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Gluteale Tendinopathie: Schmerzen an der Hüftaussenseite behandeln und sechs Übungen richtig aufbauen

Autorenbild: Roman Welzk | Gründer mein-physio.info
Roman Welzk | Gründer mein-physio.info
vor 15 Stunden
10 Min. Lesezeit

Du liegst nachts auf der Seite und die äussere Hüfte beginnt zu schmerzen. Beim Treppensteigen zieht es über dem grossen Rollhügel, längere Spaziergänge werden unangenehm und manchmal fühlt es sich an, als müsse die Hüfte erst warm werden. Hinter solchen Beschwerden kann eine gluteale Tendinopathie stecken: eine verminderte Belastungsverträglichkeit der Sehnen der seitlichen Gesässmuskulatur. Umgangssprachlich ist auch von einem Trochanterschmerzsyndrom oder einer Schleimbeutelentzündung an der Hüfte die Rede.


Die Bezeichnungen sind jedoch nicht austauschbar. Ein Schmerz an der Hüftaussenseite beweist weder eine isolierte Sehnenverletzung noch eine entzündete Bursa. Häufig wirken mehrere Strukturen und Belastungsfaktoren zusammen. In diesem Ratgeber erfährst du, wie eine gluteale Tendinopathie eingeordnet wird, welche Warnzeichen wichtig sind, was Studien über Übungen und Injektionen zeigen und wie du sechs sinnvolle Bewegungsbausteine dosieren kannst.



Was ist eine gluteale Tendinopathie?


Die Muskeln Gluteus medius und Gluteus minimus stabilisieren das Becken, insbesondere wenn du auf einem Bein stehst. Ihre Sehnen setzen am grossen Rollhügel des Oberschenkelknochens an, dem Trochanter major. Beim Gehen, Treppensteigen und Laufen übertragen sie Kraft und verhindern ein unkontrolliertes Absinken des Beckens.


Bei einer Tendinopathie reagiert die Sehne auf bestimmte Zug- und Druckbelastungen schmerzhaft. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine klassische Entzündung besteht. Histologische Veränderungen, verminderte Kraft, lokale Empfindlichkeit und eine ungünstige Belastungsdosierung können eine Rolle spielen. Besonders wichtig ist die Kombination aus Zug an den Sehnen und Kompression im seitlichen Hüftbereich.



Was bedeutet Greater Trochanteric Pain Syndrome?


Das englische Greater Trochanteric Pain Syndrome, kurz GTPS, bezeichnet ein klinisches Beschwerdebild mit Schmerzen rund um den Trochanter major. Dazu können gluteale Tendinopathien, Veränderungen der Schleimbeutel und weitere lokale Schmerzquellen gehören. Die Diagnose wird aus Beschwerden und Untersuchung abgeleitet. Der Sammelbegriff macht deutlich, dass die Schmerzregion nicht immer genau einer einzigen Struktur entspricht.


Ein MRT-Befund kann hilfreich sein, besonders bei ungewöhnlichem Verlauf oder Verdacht auf strukturelle Schäden. Er ist aber nicht gleichbedeutend mit der Diagnose. Veränderungen an Sehnen und Schleimbeuteln können auch bei Menschen vorkommen, die keine Beschwerden haben. Entscheidend ist, ob Befund und Symptomatik zusammenpassen.



Typische Symptome an der Hüftaussenseite


Viele Betroffene zeigen den Schmerz mit einem Finger direkt über dem grossen Rollhügel. Oft wird das Liegen auf der betroffenen Seite unangenehm. Auch langes Stehen mit dem Gewicht auf einem Bein, das Gehen bergauf, Treppensteigen oder ein längerer Spaziergang können Probleme bereiten. Manchmal strahlt der Schmerz an der Aussenseite des Oberschenkels Richtung Knie aus.


Wird die Hüfte im Sitzen stark zur Körpermitte geführt, etwa beim Übereinanderschlagen der Beine, kann die seitliche Sehnenregion unter zusätzlichen Druck geraten. Ähnliches gilt für bestimmte Dehnpositionen. Dass ein Dehnreiz als angenehm empfunden wird, bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die betroffene Sehne dadurch besser belastbar wird.



Ist das eine Schleimbeutelentzündung?


Eine Schleimbeutelreizung ist möglich, erklärt aber nicht sämtliche Fälle von seitlichem Hüftschmerz. Der Begriff Trochanterbursitis wird im Alltag häufig verwendet, obwohl moderne Untersuchungen häufig auch Veränderungen der Glutealsehnen zeigen. Sinnvoller ist zunächst die präzise klinische Einordnung, statt bei jeder Druckempfindlichkeit automatisch eine Entzündung anzunehmen.



Welche Ursachen kommen infrage?



Belastungsspitzen und Trainingsänderungen


Lange Bergwanderungen, ungewohnt viele Treppen, ein plötzlicher Laufumfang oder ein Trainingsstart nach längerer Pause können die seitlichen Hüftstrukturen stärker beanspruchen, als sie gewohnt sind. Die Beschwerden entwickeln sich nicht immer unmittelbar. Manche Menschen merken erst am nächsten Morgen, dass die Belastung zu hoch war.



Häufige Druckbelastung


Langes Liegen auf der schmerzhaften Seite, Sitzen mit stark überkreuzten Beinen oder dauerhaftes Stehen mit vorgeschobener Hüfte können die Region reizen. Nicht jede dieser Positionen ist grundsätzlich schädlich. Wenn sie aber zuverlässig Beschwerden auslöst, kann eine vorübergehende Positionsänderung den Reizzustand verringern.



Kraft- und Belastbarkeitsdefizite


Die Hüftabduktoren müssen im Alltag wiederholt das Körpergewicht stabilisieren. Nach einer Schonphase kann diese Belastung unangenehm werden. Das bedeutet nicht, dass eine angeblich falsche Haltung die alleinige Ursache ist. Ein gezielter Kraftaufbau kann trotzdem hilfreich sein, weil er Belastbarkeit und Bewegungskontrolle verbessert.



Alter und weitere Einflussfaktoren


GTPS tritt bei unterschiedlichen Menschen auf und kann mit dem Alter, Körpergewicht, Trainingsgewohnheiten sowie weiteren Erkrankungen zusammenhängen. Diese Faktoren sind keine Schuldzuweisung und erklären nicht jede einzelne Erkrankung. Entscheidend ist, was im konkreten Fall veränderbar ist und welche Massnahmen die Funktion verbessern.



Andere Gründe für Hüftschmerzen


Schmerzen tief in der Leiste sprechen eher für eine mögliche Beteiligung des Hüftgelenks. Dazu gehört zum Beispiel ein femoroazetabuläres Impingement. Welche Beschwerden dabei typisch sind, erklären wir in unserem Beitrag zum Hüftimpingement (FAI) und seinen Behandlungsmöglichkeiten.


Schmerzen aus dem unteren Rücken können in Gesäss und Oberschenkel ausstrahlen. Auch Beschwerden rund um den Piriformis werden gelegentlich mit Hüftproblemen verwechselt. Im Artikel zum Piriformis-Syndrom und den Ursachen von Gesässschmerzen findest du eine zusätzliche Orientierung. Taubheit, ausgeprägte Muskelschwäche oder ausstrahlende Nervenschmerzen gehören jedoch gezielt untersucht.


Bei Schmerzen in der Leiste nach intensivem Sport kann stattdessen eine Adduktorenproblematik vorliegen. Unser neuer Ratgeber über Adduktorenschmerzen und ihre Rehabilitation beschreibt diese andere Region ausführlich. Die Schmerzlokalisation ist ein Ausgangspunkt, aber kein ausreichender Selbsttest.



Wann ist eine ärztliche Untersuchung dringend?


Plötzlich starke Hüftschmerzen nach einem Sturz, eine deutliche Unfähigkeit, das Bein zu belasten, Fieber mit schwerem Krankheitsgefühl, ein heisses geschwollenes Gelenk oder heftige nächtliche Schmerzen ohne erklärbare Belastung sollten rasch medizinisch beurteilt werden. Bei neuen neurologischen Ausfällen, erheblicher Beinschwäche oder starken ausstrahlenden Beschwerden ist ebenfalls eine zeitnahe Untersuchung angezeigt.


Bei plötzlich einsetzendem Schmerz und sofortigem Kraftverlust kann ein grösserer Sehnenschaden vorliegen. Menschen mit bekannten Knochenrisiken sollten bei neu auftretenden starken Schmerzen auch mögliche Frakturen oder Stressverletzungen abklären lassen. Ein allgemeines Übungsprogramm ist in solchen Situationen nicht die richtige erste Massnahme.




Wie wird eine gluteale Tendinopathie diagnostiziert?


Der erste Schritt ist ein Gespräch über Verlauf und Belastung: Seit wann bestehen die Beschwerden? Welche Positionen lösen sie aus? Wie reagiert die Hüfte beim Treppensteigen, Stehen auf einem Bein und Liegen? Anschliessend prüft die Fachperson Druckempfindlichkeit, Beweglichkeit der Hüfte, Kraft und ausgewählte funktionelle Tests.


Schmerzen beim einbeinigen Stehen oder bei kontrollierter Abduktion gegen Widerstand können zur klinischen Einordnung beitragen. Kein einzelner Test ist jedoch in jeder Situation ausreichend genau. Bestehen deutliche Leistenschmerzen, Bewegungseinschränkungen oder neurologische Symptome, müssen alternative Ursachen geprüft werden.


Ultraschall kann Sehnen und Schleimbeutel darstellen. Bei Verdacht auf grössere Sehnenrisse, unklarer Diagnose oder ausbleibendem Behandlungserfolg kann eine MRT-Untersuchung sinnvoll sein. Nicht jede Person mit typischen Beschwerden benötigt sofort eine Bildgebung; die Entscheidung hängt vom Gesamtbefund ab.



Was sagt die Wissenschaft zur Therapie?


Eine randomisierte Studie von Mellor und Mitarbeitenden im British Medical Journal verglich bei Menschen mit glutealer Tendinopathie drei Ansätze: Aufklärung über Belastungssteuerung plus ein gezieltes Übungsprogramm, eine Kortikosteroidinjektion und ein abwartendes Vorgehen. Das kombinierte Programm aus Edukation und Training schnitt hinsichtlich der globalen Verbesserung besonders gut ab. Bei längerer Nachbeobachtung zeigte es in der globalen Einschätzung Vorteile gegenüber der Injektion; dies darf nicht mit einer garantierten Schmerzfreiheit verwechselt werden.


Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse aus dem Jahr 2024 beurteilte randomisierte Studien zu Training bei GTPS. Die Ergebnisse sprechen für Verbesserungen der Beschwerden und Funktion, allerdings ist die Sicherheit der Evidenz aufgrund weniger Studien teilweise niedrig bis moderat. Daraus folgt: Training ist eine wichtige Behandlungsoption, aber es gibt nicht eine einzige für alle Menschen identische Übung, die nachweislich jede Tendinopathie heilt.



Die zentrale Rolle der Belastungssteuerung


Bei einer gereizten Sehne ist nicht nur das Training selbst relevant, sondern auch die Summe der Alltagsbelastungen. Treppen, lange Spaziergänge, Schlafposition und Stehen können zusammen eine erhebliche Beanspruchung ergeben. Eine gute Strategie reduziert zunächst besonders provozierende Spitzen und erhält dennoch genügend angenehme Bewegung. Anschliessend wird die Belastung kontrolliert gesteigert.



Was ist mit Spritzen?


Kortikosteroidinjektionen können bei einzelnen Menschen kurzfristig Schmerzen reduzieren. Sie sind aber kein automatischer Ersatz für gezielte Rehabilitation, und der langfristige Nutzen gegenüber Edukation plus Bewegung ist begrenzt. Ob eine Injektion in einer konkreten Situation sinnvoll ist, sollte unter Berücksichtigung von Diagnose, Beschwerden, Risiken und bisherigen Behandlungen ärztlich entschieden werden.



Sind Dehnübungen sinnvoll?


Aggressives Dehnen der seitlichen Hüfte kann die Sehnen am grossen Rollhügel zusätzlich komprimieren. Bei einer symptomatischen Glutealsehne ist es deshalb nicht immer klug, das Bein maximal über die Körpermitte zu ziehen. Sanfte Beweglichkeit kann Teil einer Behandlung sein, wenn sie gut toleriert wird; sie sollte aber nicht die gesamte Therapie ausmachen.



Sechs Übungen bei glutealer Tendinopathie


Diese Übungen eignen sich als mögliche Schritte bei ärztlich oder physiotherapeutisch eingeordneten, stabilen Beschwerden ohne Hinweis auf grössere Ruptur oder andere ernsthafte Erkrankung. Beginne mit der leichtesten passenden Stufe. Nicht alle sechs Übungen müssen in einer Einheit absolviert werden. Für die Dosierung sind Schmerzverlauf, Kraftniveau und Reaktion am folgenden Tag wichtiger als eine starre Wiederholungszahl.



Übung 1: Isometrische Hüftabduktion im Stand


Stelle dich seitlich neben eine stabile Wand und drücke die Aussenseite des Knies leicht gegen ein Kissen an der Wand. Dein Becken bleibt ungefähr waagerecht, du hältst dich bei Bedarf fest. Halte fünf bis zehn Sekunden mit moderater Anspannung und löse. Beginne mit fünf bis acht Wiederholungen. Das Ziel ist eine gut kontrollierte Aktivierung der seitlichen Hüftmuskulatur ohne provozierende Endstellung.



Übung 2: Beidbeinige Brücke


Lege dich auf den Rücken und stelle die Füsse hüftbreit auf. Hebe das Becken langsam an, bis Rumpf und Oberschenkel eine ungefähr gerade Linie bilden, und senke kontrolliert. Zwei Sätze mit acht bis zwölf Wiederholungen können ein Einstieg sein. Die Brücke trainiert mehrere Gesässmuskeln und ist kein isolierter Test der schmerzhaften Sehne.



Übung 3: Seitwärtsschritte mit leichtem Band


Lege ein elastisches Band oberhalb der Knie an. Beuge Hüfte und Knie leicht und gehe langsam kleine Schritte seitwärts. Achte darauf, dass die Knie nicht unkontrolliert nach innen kippen. Beginne mit zwei kurzen Strecken von sechs bis zehn Schritten. Wenn die Hüftaussenseite danach deutlich gereizt ist, wähle weniger Widerstand oder kürzere Schritte.



Übung 4: Hüftabduktion im Stehen


Stelle dich aufrecht an eine feste Stütze. Bewege das andere Bein wenige Zentimeter seitlich weg, ohne den Oberkörper deutlich zu neigen. Senke langsam ab. Zwei Sätze mit acht bis zwölf Wiederholungen reichen anfangs aus. Die Standseite arbeitet stabilisierend, während die bewegte Seite abduziert. Bei Schmerzen auf der Standseite reduziere die Dauer des Einbeinstands.



Übung 5: Kontrollierter Step-up


Nutze eine niedrige, stabile Stufe. Stelle ein Bein darauf, richte dich langsam auf und senke dich wieder. Halte bei Bedarf ein Geländer fest. Beginne mit sechs bis acht Wiederholungen und beobachte, ob Treppensteigen in den folgenden 24 Stunden besser oder schlechter toleriert wird. Steigere erst die Wiederholungen und später die Stufenhöhe.



Übung 6: Kurze Einbeinstand-Intervalle


Halte dich an einer Wand oder Arbeitsplatte fest und verlagere das Gewicht kurz auf ein Bein. Beginne mit zehn bis zwanzig Sekunden und wiederhole die Position dreimal. Ein abgesunkenes oder stark zur Seite geschobenes Becken ist kein Grund zur Selbstkritik; es zeigt, dass du die Übung noch leichter gestalten kannst. Die Belastungsdauer wird schrittweise gesteigert, bevor du schwierigere Untergründe wählst.



Schlafen und Alltag: kleine Änderungen mit Wirkung


Viele Menschen erleben das nächtliche Liegen als besonders belastend. Probiere deshalb vorübergehend die nicht schmerzhafte Seite und lege ein Kissen zwischen die Knie, damit das obere Bein nicht stark in Richtung Körpermitte fällt. Wenn du auf dem Rücken schlafen kannst, kann dies ebenfalls eine Alternative sein. Es gibt keine einzig richtige Schlafposition. Sinnvoll ist die Position, in der du möglichst beschwerdearm ruhst.


Vermeide vorübergehend langes Stehen mit dem ganzen Gewicht auf einer Hüfte, sofern diese Gewohnheit deine Beschwerden auslöst. Beim Gehen sind häufig etwas kürzere Strecken mit Pausen besser verträglich als ein einzelner sehr langer Ausflug. Sobald die Reaktion stabil ist, kann die Strecke schrittweise wachsen. Damit bleibt Bewegung Teil der Lösung und wird nicht dauerhaft zum vermeintlichen Feind.



Wie erkennst du eine zu hohe Trainingsdosis?


Ein leichter, vorübergehender Reiz während einer bekannten Belastung muss nicht automatisch bedeuten, dass Schaden entsteht. Wenn der Schmerz jedoch deutlich ansteigt, du die Bewegung veränderst oder die Nacht und der nächste Tag spürbar schlechter werden, war die Dosis vermutlich zu hoch. Reduziere dann Wiederholungen, Widerstand oder gleichzeitig belastende Alltagsaktivitäten. Bei starker Verschlechterung oder neuen Symptomen ist eine erneute fachliche Einschätzung sinnvoll.



Wann kann ich wieder wandern, laufen oder Sport treiben?


Die Rückkehr hängt von den Anforderungen ab. Alltägliches Gehen und einfache Kraftübungen sollten zunächst ausreichend toleriert werden. Danach können längere Strecken, Steigungen und schliesslich Lauf- oder Sprungbelastungen folgen. Die reine Schmerzfreiheit im Liegen ist kein Beweis dafür, dass intensive Sportbelastung sofort wieder möglich ist. Auch nach ersten Verbesserungen können weitere Wochen gezielter Aufbau nötig sein.


Wenn gleichzeitig Kniebeschwerden auftreten, können Gangbild und Belastung beeinflusst werden. Unser Artikel zur Kniearthrose und zum wirksamen Training zeigt, warum Kraftaufbau auch am Knie eine wichtige Rolle spielt. Bei Schmerzen rund um die Kniescheibe lohnt sich dagegen die gesonderte Einordnung eines patellofemoralen Schmerzsyndroms.




Video: Der Ansatz von Mein Physio



Das Video stellt die Arbeit und den Gesundheitsansatz von Mein Physio vor. Es ist keine spezifische Therapieanleitung für die gluteale Tendinopathie.



FAQ: Häufige Fragen zu Schmerzen an der Hüftaussenseite



Ist eine gluteale Tendinopathie dasselbe wie Hüftarthrose?


Nein. Die Tendinopathie betrifft vor allem die seitlichen Sehnenansätze, während Hüftarthrose das Gelenk betrifft. Beide Zustände können gleichzeitig bestehen. Leistenschmerzen und eingeschränkte Hüftbeweglichkeit können eher auf ein Gelenkproblem hinweisen, liefern alleine aber keine sichere Diagnose.



Darf ich trotz Schmerzen spazieren gehen?


Bei einer abgeklärten, stabilen Problematik ist Gehen in einer gut verträglichen Dosis häufig möglich. Wichtig ist die Reaktion während und nach der Aktivität. Nach einem Unfall, bei fehlender Belastbarkeit oder bei deutlichen Warnzeichen musst du zunächst medizinisch abklären lassen, was vorliegt.



Ist Kühlen oder Wärmen besser?


Beides kann kurzfristig angenehme Empfindungen auslösen. Keine der beiden Methoden ersetzt die Anpassung der Belastung oder einen sinnvollen Kraftaufbau. Wähle bei unkomplizierten Beschwerden, was sich subjektiv besser anfühlt.



Kann die Glutealsehne reissen?


Ja, es können Teilrisse oder grössere Risse vorkommen. Insbesondere bei erheblichem Kraftverlust, plötzlichen Beschwerden oder einer auffälligen Gangveränderung sollte eine fachliche Untersuchung erfolgen. Nicht jeder Schmerz an der Aussenseite ist jedoch ein Sehnenriss.



Wie lange dauert die Besserung?


Der Verlauf hängt unter anderem von der Dauer der Beschwerden, dem Belastungsniveau, den Begleiterkrankungen und der Verträglichkeit des Trainings ab. Viele Menschen benötigen einen mehrwöchigen oder mehrmonatigen Aufbau. Eine genaue Frist kann ohne Untersuchung nicht seriös versprochen werden.



Brauche ich eine Operation?


Die meisten unkomplizierten Fälle werden zunächst konservativ behandelt. Eine Operation kann bei ausgewählten, nachgewiesenen strukturellen Problemen in Betracht kommen, ist aber keine automatische Standardbehandlung für seitliche Hüftschmerzen. Die Entscheidung gehört in eine individuell ärztliche Abklärung.



Fazit: Weniger Druckspitzen, mehr gezielte Belastbarkeit


Eine gluteale Tendinopathie kann nächtliche Schmerzen, Probleme beim Gehen und deutliche Einschränkungen verursachen. Doch sie ist nicht gleichbedeutend mit einer dauerhaften Schädigung, und sie muss auch nicht ausschliesslich passiv behandelt werden. Studien sprechen dafür, Betroffene über die Belastungsmechanismen aufzuklären und die seitliche Hüftmuskulatur sinnvoll zu trainieren.


Entscheidend ist die Balance: vorübergehend ungünstige Druckpositionen reduzieren, weiterhin in passender Dosis aktiv bleiben und Kraft und Alltagsfunktion schrittweise steigern. Bei unklarer Diagnose oder Warnzeichen steht die ärztliche Untersuchung immer vor dem Übungsprogramm.



Wissenschaftliche Quellen


1. Mellor R et al. Education plus exercise versus corticosteroid injection use versus a wait and see approach on global outcome and pain from gluteal tendinopathy. BMJ (2018). https://www.bmj.com/content/361/bmj.k1662 2. Mellor R et al. PubMed-Nachweis zur randomisierten Studie, PMID 29720374. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29720374/ 3. Exercise compared to a control condition or other conservative treatment options in patients with Greater Trochanteric Pain Syndrome: a systematic review and meta-analysis. Physiotherapy (2024). https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0031940624000026


Die Studien untersuchen definierte Populationen und Trainingsprogramme. Sie belegen nicht, dass eine einzelne der hier beschriebenen Übungen in jeder Dosierung die Beschwerden heilen kann.



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