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Iliopsoas-Bursitis: Leistenschmerzen, Ultraschall und Behandlung

Autorenbild: Roman Welzk | Gründer mein-physio.info
Roman Welzk | Gründer mein-physio.info
20. Okt.
10 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Tagen

Anatomische Schemazeichnung der Iliopsoas-Bursa vor dem Hüftgelenk mit rot markierter Schleimbeutelvergrösserung

Iliopsoas-Bursitis: Was steckt hinter dem Leistenschmerz?

 

Die Iliopsoas-Bursitis bezeichnet eine Erweiterung oder Reizung eines tief liegenden Schleimbeutels an der Vorderseite des Hüftgelenks. Er befindet sich unter dem Hüftbeugemuskel Iliopsoas und kann sich mit Gelenkflüssigkeit füllen. Manche Menschen bemerken lediglich Leistenschmerzen beim Treppensteigen oder Aufstehen, andere eine tastbare Vorwölbung in der Leistenregion. Wieder andere haben überhaupt keine Beschwerden: Eine vergrösserte Bursa ist nicht automatisch die Ursache des Schmerzes. Häufig besteht ein Zusammenhang mit Gelenkerkrankungen oder Veränderungen der benachbarten Sehne.

Die Diagnose kann klinisch schwierig sein, weil Leistenbeschwerden viele Ursachen haben. Eine Hernie, vergrösserte Lymphknoten, ein Gefässaneurysma oder andere Raumforderungen dürfen nicht vorschnell als harmlose Schleimbeutelentzündung eingestuft werden. Zur sicheren Zuordnung helfen vor allem Ultraschall, gegebenenfalls MRT und die systematische Prüfung des gesamten Hüftgelenks. Ein zielgerichtetes Vorgehen beginnt mit der Frage, warum der Schleimbeutel erweitert ist, und endet nicht bei der Beschreibung einer Flüssigkeitsansammlung.

Anatomie: Musculus iliopsoas, Gelenkkapsel und Bursa iliopectinea

 

Der Musculus iliopsoas besteht vor allem aus Musculus psoas major und Musculus iliacus. Er verläuft vor dem Hüftgelenk, überquert die Gelenkvorderseite und setzt am kleinen Rollhügel des Oberschenkelknochens an. Der Muskel beteiligt sich wesentlich an der Hüftbeugung und beeinflusst zusammen mit anderen Muskelgruppen die Kontrolle von Becken und Rumpf. Zwischen seiner Sehne und der vorderen Hüftgelenkkapsel befindet sich die Bursa iliopsoas, auch Bursa iliopectinea genannt. Ihre Aufgabe ist es, Reibung beim Gleiten der Sehne zu vermindern.

Die Bursa ist normalerweise zusammengefallen und daher nicht immer direkt darstellbar. Bei Flüssigkeitsansammlung kann sie sich ausdehnen und unter Umständen mit dem Hüftgelenk kommunizieren. In unmittelbarer Nachbarschaft liegen wichtige Strukturen wie Nervus femoralis, Arterie und Vene femoralis sowie die Leistengegend. Grössere Flüssigkeitsräume können dadurch selten neurologische oder vaskuläre Symptome verursachen. Gerade die räumliche Nähe erklärt, weshalb unklare Leistenraumforderungen sorgfältig und nicht allein durch Abtasten abgeklärt werden müssen.

Entstehung: Wann entzündet oder erweitert sich die Bursa?

 

Eine Schwellung kann durch wiederholte mechanische Reibung an der Hüftbeugesehne, durch eine entzündliche Gelenkerkrankung oder als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen entstehen. Bei Hüftarthrose oder Gelenkerguss kann sich Gelenkflüssigkeit in den Schleimbeutel ausbreiten. Auch nach einer Hüfttotalprothese kommen Reizungen des Iliopsoas und seiner Bursa vor, etwa durch mechanischen Kontakt mit Implantatanteilen. Weitere mögliche Ursachen umfassen Traumata, Kristallarthropathien, entzündlich-rheumatische Erkrankungen und selten eine bakterielle Infektion.

Die Begriffe Iliopsoas-Bursitis, Iliopsoas-Tendinopathie und schnappende Hüfte überschneiden sich im Alltag, beschreiben anatomisch aber nicht dasselbe. Ein schnappender Sehnenverlauf kann ohne Schleimbeutelentzündung vorkommen; eine Bursa kann umgekehrt erweitert sein, ohne dass ein Schnappen bemerkt wird. Für die Therapie ist es entscheidend, ob primär Sehne, Bursa, Gelenk oder eine andere Ursache behandelt werden muss. Die Literatur besteht vielfach aus kleinen Serien und Fallberichten; sichere Häufigkeitsangaben für die einzelne Ursache sind selten.

Typische Beschwerden und Verlauf

 

Häufig liegt der Schmerz tief in der vorderen Leiste, manchmal mit Ausstrahlung in den vorderen Oberschenkel. Treppensteigen, Aufstehen aus tiefem Sitzen, Einsteigen ins Auto oder kräftiges Anheben des Beins können unangenehm sein. Eine vergrösserte Bursa kann sich als tastbare, manchmal druckempfindliche Schwellung bemerkbar machen. Manche Betroffene beschreiben gleichzeitig Schnappen, Ziehen oder ein blockierendes Gefühl, doch diese Zeichen sind unspezifisch. Der klinische Verlauf kann schwanken, abhängig davon, wie stark Hüftgelenk und Sehne belastet werden.

Bei grossen Bursen können in seltenen Fällen Druckwirkungen auftreten: Ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Versorgungsgebiet des Nervus femoralis, eine Schwäche beim Kniestrecken oder eine Beinschwellung erfordern besondere Aufmerksamkeit. Nach Hüftprothese müssen zudem Infektion, Lockerung oder andere prothesenbezogene Probleme berücksichtigt werden. Nächtliche Ruheschmerzen, Fieber oder rasches Wachstum einer Leistenraumforderung passen nicht zu einer unkomplizierten mechanischen Überlastung und müssen medizinisch abgeklärt werden.

Anamnese und körperliche Untersuchung

 

Ein strukturierter Befund beginnt mit Schmerzbeginn, Belastungssituationen und Begleiterkrankungen. Wichtig sind vorangegangene Hüftoperationen, bekannte Arthrose, rheumatische Erkrankungen, Fieber, Hautveränderungen und eine neue Schwellung. Bei der Untersuchung werden aktiver und passiver Bewegungsumfang, Hüftbeugerbelastbarkeit und mögliche Provokationsbewegungen geprüft. Auch Knie, Lendenwirbelsäule, Leiste und Bauchwand gehören zur klinischen Beurteilung. Eine einzelne schmerzhafte Hüftbeugung liefert keine spezifische Diagnose.

Die Ärztin oder der Arzt untersucht, ob eine Leistenraumforderung auf Druck oder Positionswechsel reagiert, ob ein Hustenimpuls besteht oder ob eine Gefässstruktur beteiligt sein könnte. Bei neurologischen Beschwerden sind Kniestreckkraft, Reflexe und sensible Verteilung zu prüfen. Ein Zusammenhang zwischen klinischer Untersuchung und Bildgebung ist entscheidend: Eine sonografisch sichtbare Flüssigkeitsansammlung darf nicht automatisch zum Hauptbefund erklärt werden, wenn die Schmerzen an anderer Stelle entstehen.

Ultraschall: Erste Wahl bei Verdacht auf eine vergrösserte Bursa

 

Ultraschall kann eine flüssigkeitsgefüllte Struktur an der vorderen Hüftregion erkennen und ihre Beziehung zur Iliopsoassehne darstellen. In der Regel lässt sich prüfen, ob die Struktur schlicht flüssigkeitsgefüllt ist, dickere Wände, Septen oder verdächtige solide Anteile besitzt. Mit Dopplersonografie werden Gefässe und eine mögliche Gewebedurchblutung beurteilt. Gerade bei einer neu aufgetretenen Leistenraumforderung ist dies wichtig, um eine vaskuläre Ursache nicht zu übersehen. Ultraschall ist schnell verfügbar, dynamisch und bietet die Möglichkeit zur gezielten Untersuchung während bestimmter Bewegungen.

Die Grenzen liegen bei sehr tiefen, grossen oder komplexen Raumforderungen sowie bei unklarer Verbindung mit dem Hüftgelenk. Ausserdem sind die Befunde untersucherabhängig. Ein sonografischer Flüssigkeitsnachweis beweist weder eine Infektion noch die Schmerzursache. Bei klinischen Warnzeichen, unklarer Struktur oder notwendiger Therapieplanung können MRT, ergänzende Bildgebung und weitere Untersuchungen erforderlich werden. Flüssigkeitspunktionen sollten nicht ohne gesicherte anatomische Orientierung vorgenommen werden.

MRT und CT: Wann reichen Untersuchung und Ultraschall nicht aus?

 

Das MRT zeigt Ausdehnung und Form der Bursa, umgebende Sehnen, Hüftgelenkkapsel, Gelenkerguss und mögliche Begleitursachen. Es kann besonders hilfreich sein, wenn eine Läsion bis tief ins Becken reicht oder Ultraschall unklar bleibt. In einer älteren bildgebenden Serie von Wunderbaldinger und Mitarbeitenden wurde bei operativ bestätigter Iliopsoas-Bursitis die MRT als nützlich für die genaue räumliche Darstellung beschrieben. Solche Daten sind wertvoll, stammen aber aus einer kleinen, selektierten Patientengruppe und erlauben keine allgemeine Testgenauigkeit für alle Betroffenen.

Eine CT-Untersuchung kann unter bestimmten Umständen relevant sein, beispielsweise bei der Beurteilung von Implantatposition, Knochenveränderungen oder Raumforderungen. Wegen Strahlenbelastung ist CT für einfache Verdachtsfälle aber nicht automatisch der erste Schritt. Je nach Befund können Blutuntersuchungen, mikrobiologische Diagnostik oder eine gezielte Punktion nötig werden. Besonders nach Hüfttotalprothese darf eine mögliche Infektion nicht allein durch eine vermeintlich typische Bursitis-Darstellung ausgeschlossen werden.

Differentialdiagnose: Hernie, Hüftgelenk, Nerv oder Gefäss?

 

Leistenschmerzen können aus dem Hüftgelenk selbst stammen, etwa bei Hüftarthrose, einer Labrumverletzung oder einem femoroacetabulären Impingement. Auch Muskelzerrung, Adduktorenprobleme, Schambeinbeschwerden und lumbale Nervenwurzelreizungen müssen berücksichtigt werden. Ein schmerzhafter Hüftbeugertest reicht nicht, um zwischen diesen Ursachen zu entscheiden. Ein guter Befund beschreibt deshalb Gelenkschmerz, Weichteilschmerz und nervale Beschwerden getrennt.

Liegt eine tastbare Schwellung vor, sind Leistenbruch, vergrösserte Lymphknoten, Gefässaneurysma und selten Tumoren auszuschliessen. Eine pulsierende Masse darf keinesfalls ohne Gefässdiagnostik punktiert werden. Werden Kniestreckschwäche, abgeschwächter Patellarsehnenreflex oder bestimmte sensible Ausfälle beobachtet, gehört eine Femoralisneuropathie in die Überlegungen. Infektionszeichen erfordern eine rasche medizinische Einschätzung; die Behandlung wäre dann grundsätzlich anders als bei einer mechanisch bedingten Reizung.

Konservative Behandlung: Ursache behandeln statt nur Schmerz dämpfen

 

Bei unkomplizierter, nicht infektiöser Reizung beginnt das Vorgehen gewöhnlich mit einer Anpassung schmerzhafter Aktivitäten und der Behandlung begleitender Gelenk- oder Sehnenprobleme. Vorübergehend können sehr tiefe Hüftbeugungen, repetitive schnelle Antritte und intensive Widerstandsübungen des Hüftbeugers reduziert werden. Medikamente gegen Schmerz oder Entzündung können zeitlich begrenzt ärztlich erwogen werden; sie sind wegen möglicher Magen-, Nieren- und Kreislaufrisiken keine universelle Dauerlösung. Ruhe allein löst eine zugrunde liegende Hüftarthrose, Implantatfehlposition oder entzündliche Grunderkrankung nicht.

Eine gezielte Physiotherapie kann Gangbild, Beckenstabilität und Hüftkraft verbessern. Für eine isolierte Iliopsoas-Bursitis fehlen jedoch grosse randomisierte Studien, die ein bestimmtes Übungsprogramm gegenüber anderen Verfahren belegen. Deshalb muss das Programm an die Ursache und die Reaktion auf Belastung angepasst werden. Starke lokale Dehnungen sind insbesondere bei ausgeprägter entzündlicher Reizung, Neuropathiezeichen oder unklarer Raumforderung keine angemessene Sofortmassnahme.

Physiotherapie: Beweglichkeit, Beckenstabilität und Belastung steuern

 

Die physiotherapeutische Untersuchung bewertet, wie Hüfte und Becken bei Gehen, Treppensteigen, Aufstehen und gegebenenfalls sportlicher Belastung arbeiten. Eine reduzierte Gesässmuskelkraft kann die Kontrolle der Hüfte beeinträchtigen; eine stark veränderte Bewegungsstrategie kann den vorderen Hüftbereich unnötig beanspruchen. Das bedeutet nicht, dass jede Iliopsoas-Bursitis durch eine Fehlhaltung entstanden wäre. Die individuelle Funktionsanalyse dient dazu, modifizierbare Belastungsfaktoren zu erkennen und die Rückkehr zu den gewünschten Aktivitäten zu planen.

Sinnvoll sind zunächst gut tolerierte Bewegungen im schmerzarmen Bereich sowie leichte Kraftübungen für Rumpf und Hüftmuskulatur. Im weiteren Verlauf können Hüftbeugekraft, Koordination und Ausdauer dosiert aufgebaut werden. Verschlimmern sich Leistenbeschwerden oder nimmt eine vorhandene Schwellung deutlich zu, muss das Vorgehen angepasst werden. Nach Hüftprothese sind operative Zugangswege, mögliche Sehnenirritation und spezifische Bewegungsvorgaben zu beachten. Ein generisches Dehn- oder Kräftigungsblatt ersetzt diese klinische Abstimmung nicht.

Konkrete Übungen bei unkomplizierter, ärztlich abgeklärter Bursitis

 

Eine mögliche Einstiegsübung ist das kontrollierte Beckenaufrichten im Liegen: Du liegst auf dem Rücken mit angewinkelten Knien und kippst das Becken langsam in eine angenehme Position zurück. Etwa acht bis zwölf ruhige Wiederholungen können als Orientierung dienen. Als zweite Übung eignet sich das langsame Aufstehen von einem ausreichend hohen Stuhl, ohne tief in die schmerzhafte Hüftbeugung zu gehen. Beginnend mit ein bis zwei kurzen Sätzen lässt sich die Intensität nach Verträglichkeit steigern.

Eine dritte Option ist die leichte seitliche Hüftaktivierung im Stand mit Festhalten. Du verlagerst das Gewicht stabil auf ein Bein und führst das andere wenige Zentimeter seitwärts, ohne den Rumpf deutlich auszuweichen. Die Belastung sollte gut dosierbar bleiben. Starke Dehnungen an der vorderen Hüfte, schnelle Beinhebungen gegen hohen Widerstand und intensive Trainingseinheiten sind bei deutlicher Schmerzprovokation nicht sinnvoll. Bei unklarer Raumforderung, Infektverdacht oder neu auftretender Schwäche sind diese Übungen ausdrücklich keine Alternative zur ärztlichen Untersuchung.

Punktion und Injektionen: Nutzen, Risiken und Grenzen

 

Wenn trotz sinnvoller konservativer Massnahmen Beschwerden bestehen und eine tatsächlich symptomatische Bursa vorliegt, kann eine bildgebungsgestützte Aspiration oder Injektion erwogen werden. Eine Punktion kann diagnostisch hilfreich sein, etwa wenn eine infektiöse oder ungewöhnliche Flüssigkeitsansammlung abgeklärt werden muss. Eine lokale Betäubungsmittelinjektion kann die Zuordnung des Schmerzes unterstützen. Kortikosteroidinjektionen werden in ausgewählten Fällen zur Beschwerdelinderung genutzt. Die Wirksamkeitsdaten speziell für isolierte Iliopsoas-Bursitis sind jedoch begrenzt und häufig durch unkontrollierte Untersuchungen geprägt.

Entscheidend sind die unmittelbare Nähe grosser Gefässe und des Nervus femoralis, ein mögliches Infektionsrisiko und die Frage, ob die Flüssigkeitsansammlung nur Folge einer anderen Erkrankung ist. Injektionen sind keine Routine bei Verdacht auf bakterielle Infektion. Auch die kurzfristige Schmerzreduktion nach einem Eingriff beweist nicht automatisch, dass damit die zugrunde liegende Ursache dauerhaft behoben wurde. Die Indikation gehört in erfahrene ärztliche Hände.

Operation und besondere Situation nach Hüftprothese

 

Eine Operation ist selten allein wegen eines zufällig entdeckten vergrösserten Schleimbeutels angezeigt. Sie kann bei anhaltender mechanischer Ursache, wiederkehrender grosser symptomatischer Flüssigkeitsansammlung, relevanter Nerven- oder Gefässkompression oder prothesenbedingter Reizung diskutiert werden. Mögliche Eingriffe reichen von der Behandlung des Schleimbeutels bis zur operativen Lösung oder Verlängerung der Iliopsoassehne. Bei einer Hüftprothese muss gegebenenfalls die Implantatposition in die Planung einbezogen werden.

Ein Fallbericht von Conroy und Mitarbeitenden beschreibt eine Femoralisnerv-Kompression bei Iliopsoas-Bursitis nach Hüftprothese. Eine weitere Fallpublikation von Shirodkar und Mitarbeitenden stellt eine ähnliche seltene neurologische Komplikation dar. Solche Fälle belegen, dass eine ernsthafte Kompression möglich ist, aber nicht, wie häufig sie in der Gesamtbevölkerung auftritt oder dass jede Bursa operiert werden sollte. Risiken operativer Eingriffe sind Infektion, postoperative Schwäche der Hüftbeugung, Nervenverletzung und Wiederauftreten der Beschwerden.

Warnzeichen und gefährliche Verwechslungen

 

Bei einer pulsierenden Schwellung in der Leiste, einem plötzlich kalten oder blassen Bein oder rasch zunehmender neurologischer Schwäche ist eine unmittelbare medizinische Untersuchung erforderlich. Starke einseitige Schwellung des Beins kann auf ein vaskuläres Problem hinweisen. Bei Atemnot oder Brustschmerz besteht Notfallbedarf. Fieber, deutliche Rötung, ausgeprägte Ruheschmerzen und eine rasch wachsende Leistenraumforderung sollten ebenfalls umgehend abgeklärt werden, insbesondere nach einer Hüftoperation.

Ein neu aufgetretener Ausfall beim Kniestrecken, Stolpern oder Taubheitsgefühl am vorderen beziehungsweise inneren Oberschenkel kann für eine Nervenschädigung sprechen. Diese Symptome dürfen nicht als normale Muskelverspannung erklärt werden. Bei eher milden, belastungsabhängigen Beschwerden ohne Warnzeichen ist eine geplante Untersuchung ausreichend, wenn sie anhalten oder die Funktion zunehmend beeinträchtigen. Im Zweifel hilft eine klinische Untersuchung früher, gefährliche Selbstdiagnosen zu vermeiden.

Prognose, Rückfälle und langfristiges Management

 

Die Prognose hängt vor allem davon ab, weshalb sich der Schleimbeutel erweitert hat. Eine unkomplizierte Überlastungsreaktion kann sich unter veränderter Belastung bessern. Bei Arthrose, entzündlicher Gelenkerkrankung oder mechanischer Irritation durch ein Implantat kann eine längerfristige Behandlung der Grunderkrankung erforderlich sein. Eine erneut auftretende Schwellung nach Punktion ist daher nicht automatisch ein Therapieversagen, sondern kann anzeigen, dass die auslösende Ursache weiterbesteht.

Für die Rückkehr zu Sport und Beruf sind beschwerdeangepasste Beweglichkeit, funktionelle Muskelkraft und ein tragfähiges Belastungsniveau wichtiger als eine starre Zeitvorgabe. Kontrollbildgebung ist nicht routinemässig nötig, kann aber bei neuen Symptomen oder vor Eingriffen relevant werden. Es gibt keine belastbaren Daten, nach denen eine einzige bestimmte Dehnung die Bursa dauerhaft entleert oder eine schnelle vollständige Heilung garantiert. Ziel der Behandlung ist vielmehr eine nachvollziehbare Ursachenklärung und eine alltagstaugliche Funktion.

Häufige Fragen zur Iliopsoas-Bursitis

 

Ist eine Iliopsoas-Bursitis dasselbe wie eine Schleimbeutelentzündung aussen an der Hüfte? Nein. Die Bursa iliopsoas liegt tief an der Hüftvorderseite; die häufig genannten trochanteren Beschwerden betreffen eine andere Region. Kann man den Schleimbeutel von aussen ertasten? Grössere Bursen können gelegentlich eine Leistenraumforderung verursachen, doch eine Untersuchung allein durch Tasten ist nicht zuverlässig.

Muss eine vergrösserte Bursa abgesaugt werden? Nicht grundsätzlich. Oft wird zunächst die auslösende Erkrankung behandelt; eine Punktion braucht eine konkrete diagnostische oder therapeutische Indikation. Ist Physiotherapie sinnvoll? Häufig ja, besonders für Kraft, Gangfunktion und Belastungssteuerung. Die direkte wissenschaftliche Evidenz für ein spezielles Iliopsoas-Bursitis-Programm ist aber begrenzt. Darf ich mit Leistenschmerzen weiter trainieren? Wenn keine Warnzeichen vorliegen, kann Aktivität angepasst werden; starke Belastung trotz zunehmender Schmerzen sollte vermieden und die Diagnose geklärt werden.

Was die Forschung tatsächlich belegt

 

Die Publikation von Corvino und Mitarbeitenden zeigt, welche Rolle Bildgebung in der Abgrenzung einer Iliopsoas-Bursitis von anderen Leistenraumforderungen spielt. Eine kleine radiologische Serie von Wunderbaldinger und Mitarbeitenden beschreibt insbesondere die räumliche Darstellung mittels MRT. Beide Quellen sind vor allem für Diagnostik relevant und keine randomisierten Therapievergleiche. Die Fachübersicht von Blaichman und Mitarbeitenden erläutert bildgebungsgestützte Interventionen an der Hüfte, einschliesslich der Bursa iliopsoas.

Fallberichte zur Kompression des Nervus femoralis belegen mögliche, aber seltene Komplikationen. Sie erlauben keine verlässlichen Häufigkeits- oder Therapieeffektschätzungen. Wer eine Bursitis nur aufgrund von Hüftbeugeschmerz diagnostiziert oder jeder sichtbaren Bursa dieselbe Standardinjektion empfiehlt, geht über die wissenschaftlichen Nachweise hinaus. Hochwertige vergleichende Studien zu konservativer Physiotherapie, Injektion und Operation speziell für isolierte Iliopsoas-Bursitis bleiben wünschenswert.

Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Informationen

 

Corvino, A., et al. (2020). Iliopsoas bursitis: The role of diagnostic imaging in detection, differential diagnosis and treatment. Radiology Case Reports, 15(11), 2149–2152. DOI: 10.1016/j.radcr.2020.08.036. Fachlicher Fallbericht mit bildgebender Abgrenzung tiefer Leistenraumforderungen und möglicher Intervention.

Wunderbaldinger, P., et al. (2002). Imaging features of iliopsoas bursitis. European Radiology. DOI: 10.1007/s003300101041. Bildgebende Serie mit 18 operativ bestätigten Fällen; erläutert Stärken von Ultraschall und MRT.

Blaichman, J. I., Chan, B. Y., Michelin, P., & Lee, K. S. (2020). US-guided Musculoskeletal Interventions in the Hip with MRI and US Correlation. RadioGraphics, 40(1), 181–199. DOI: 10.1148/rg.2020190094. Radiologische Übersichtsarbeit zur bildgebungsgestützten Diagnostik und Intervention an Hüfte und Iliopsoas-Bursa.

Conroy, J., Caus, S., & Nelms, N. J. (2022). A Case of Iliopsoas Bursitis With Compressive Femoral Nerve Palsy Treated With Iliopsoas Tendon Release. Arthroplasty Today, 14, 148–153. DOI: 10.1016/j.artd.2022.02.004. Kasuistik einer Femoralisnerv-Kompression nach Hüftprothese; kein Häufigkeits- oder Wirksamkeitsnachweis.

Shirodkar, K., Pilania, K., Jankharia, B. G., & Botchu, R. (2025). Enlarged Iliopsoas Bursa Compressing the Femoral Nerve Resulting in Femoral Mononeuropathy and Denervation Edema. Indian Journal of Radiology and Imaging, 35(3), 470–473. DOI: 10.1055/s-0044-1801827. Kasuistik zur seltenen Nervenkompression durch eine stark vergrösserte Bursa.

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