund der Beschwerden möglich.
In meinem Artikel über Schmerzen am Brustbein beim Atmen und Costochondritis erkläre ich ausführlich, welche Ursachen Schmerzen an den Rippenknorpelverbindungen haben können und worauf bei der Behandlung zu achten ist.
Xiphodynie oder Tietze-Syndrom?
Auch das Tietze-Syndrom gehört zu den seltenen Ursachen muskuloskelettaler Brustschmerzen.
Die Erkrankung ist häufig durch Schmerzen und eine lokale Schwellung im Bereich einer Rippenknorpelverbindung gekennzeichnet.
Typischerweise betrifft sie eher den oberen vorderen Brustkorb.
Eine Xiphodynie entsteht dagegen im Bereich des unteren Brustbeins.
Ein wichtiger Unterschied ist deshalb die genaue Schmerzlokalisation.
Allerdings reicht diese allein nicht aus, um die Diagnose mit Sicherheit festzustellen.
Insbesondere neu auftretende Schwellungen oder Knoten im Bereich des Brustkorbs sollten medizinisch untersucht werden.
Auch Erkrankungen der Knochen oder anderer Weichteilstrukturen können ähnliche Veränderungen verursachen.
Xiphodynie oder Interkostalneuralgie?
Eine weitere mögliche Ursache für Schmerzen im Brustkorbbereich ist die Interkostalneuralgie.
Dabei stehen Schmerzen im Versorgungsgebiet der Zwischenrippennerven im Vordergrund.
Diese können beispielsweise stechend, brennend oder elektrisierend empfunden werden.
Auch Missempfindungen oder eine besondere Hautempfindlichkeit sind möglich.
Bei einer Xiphodynie liegt der typische lokale Schmerzpunkt dagegen eher unmittelbar am Schwertfortsatz.
Allerdings können beide Beschwerdebilder ausstrahlende Schmerzen verursachen.
Deshalb ist die Unterscheidung nicht immer einfach.
Besonders wenn Schmerzen gürtelförmig entlang der Rippen verlaufen oder deutliche Missempfindungen auftreten, sollte eine nervenbezogene Ursache berücksichtigt werden.
Mehr darüber erfährst du in meinem Beitrag über Interkostalneuralgie: Ursachen, Symptome und Behandlung.
Kann Xiphodynie Rückenschmerzen verursachen?
In wissenschaftlichen Fallberichten werden auch Schmerzen beschrieben, die vom unteren Brustbein in den Rücken ausstrahlen.
Dadurch können Beschwerden entstehen, die zunächst nicht mit dem Schwertfortsatz in Verbindung gebracht werden.
Allerdings sind Rückenschmerzen sehr häufig und besitzen zahlreiche mögliche Ursachen.
Deshalb sollte bei Schmerzen zwischen den Schulterblättern oder im Bereich der Brustwirbelsäule nicht automatisch eine Xiphodynie vermutet werden.
Viel häufiger kommen andere muskuloskelettale Beschwerden infrage.
Auch Erkrankungen der inneren Organe müssen bei entsprechenden Warnzeichen berücksichtigt werden.
Eine ausführliche Einordnung findest du im Artikel Rückenschmerzen im oberen Rücken: Ursachen und Behandlung.
Besonders wichtig ist, die gesamte Schmerzregion und die begleitenden Symptome zu berücksichtigen.
Xiphodynie oder Magenprobleme?
Schmerzen im Bereich des Schwertfortsatzes können leicht mit Beschwerden des Magens oder der Speiseröhre verwechselt werden.
Besonders bei Schmerzen im Oberbauch denken viele Betroffene zunächst an Sodbrennen, Reflux oder eine Magenschleimhautentzündung.
Tatsächlich liegen diese Beschwerden anatomisch in einer ähnlichen Körperregion.
Bei gastroösophagealem Reflux gelangt Mageninhalt in die Speiseröhre zurück.
Dadurch können unter anderem brennende Schmerzen hinter dem Brustbein entstehen.
Manche Menschen bemerken die Beschwerden besonders nach dem Essen oder beim Liegen.
Bei einer Xiphodynie kann die Schmerzintensität dagegen durch lokale Druckbelastung oder bestimmte Bewegungen beeinflusst werden.
Allerdings sind diese Unterschiede nicht eindeutig genug, um eine sichere Selbstdiagnose zu ermöglichen.
Auch Erkrankungen der Gallenblase können Beschwerden im Oberbauch verursachen.
Eine medizinische Untersuchung sollte deshalb insbesondere bei anhaltenden, ungewöhnlichen oder starken Beschwerden erfolgen.
Wie wird eine Xiphodynie diagnostiziert?
Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen Krankengeschichte.
Dabei werden insbesondere die Schmerzlokalisation, der zeitliche Verlauf und mögliche auslösende Faktoren berücksichtigt.
Auch frühere Verletzungen, Operationen und bestehende Erkrankungen können wichtig sein.
Besonders relevant ist die Frage, ob Hinweise auf eine ernsthafte Herz-, Lungen- oder Bauchorganerkrankung bestehen.
Je nach Beschwerdebild können weitere Untersuchungen notwendig werden.
Dazu gehören beispielsweise ein Elektrokardiogramm, bestimmte Blutuntersuchungen oder bildgebende Verfahren.
Erst wenn relevante andere Ursachen angemessen ausgeschlossen wurden, kann eine muskuloskelettale Ursache stärker in den Vordergrund rücken.
Bei der körperlichen Untersuchung wird unter anderem die Region des Schwertfortsatzes beurteilt.
Eine reproduzierbare Druckempfindlichkeit kann ein Hinweis sein.
Allerdings gibt es bislang keine allgemein anerkannten diagnostischen Kriterien, mit denen sich eine Xiphodynie durch einen einzelnen Test eindeutig bestätigen lässt.
Die Diagnose ergibt sich deshalb aus dem Gesamtbild.
Ist ein MRT oder CT bei Xiphodynie notwendig?
Eine bildgebende Untersuchung ist nicht bei jedem Patienten erforderlich.
Wenn der klinische Befund eindeutig erscheint und andere relevante Erkrankungen ausgeschlossen wurden, kann auf zusätzliche Bildgebung gegebenenfalls verzichtet werden.
Bei unklaren Beschwerden oder dem Verdacht auf strukturelle Veränderungen kann eine Computertomografie zusätzliche Informationen liefern.
Dabei können unter anderem die Form des Schwertfortsatzes und angrenzende knöcherne Strukturen dargestellt werden.
Eine Magnetresonanztomografie kann je nach Fragestellung ebenfalls sinnvoll sein, insbesondere wenn Weichteilveränderungen untersucht werden sollen.
Allerdings sollte die Bildgebung nicht isoliert bewertet werden.
Die bereits erwähnte Fall-Kontroll-Studie von 2025 zeigte, dass bestimmte CT-Merkmale nicht zuverlässig zwischen Menschen mit Xiphodynie und Vergleichspersonen unterscheiden.
Deshalb ist die Vorstellung problematisch, ein bestimmter Winkel des Schwertfortsatzes beweise automatisch die Erkrankung.
Was hilft wirklich gegen Xiphodynie?
Die Behandlung richtet sich nach der Beschwerdesituation und dem individuellen Befund.
Bei einer ärztlich abgeklärten Xiphodynie ohne Hinweise auf eine ernsthafte andere Erkrankung kann zunächst eine konservative Behandlung sinnvoll sein.
Dazu gehört insbesondere die vorübergehende Anpassung schmerzauslösender Belastungen.
Wenn bestimmte Bewegungen starke Beschwerden hervorrufen, können diese zunächst reduziert werden.
Auch eine ärztlich begleitete Schmerzbehandlung kann infrage kommen.
In der medizinischen Literatur werden beispielsweise nicht steroidale Antirheumatika beschrieben.
Allerdings gibt es keine hochwertigen randomisierten Studien, die ihre spezifische Wirksamkeit bei Xiphodynie zuverlässig belegen.
Solche Medikamente besitzen zudem mögliche Nebenwirkungen und sind nicht für jeden Menschen geeignet.
Bei ausgeprägten oder anhaltenden Beschwerden werden in bestimmten Fällen lokale Injektionen oder operative Verfahren erwogen.
Wichtig ist, dass die Behandlung individuell erfolgt und die Diagnose ausreichend abgesichert wurde.
Welche Rolle spielt Physiotherapie bei Xiphodynie?
Aus physiotherapeutischer Sicht kann eine Behandlung sinnvoll sein, wenn bestimmte Bewegungen oder Belastungen Beschwerden verursachen.
Allerdings muss die wissenschaftliche Evidenz realistisch eingeordnet werden.
Es gibt bislang keine überzeugenden hochwertigen Studien, die ein bestimmtes physiotherapeutisches Übungsprogramm als wirksame Standardbehandlung der Xiphodynie bestätigen.
Deshalb sollten keine speziellen Übungen als wissenschaftlich gesicherte Heilungsmethode dargestellt werden.
Trotzdem können bei entsprechend abgeklärten Beschwerden allgemeine physiotherapeutische Prinzipien berücksichtigt werden.
Dazu gehören eine angemessene Belastungssteuerung, die Vermeidung wiederholter schmerzhafter Druckbelastungen und die schrittweise Wiederaufnahme normaler Aktivitäten.
Auch die Funktion der Brustwirbelsäule, des Brustkorbs und der Rumpfmuskulatur kann untersucht werden.
Besonders wichtig ist, dass keine kräftigen direkten Mobilisationen oder Drucktechniken am Schwertfortsatz durchgeführt werden.
Die Struktur ist anatomisch empfindlich und liegt in unmittelbarer Nähe relevanter innerer Strukturen.
Ein aggressives manuelles Vorgehen ist deshalb nicht sinnvoll.
4 sanfte Bewegungen bei abgeklärter Xiphodynie
Die folgenden Bewegungen sind keine spezifisch wissenschaftlich validierte Behandlung der Xiphodynie.
Sie können bei einer ärztlich abgeklärten, unkomplizierten muskuloskelettalen Beschwerdesituation als vorsichtige Möglichkeiten zur allgemeinen Bewegungserhaltung dienen.
Sie sollten nicht bei neu auftretenden, ungeklärten Brust- oder Oberbauchschmerzen ausprobiert werden.
Besonders wichtig ist, dass die Übungen keine ausgeprägten Beschwerden hervorrufen.
Übung 1: Ruhige Bauchatmung
Setze dich bequem auf einen Stuhl oder lege dich in eine angenehme Position.
Atme langsam und ruhig ein.
Versuche, die Atmung nicht bewusst zu forcieren.
Anschliessend atmest du entspannt wieder aus.
Wiederhole dies für ungefähr fünf bis zehn Atemzüge.
Die Übung dient vor allem einer ruhigen Atmung und der allgemeinen Entspannung.
Sie ist nicht dazu gedacht, den Schwertfortsatz mechanisch zu verändern oder eine anatomische Fehlstellung zu korrigieren.
Wenn das Atmen deutliche Schmerzen verursacht, sollte die Ursache medizinisch beurteilt werden.
Übung 2: Sanfte Schulterbewegungen
Setze dich aufrecht und lasse die Arme locker neben dem Körper hängen.
Bewege die Schultern langsam nach oben und wieder nach unten.
Anschliessend kannst du kleine kontrollierte Schulterkreise ausführen.
Beginne mit ungefähr acht bis zehn Wiederholungen.
Diese Bewegungen beanspruchen vor allem den Schultergürtel.
Sie können dazu beitragen, die normale Bewegungsvielfalt im oberen Körperbereich zu erhalten.
Eine direkte therapeutische Wirkung auf die Xiphodynie ist nicht nachgewiesen.
Übung 3: Leichte Brustwirbelsäulenrotation
Setze dich auf einen stabilen Stuhl.
Verschränke die Arme locker vor dem Oberkörper.
Drehe den Rumpf langsam ein kleines Stück zur rechten Seite.
Anschliessend kehrst du zur Mitte zurück und drehst dich vorsichtig nach links.
Beginne mit fünf bis acht Wiederholungen pro Seite.
Die Bewegung sollte schmerzarm bleiben.
Wenn die Rotation Beschwerden im Bereich des unteren Brustbeins verstärkt, sollte die Übung angepasst oder zunächst ausgelassen werden.
Übung 4: Gehen in angenehmem Tempo
Auch gewöhnliches Gehen kann eine sinnvolle Form allgemeiner körperlicher Aktivität sein.
Beginne mit einer kurzen Strecke, die du problemlos bewältigen kannst.
Achte darauf, ob sich die Beschwerden während der Bewegung verändern.
Wenn das Gehen angenehm ist, kannst du die Aktivität im Alltag schrittweise steigern.
Das Ziel besteht darin, unnötige Bewegungsvermeidung zu reduzieren.
Allerdings darf bei ungeklärten Brustschmerzen nicht versucht werden, die Beschwerden durch körperliche Belastung auszutesten.
Besonders wenn Schmerzen unter Anstrengung zunehmen oder Atemnot auftritt, ist eine medizinische Abklärung notwendig.
Hilft Wärme bei Schmerzen am Schwertfortsatz?
Wärme kann bei verschiedenen muskuloskelettalen Beschwerden subjektiv angenehm sein.
Manche Menschen empfinden beispielsweise eine warme Dusche als entspannend.
Allerdings gibt es keine hochwertigen spezifischen Studien, die zeigen, dass Wärme eine Xiphodynie zuverlässig behandelt.
Deshalb sollte eine Wärmeanwendung höchstens als unterstützende Massnahme betrachtet werden.
Besonders wichtig ist, die Ursache der Beschwerden zunächst ausreichend abzuklären.
Bei plötzlich auftretenden Brust- oder Oberbauchschmerzen darf Wärme nicht als Ersatz für eine medizinische Untersuchung verwendet werden.
Auch starke Hitze oder direkte Druckbelastungen auf die schmerzhafte Region sollten vermieden werden.
Helfen Massagen oder Faszienrollen?
Für eine zuverlässige Behandlung der Xiphodynie durch Massagen oder Faszienrollen gibt es keine überzeugenden wissenschaftlichen Nachweise.
Besonders problematisch wäre eine starke direkte Druckbelastung auf den Schwertfortsatz.
Die Struktur besitzt individuelle anatomische Besonderheiten und kann bei direkter Krafteinwirkung empfindlich reagieren.
Deshalb sollte nicht versucht werden, einen vermeintlich verschobenen Schwertfortsatz selbst zurückzudrücken.
Auch die Vorstellung, dass sich Schmerzen durch kräftige manuelle Techniken unmittelbar an der Struktur lösen liessen, ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.
Wenn zusätzliche muskuläre Beschwerden im Bereich des Rückens oder Schultergürtels bestehen, können diese unabhängig davon physiotherapeutisch beurteilt werden.
Die Behandlung sollte jedoch nicht auf einer unbelegten mechanischen Korrektur des Schwertfortsatzes beruhen.
Können lokale Injektionen helfen?
In der medizinischen Literatur werden lokale Injektionen als mögliche Behandlung bei anhaltender Xiphodynie beschrieben.
Dabei können beispielsweise örtliche Betäubungsmittel eingesetzt werden.
Teilweise werden diese mit Kortikosteroiden kombiniert.
Das Ziel besteht darin, die lokale Schmerzwahrnehmung zu reduzieren.
Eine vorübergehende deutliche Schmerzlinderung nach einer fachgerecht durchgeführten Injektion kann ausserdem die Vermutung unterstützen, dass die Beschwerden tatsächlich aus dieser Region stammen.
Allerdings ist auch eine solche Reaktion kein absoluter diagnostischer Beweis.
Eine 2024 veröffentlichte Fallbeschreibung berichtete beispielsweise über eine deutliche Besserung nach wiederholten lokalen Injektionen.
Die wissenschaftliche Aussagekraft einzelner Fallberichte ist jedoch begrenzt.
Insbesondere fehlen ausreichend grosse kontrollierte Studien, um die langfristige Wirksamkeit und das optimale Behandlungsprotokoll zuverlässig zu bestimmen.
Wegen der anatomischen Lage sollten solche Injektionen ausschliesslich durch entsprechend qualifizierte medizinische Fachpersonen durchgeführt werden.
Wann wird eine Xiphodynie operiert?
Eine Operation ist normalerweise keine erste Behandlungsmassnahme.
Sie kann jedoch bei ausgewählten Patienten mit lang anhaltenden, erheblichen Beschwerden erwogen werden.
Dabei muss die Diagnose möglichst sicher sein.
Besonders wichtig ist der vorherige Ausschluss anderer medizinischer Ursachen.
Bei einer sogenannten Xiphoidektomie wird der Schwertfortsatz operativ entfernt.
Dieses Verfahren wurde in kleineren Fallserien untersucht.
Eine 2021 veröffentlichte Fallserie mit 19 Patienten beschrieb bei 17 Betroffenen eine klinisch relevante Schmerzreduktion.
Vierzehn Patienten berichteten nach dem Eingriff über vollständige Beschwerdefreiheit.
Diese Ergebnisse erscheinen zunächst vielversprechend.
Allerdings handelte es sich um eine kleine, nicht randomisierte Untersuchung ohne geeignete Kontrollgruppe.
Auch die Auswahl der Patienten kann die Ergebnisse beeinflusst haben.
Deshalb lässt sich daraus keine allgemeine Erfolgswahrscheinlichkeit für sämtliche Menschen mit Xiphodynie ableiten.
Eine Operation sollte nur dann erwogen werden, wenn die Beschwerden erheblich sind, konservative Möglichkeiten nicht ausreichend geholfen haben und die Diagnose sorgfältig abgesichert wurde.
Welche Risiken hat eine Xiphoidektomie?
Wie bei jedem chirurgischen Eingriff bestehen mögliche Risiken.
Dazu gehören unter anderem Wundheilungsstörungen, Infektionen, Narbenbeschwerden und anhaltende Schmerzen.
Auch Verletzungen angrenzender Strukturen können grundsätzlich auftreten.
Besonders wichtig ist die Möglichkeit, dass die Schmerzen nach der Operation nicht vollständig verschwinden.
Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn die Beschwerden nicht ausschliesslich vom Schwertfortsatz verursacht wurden.
Deshalb betonen die Autoren der wissenschaftlichen Fallserien eine sorgfältige Patientenauswahl.
Eine Operation sollte nicht allein aufgrund eines auffälligen CT-Befundes oder einer lokalen Druckempfindlichkeit durchgeführt werden.
Der erwartbare Nutzen muss individuell gegen die Risiken abgewogen werden.
Wie lange dauert eine Xiphodynie?
Der Verlauf kann sehr unterschiedlich sein.
Manche Beschwerden entwickeln sich nach einer erkennbaren Belastung oder Verletzung.
Andere beginnen schleichend.
In der medizinischen Literatur werden Fälle beschrieben, in denen die Symptome über Monate oder Jahre bestanden.
Besonders problematisch kann sein, dass die Erkrankung wegen ihrer unspezifischen Beschwerden nicht sofort erkannt wird.
Allerdings bedeutet eine längere Beschwerdedauer nicht automatisch, dass eine Operation notwendig wird.
Auch konservative Behandlungsmöglichkeiten können unter bestimmten Umständen zur Beschwerdelinderung beitragen.
Aufgrund der begrenzten Studienlage lässt sich jedoch keine zuverlässige durchschnittliche Heilungsdauer angeben.
Der Verlauf hängt unter anderem von der tatsächlichen Ursache, möglichen Begleiterkrankungen und der individuellen Behandlung ab.
Wann solltest du bei Schmerzen unter dem Brustbein zum Arzt?
Bei neu auftretenden Brust- oder Oberbauchschmerzen sollte zunächst geklärt werden, ob eine ernsthafte medizinische Ursache vorliegt.
Besonders wichtig ist eine sofortige Abklärung bei plötzlich einsetzenden starken Schmerzen.
Auch ein Engegefühl im Brustkorb, Atemnot, kalter Schweiss, Übelkeit oder ausgeprägte Kreislaufprobleme sind Warnzeichen.
Wenn Schmerzen in den Arm, Rücken, Hals oder Kiefer ausstrahlen, kann ebenfalls eine akute Herzerkrankung vorliegen.
Allerdings treten solche Ausstrahlungen auch bei anderen Erkrankungen auf.
Deshalb ist eine sichere Unterscheidung allein anhand der Symptome nicht möglich.
Eine Lungenembolie oder andere ernsthafte Erkrankungen können sich ebenfalls durch Brustschmerzen und Atemnot bemerkbar machen.
Bei solchen Warnzeichen ist eine sofortige notfallmedizinische Untersuchung notwendig.
In der Schweiz erreichst du den Rettungsdienst unter der Telefonnummer 144.
Auch bei länger bestehenden Beschwerden, einer ungewöhnlichen Schwellung oder einem neu aufgetretenen Knoten im Bereich des Schwertfortsatzes ist eine ärztliche Untersuchung sinnvoll.
Erst nach angemessener medizinischer Abklärung sollte eine Xiphodynie als mögliche muskuloskelettale Diagnose behandelt werden.
Häufige Fragen zur Xiphodynie
Was ist eine Xiphodynie?
Die Xiphodynie ist ein selten beschriebenes muskuloskelettales Schmerzsyndrom im Bereich des Schwertfortsatzes am unteren Ende des Brustbeins. Die Schmerzen können lokal auftreten oder in andere Körperregionen ausstrahlen.
Wo sitzt der Schmerz bei einer Xiphodynie?
Typisch sind Beschwerden unmittelbar am unteren Ende des Brustbeins beziehungsweise im Übergangsbereich zum oberen Bauch. Manche Betroffene berichten zusätzlich über ausstrahlende Schmerzen in Rücken, Schultern oder Brustkorb.
Ist eine Xiphodynie gefährlich?
Eine tatsächlich diagnostizierte unkomplizierte Xiphodynie ist normalerweise keine lebensbedrohliche Erkrankung. Problematisch ist jedoch, dass ähnliche Symptome auch bei ernsthaften Herz-, Lungen- oder Bauchorganerkrankungen auftreten können. Deshalb ist eine sorgfältige medizinische Abklärung wichtig.
Kann man den Schwertfortsatz fühlen?
Ja. Bei manchen Menschen ist der Schwertfortsatz am unteren Ende des Brustbeins als feste Struktur tastbar. Das ist nicht automatisch krankhaft.
Kann der Schwertfortsatz hervorstehen?
Ja. Form und Ausrichtung des Schwertfortsatzes unterscheiden sich individuell. Ein nach vorne gerichteter Schwertfortsatz ist nicht automatisch die Ursache von Schmerzen.
Kann eine Xiphodynie durch Krafttraining entstehen?
In einzelnen Fallberichten werden Beschwerden nach intensiven körperlichen Belastungen oder schwerem Heben beschrieben. Eine eindeutige allgemeine Ursache-Wirkungs-Beziehung ist jedoch nicht nachgewiesen.
Hilft Physiotherapie bei Xiphodynie?
Physiotherapie kann bei entsprechend abgeklärten Beschwerden zur Belastungssteuerung und Erhaltung der allgemeinen Beweglichkeit beitragen. Hochwertige Studien zu spezifischen physiotherapeutischen Behandlungsmethoden fehlen allerdings.
Welche Übungen helfen gegen Xiphodynie?
Es gibt keine wissenschaftlich nachgewiesene spezielle Übung, die eine Xiphodynie zuverlässig beseitigt. Nach medizinischem Ausschluss ernsthafter Ursachen können sanfte Bewegungen und eine angemessene Rückkehr zu normalen Aktivitäten sinnvoll sein.
Kann man einen schmerzhaften Schwertfortsatz massieren?
Kräftige direkte Drucktechniken sollten vermieden werden. Ein zuverlässiger therapeutischer Nutzen durch Massagen oder Faszienrollen ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Muss eine Xiphodynie operiert werden?
Nein. Eine Operation kommt normalerweise nur bei ausgewählten Patienten mit anhaltenden starken Beschwerden infrage, wenn konservative Behandlungsmöglichkeiten nicht ausreichend geholfen haben und die Diagnose sorgfältig abgesichert wurde.
Ist ein MRT bei Xiphodynie notwendig?
Nicht immer. Bildgebung kann bei unklaren Befunden sinnvoll sein. Allerdings sind bestimmte anatomische Merkmale des Schwertfortsatzes nicht ausreichend zuverlässig, um die Erkrankung allein durch MRT oder CT zu diagnostizieren.
Kann eine Xiphodynie von allein verschwinden?
Eine Besserung ohne Operation ist grundsätzlich möglich. Da hochwertige Langzeitstudien zum natürlichen Verlauf fehlen, lässt sich die Wahrscheinlichkeit einer spontanen Rückbildung jedoch nicht zuverlässig beziffern.
Mein Fazit als Physiotherapeut
Die Xiphodynie ist eine seltene, aber medizinisch relevante mögliche Ursache für Schmerzen am unteren Brustbein.
Besonders charakteristisch ist ein lokalisierter Schmerz im Bereich des Schwertfortsatzes, der bei bestimmten Bewegungen oder durch vorsichtigen Druck beeinflusst werden kann.
Allerdings können sich die Beschwerden teilweise mit Symptomen ernsthafter Erkrankungen überschneiden.
Dazu gehören insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie bestimmte Erkrankungen der Lunge und des Verdauungssystems.
Aus physiotherapeutischer Sicht ist deshalb vor allem die sorgfältige Differentialdiagnostik entscheidend.
Ein druckempfindlicher Punkt am unteren Brustbein reicht nicht aus, um eine Xiphodynie sicher zu diagnostizieren.
Besonders interessant ist die wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2025, die zeigte, dass bestimmte CT-Merkmale des Schwertfortsatzes keine zuverlässige diagnostische Unterscheidung ermöglichen.
Auch ein besonders deutlich hervorstehender Schwertfortsatz muss deshalb nicht zwangsläufig krankhaft sein.
Bei einer ausreichend abgeklärten Xiphodynie stehen zunächst konservative Behandlungsmöglichkeiten im Vordergrund.
Dazu können eine Anpassung schmerzauslösender Belastungen und eine geeignete medizinische Schmerzbehandlung gehören.
Physiotherapie kann gegebenenfalls unterstützen, indem normale Bewegungen erhalten und Belastungen schrittweise wieder aufgebaut werden.
Allerdings fehlen bislang hochwertige Studien zu speziellen physiotherapeutischen Übungsprogrammen.
Deshalb wäre es nicht seriös, einzelne Dehnungen oder manuelle Techniken als wissenschaftlich gesicherte Behandlung anzupreisen.
Auch eine operative Entfernung des Schwertfortsatzes sollte sorgfältig abgewogen werden.
Kleinere Fallserien zeigen zwar teilweise deutliche Verbesserungen, erlauben aber keine zuverlässige allgemeine Aussage über die langfristigen Erfolgsaussichten.
Mein wichtigster Rat lautet deshalb: Wenn du Schmerzen am unteren Brustbein oder unmittelbar oberhalb des Bauches hast, solltest du die Ursache zunächst medizinisch abklären lassen. Erst wenn ernsthafte Erkrankungen angemessen ausgeschlossen wurden, kann die Behandlung einer möglichen Xiphodynie gezielt erfolgen.
Nicht jeder Schmerz unter dem Brustbein kommt vom Magen oder vom Herzen. Aber gerade weil sich die Beschwerden überschneiden können, muss die richtige Diagnose immer vor der Behandlung stehen.
Wissenschaftliche Quellen
Noor, N., Amgalan, A., Vij, N., Habib, K., Anantuni, L., An, D., Kassem, H., Paladini, A., Varrassi, G., & Kaye, A. D. (2022). Treatment and management of xiphoidalgia. Orthopedic Reviews, 14(3), 37070. https://doi.org/10.52965/001c.37070
Ono, R., & Horibata, K. (2025). A case-control study evaluating CT signs of xiphoid process associated with xiphodynia. PLOS ONE, 20(5), e0303657. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0303657
Bakens, M. J. A. M., Andel, P. C. M., Daemen, J. H. T., Hulsewé, K. W. E., Vissers, Y. L. J., & de Loos, E. R. (2021). A case series: Xiphoidectomy for xiphodynia, a rare thoracic wall disorder. Journal of Thoracic Disease, 13(4), 2216–2223. https://doi.org/10.21037/jtd-20-3396
van Boekel, A., Stollenwerck, G., Ritchie, E. D., & Vogels, S. (2023). Xiphodynia as an unusual cause of chest pain: A case series. The Surgery Journal, 9(1), e39–e43. https://doi.org/10.1055/s-0043-1761270
Simpson, J. K., & Hawken, E. (2007). Xiphodynia: A diagnostic conundrum. Chiropractic & Osteopathy, 15, 13. https://doi.org/10.1186/1746-1340-15-13
Ono, R., & Horibata, K. (2024). Xiphodynia with limited decrease in the xiphoid process-sternal angle but recognised compression of the rectus abdominis. BMJ Case Reports, 17(2), e259176. https://doi.org/10.1136/bcr-2023-259176
Tsuchida, T., Ishizuka, K., & Ohira, Y. (2023). Xiphodynia caused by a large xiphoid process. Cureus, 15(9), e44516. https://doi.org/10.7759/cureus.44516
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung oder Behandlung. Bei akut auftretenden Brustschmerzen, Atemnot, Kreislaufproblemen oder anderen Warnzeichen ist eine sofortige medizinische Abklärung erforderlich. Eine Xiphodynie darf erst nach angemessenem Ausschluss relevanter anderer Ursachen diagnostiziert werden.




Kommentare