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Jumper’s Knee: Schmerzen unterhalb der Kniescheibe – Ursachen, Behandlung und 5 wirksame Übungen

Autorenbild: Roman Welzk | Gründer mein-physio.info
Roman Welzk | Gründer mein-physio.info
vor 8 Stunden
18 Min. Lesezeit


Ein stechender Schmerz direkt unterhalb der Kniescheibe beim Springen, ein unangenehmes Ziehen nach dem Joggen oder Beschwerden bei tiefen Kniebeugen: Hinter solchen Symptomen kann ein sogenanntes Jumper’s Knee stecken. Besonders häufig tritt die Erkrankung bei Menschen auf, die regelmässig springen, sprinten oder schnelle Richtungswechsel ausführen. Doch auch Freizeitsportler und Menschen mit körperlich belastenden Berufen können betroffen sein.

Der englische Begriff Jumper’s Knee bedeutet übersetzt Springerknie. Medizinisch wird die Erkrankung als Patellatendinopathie oder Patellaspitzensyndrom bezeichnet. Dabei handelt es sich um ein belastungsabhängiges Schmerzsyndrom der Patellasehne, die die Kniescheibe mit dem Schienbein verbindet.

Viele Betroffene machen zunächst eine typische Erfahrung: Zu Beginn des Trainings schmerzt das Knie, nach dem Aufwärmen werden die Beschwerden etwas besser. Nach intensiven Sprüngen, Sprints oder einem längeren Lauf treten die Schmerzen jedoch erneut auf. Manche Sportler trainieren deshalb über Wochen oder Monate weiter, bis selbst gewöhnliche Alltagsbewegungen unangenehm werden.

Besonders häufig wird das Jumper’s Knee als einfache Sehnenentzündung beschrieben. Diese Erklärung ist jedoch nicht immer zutreffend. Gerade bei länger bestehenden Beschwerden handelt es sich häufig um komplexe Veränderungen des Sehnengewebes und seiner Belastbarkeit, bei denen nicht ausschliesslich klassische entzündliche Prozesse im Vordergrund stehen.

Entsprechend hat sich auch die Behandlung verändert. Während früher häufig Schonung, Kühlung, entzündungshemmende Medikamente oder ausschliesslich exzentrische Übungen empfohlen wurden, steht heute vor allem ein systematischer Wiederaufbau der Sehnenbelastbarkeit im Mittelpunkt.

Eine randomisierte Studie aus dem Jahr 2021 zeigte beispielsweise, dass ein progressives Trainingsprogramm mit unterschiedlichen Belastungsformen nach 24 Wochen bessere Ergebnisse erreichen konnte als ein ausschliesslich exzentrisches Trainingsprogramm.

In diesem Artikel erfährst du, wie ein Jumper’s Knee entsteht, welche Symptome typisch sind, wie sich die Erkrankung von anderen Ursachen für Knieschmerzen unterscheidet und welche Übungen nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand sinnvoll sind.



Was ist ein Jumper’s Knee?


Das Jumper’s Knee ist eine belastungsabhängige Erkrankung der Patellasehne.

Die Patellasehne verläuft zwischen der Unterseite der Kniescheibe und einem knöchernen Vorsprung am oberen Schienbein, der sogenannten Tuberositas tibiae.

Anatomisch handelt es sich um das Ligamentum patellae. Im klinischen Alltag wird die Struktur jedoch häufig als Patellasehne bezeichnet.

Die Sehne bildet einen wichtigen Bestandteil des Streckapparates des Kniegelenks.

Wenn der grosse Oberschenkelmuskel, der Musculus quadriceps femoris, angespannt wird, überträgt er seine Kraft über die Quadrizepssehne, die Kniescheibe und die Patellasehne auf das Schienbein.

Dadurch kann das Knie gestreckt werden.

Diese Funktion ist besonders bei Bewegungen wie Treppensteigen, Aufstehen, Laufen, Springen und Landen wichtig.

Beim Jumper’s Knee entstehen Schmerzen überwiegend im Bereich des oberen Sehnenansatzes direkt unterhalb der Kniescheibe.

Das Beschwerdebild gehört zur Gruppe der Tendinopathien.

Dabei handelt es sich um Erkrankungen von Sehnen, bei denen Schmerzen und eine eingeschränkte Belastbarkeit im Vordergrund stehen.



Ist das Jumper’s Knee eine Entzündung?


Der Begriff Patellasehnenentzündung wird im Alltag häufig verwendet.

Allerdings ist er nicht immer medizinisch präzise.

Bei länger bestehenden Tendinopathien können unter anderem Veränderungen der Kollagenstruktur, der Zellaktivität und der extrazellulären Matrix auftreten.

Auch die mechanischen Eigenschaften des Sehnengewebes können verändert sein.

Entzündliche Signalprozesse können daran beteiligt sein, doch handelt es sich nicht zwangsläufig um eine klassische akute Entzündung, die allein durch entzündungshemmende Medikamente behandelt werden könnte.

Deshalb wird heute häufig der Begriff Patellatendinopathie bevorzugt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Beziehung zwischen Schmerzen und sichtbaren Gewebeveränderungen.

Nicht jede im Ultraschall verdickte oder strukturell veränderte Patellasehne verursacht Schmerzen.

Umgekehrt können Menschen deutliche Beschwerden haben, ohne dass sich eine entsprechend ausgeprägte Veränderung in der Bildgebung erkennen lässt.

Entscheidend ist deshalb nicht ausschliesslich das Aussehen der Sehne, sondern vor allem ihre tatsächliche Funktion und Belastbarkeit.



Wo treten die Schmerzen beim Jumper’s Knee auf?


Typisch sind Schmerzen an der Vorderseite des Knies, unmittelbar unterhalb der Kniescheibe.

Besonders häufig befindet sich der empfindliche Bereich am unteren Rand der Patella, der sogenannten Patellaspitze.

Manche Betroffene können den Schmerz mit einem Finger sehr genau lokalisieren.

Die Beschwerden treten vor allem dann auf, wenn der Streckapparat des Knies stark belastet wird.

Dazu gehören Sprünge, Landungen, schnelle Antritte und bestimmte Kniebeugen.

Auch Treppensteigen kann schmerzhaft sein.

Allerdings sind Schmerzen im vorderen Kniebereich nicht automatisch ein Hinweis auf ein Jumper’s Knee.

Eine andere häufige Ursache ist das patellofemorale Schmerzsyndrom.

Dabei befinden sich die Beschwerden häufig eher hinter oder rund um die Kniescheibe.

Die genaue Unterscheidung ist wichtig, weil sich Diagnostik und Behandlung teilweise unterscheiden.



Welche Symptome sind typisch?


Ein Jumper’s Knee entwickelt sich häufig schleichend.

Zu Beginn treten die Schmerzen möglicherweise nur nach besonders intensiven Trainingseinheiten auf.

Mit zunehmender Beschwerdedauer können sie bereits während des Aufwärmens oder bei gewöhnlichen sportlichen Bewegungen entstehen.

Besonders charakteristisch sind Schmerzen beim Springen und Landen.

Auch kräftige Kniebeugen oder schnelle Richtungswechsel können Beschwerden verursachen.

Manche Menschen berichten über eine gewisse Steifigkeit nach längeren Ruhephasen.

Eine weitere typische Beobachtung ist das sogenannte Warm-up-Phänomen.

Dabei nehmen die Schmerzen nach den ersten Bewegungen vorübergehend ab.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Sehne wieder vollständig belastbar ist.

Wenn nach dem Training stärkere Beschwerden entstehen, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass die Belastung derzeit zu hoch war.

Bei länger bestehenden Tendinopathien kann sich ausserdem die sportliche Leistungsfähigkeit reduzieren.

Insbesondere Sprungkraft und explosive Bewegungen werden teilweise eingeschränkt.



Warum entsteht ein Jumper’s Knee?


Die wichtigste Rolle spielt ein Missverhältnis zwischen der mechanischen Belastung und der individuellen Belastbarkeit der Patellasehne.

Sehnen sind grundsätzlich in der Lage, sich an körperliche Belastungen anzupassen.

Regelmässiges Training kann deshalb positive Veränderungen der Sehnenfunktion fördern.

Wenn die Belastung allerdings zu schnell gesteigert wird oder die Erholung nicht ausreichend ist, kann diese Anpassungsfähigkeit überfordert werden.

Besonders problematisch können plötzliche Veränderungen des Trainingsumfangs oder der Trainingsintensität sein.

Ein typisches Beispiel ist ein Sportler, der nach einer längeren Pause sofort wieder mit zahlreichen Sprüngen und intensiven Sprints beginnt.

Auch eine deutliche Erhöhung der Trainingshäufigkeit kann relevant sein.

Dabei entsteht das Problem nicht zwangsläufig durch eine einzelne falsche Bewegung.

Vielmehr entwickelt sich die Erkrankung häufig über einen längeren Zeitraum.

Zusätzlich können individuelle körperliche Voraussetzungen, die bisherige Trainingsgeschichte und die Regenerationsfähigkeit eine Rolle spielen.



Welche Sportarten sind besonders betroffen?


Besonders häufig tritt das Jumper’s Knee bei Sportarten auf, in denen zahlreiche Sprung- und Landebewegungen vorkommen.

Dazu gehören beispielsweise Volleyball und Basketball.

Auch Handball, Fussball und verschiedene leichtathletische Disziplinen können mit hohen Belastungen der Patellasehne verbunden sein.

Beim Sprinten und Abbremsen entstehen ebenfalls erhebliche Kräfte im Streckapparat des Kniegelenks.

Dabei werden die Patellasehne und die umliegende Muskulatur wiederholt beansprucht.

Auch Krafttraining kann Beschwerden hervorrufen.

Besonders tiefe Kniebeugen, Ausfallschritte und andere Übungen mit hoher Belastung des Quadrizeps können die Sehne stark beanspruchen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Übungen grundsätzlich schädlich sind.

Bei einer gesunden und ausreichend belastbaren Sehne sind solche Belastungen normalerweise gut verträglich.

Entscheidend ist die individuelle Dosierung.



Kann man ein Jumper’s Knee vom Joggen bekommen?


Ja. Obwohl die Erkrankung besonders mit Sprungsportarten verbunden ist, kann sie auch bei Läufern auftreten.

Besonders intensive Laufbelastungen mit schnellen Antritten, Bergläufen oder häufigen Tempowechseln können die Patellasehne beanspruchen.

Allerdings gehören nicht alle Knieschmerzen beim Joggen zum Jumper’s Knee.

Beschwerden an der Aussenseite des Knies können beispielsweise durch ein Iliotibialband-Syndrom verursacht werden.

Schmerzen rund um die Kniescheibe können wiederum mit einem patellofemoralen Schmerzsyndrom zusammenhängen.

Eine ausführliche Übersicht über mögliche Ursachen findest du auch in meinem Artikel über Knieschmerzen nach dem Joggen.

Besonders wichtig ist deshalb, den Schmerzort, die auslösenden Belastungen und den zeitlichen Verlauf gemeinsam zu beurteilen.



Was ist der Unterschied zwischen Jumper’s Knee und Runner’s Knee?


Die Begriffe werden häufig miteinander verwechselt.

Beim Jumper’s Knee steht normalerweise die Patellasehne im Mittelpunkt.

Die Schmerzen befinden sich typischerweise direkt unterhalb der Kniescheibe.

Der Begriff Runner’s Knee wird dagegen uneinheitlich verwendet.

Im englischsprachigen Raum bezeichnet er häufig das patellofemorale Schmerzsyndrom.

Teilweise wird damit auch das Iliotibialband-Syndrom beschrieben.

Deshalb ist die alleinige Verwendung des Begriffs Läuferknie medizinisch ungenau.

Wichtiger ist eine konkrete Diagnose.

Ein Jumper’s Knee, ein patellofemorales Schmerzsyndrom und ein Iliotibialband-Syndrom besitzen unterschiedliche typische Schmerzlokalisationen und können verschiedene Behandlungsansätze erfordern.



Jumper’s Knee oder Osgood-Schlatter?


Besonders bei sportlich aktiven Kindern und Jugendlichen sollte eine weitere Erkrankung berücksichtigt werden.

Morbus Osgood-Schlatter ist eine belastungsabhängige Erkrankung im Bereich der Tuberositas tibiae.

Das ist der knöcherne Ansatz der Patellasehne am oberen Schienbein.

Typisch sind Schmerzen etwas weiter unterhalb der Kniescheibe als beim klassischen Jumper’s Knee.

Die Erkrankung tritt insbesondere während des Wachstums auf.

Bei einem Jumper’s Knee liegt der Schmerz dagegen häufig direkt am unteren Rand der Kniescheibe.

Die genaue Lokalisation ist deshalb diagnostisch hilfreich.

Allerdings können sich die Beschwerden teilweise überschneiden.

Bei Kindern und Jugendlichen mit anhaltenden Knieschmerzen sollte daher eine altersgerechte medizinische beziehungsweise physiotherapeutische Untersuchung erfolgen.



Wie wird ein Jumper’s Knee diagnostiziert?


Die Diagnose erfolgt hauptsächlich durch die Krankengeschichte und eine körperliche Untersuchung.

Besonders wichtig ist die Frage, bei welchen Bewegungen die Schmerzen auftreten.

Typisch sind belastungsabhängige Beschwerden am unteren Rand der Kniescheibe.

Auch der Zusammenhang mit Training, Sprüngen und anderen intensiven Belastungen wird berücksichtigt.

Bei der körperlichen Untersuchung kann die Patellasehne auf Druckempfindlichkeit geprüft werden.

Zusätzlich werden verschiedene funktionelle Bewegungen untersucht.

Dazu gehört beispielsweise die einbeinige Kniebeuge auf einer leicht geneigten Unterlage.

Dieser sogenannte Single-Leg-Decline-Squat kann bei einer Patellatendinopathie typische Beschwerden hervorrufen.

Allerdings ist der Test nicht vollkommen spezifisch.

Auch andere Knieerkrankungen können bei einer einbeinigen Kniebeuge Schmerzen verursachen.

Die niederländische Leitlinie zur vorderen Knieschmerzdiagnostik weist deshalb darauf hin, dass die wissenschaftliche Evidenz zur Genauigkeit einzelner klinischer Tests begrenzt ist.

Die Diagnose sollte immer anhand mehrerer Informationen gestellt werden.



Ist ein MRT bei Jumper’s Knee notwendig?


Nicht immer.

Bei einem typischen Beschwerdebild kann die Diagnose häufig anhand der Anamnese und der klinischen Untersuchung gestellt werden.

Eine Ultraschalluntersuchung kann zusätzliche Informationen über die Sehnenstruktur liefern.

Dabei können beispielsweise Veränderungen der Sehnendicke oder der inneren Gewebestruktur sichtbar werden.

Allerdings bedeutet eine auffällige Bildgebung nicht automatisch, dass die Veränderungen die tatsächliche Schmerzursache erklären.

Bestimmte strukturelle Auffälligkeiten können auch bei beschwerdefreien Sportlern vorkommen.

Ein MRT wird besonders relevant, wenn die Diagnose unklar ist oder andere Erkrankungen ausgeschlossen werden müssen.

Dazu gehören beispielsweise Verletzungen des Streckapparates, relevante Knorpelveränderungen oder andere strukturelle Schäden.

Eine Bildgebung sollte deshalb vor allem dann eingesetzt werden, wenn sie die weitere Behandlung beeinflussen kann.



Was hilft wirklich gegen Jumper’s Knee?


Die wichtigste konservative Behandlung besteht in einem strukturierten Belastungsmanagement und einem progressiven Trainingsprogramm.

Das bedeutet, dass die Sehne weder dauerhaft vollständig geschont noch unkontrolliert weiter überlastet werden sollte.

Vielmehr muss die Belastung zunächst an die aktuelle Beschwerdesituation angepasst werden.

Anschliessend wird sie schrittweise erhöht.

Die niederländische multidisziplinäre Leitlinie aus dem Jahr 2022 empfiehlt ein aktives Übungsprogramm über mindestens zwölf Wochen.

Dabei steht insbesondere der systematische Aufbau der Quadrizepskraft im Vordergrund.

Je nach sportlichen Anforderungen werden später explosive Belastungen und Sprungübungen ergänzt.

Auch die wissenschaftliche Übersichtsarbeit von Rosen und Kollegen aus dem Jahr 2022 beschreibt progressive Sehnenbelastung in Kombination mit geeigneter Belastungssteuerung als zentralen Bestandteil der konservativen Behandlung.

Wichtig ist, dass die Therapie nicht aus einer einzigen Übung bestehen muss.

Verschiedene Belastungsformen können im Laufe der Rehabilitation sinnvoll sein.



Die Studie mit 76 Patienten: Warum progressives Training überlegen war


Eine besonders wichtige randomisierte Studie wurde 2021 im British Journal of Sports Medicine veröffentlicht.

Die Wissenschaftler um Stephan Breda untersuchten 76 Patienten mit klinisch und sonografisch diagnostizierter Patellatendinopathie.

Die Teilnehmer wurden zufällig auf zwei Trainingsprogramme verteilt.

Eine Gruppe führte ein progressives Sehnenbelastungsprogramm durch.

Dieses beinhaltete verschiedene aufeinander aufbauende Belastungsformen.

Die Vergleichsgruppe trainierte mit einem klassischen exzentrischen Übungsprogramm.

Nach 24 Wochen wurde die Entwicklung anhand des VISA-P-Fragebogens beurteilt.

Dieser erfasst Schmerzen, Funktion und die Fähigkeit zur sportlichen Belastung.

Bei der Gruppe mit progressivem Sehnentraining verbesserte sich der VISA-P-Wert durchschnittlich um 28 Punkte.

In der Gruppe mit ausschliesslich exzentrischem Training betrug die Verbesserung durchschnittlich 18 Punkte.

Der adjustierte Unterschied zwischen den Gruppen lag bei neun Punkten.

Dieser Unterschied war statistisch signifikant.

Die Ergebnisse sind besonders relevant, weil sie zeigen, dass ein breiter angelegtes progressives Trainingsprogramm günstiger sein kann als die ausschliessliche Konzentration auf exzentrische Übungen.

Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass die untersuchten Patienten überwiegend bereits länger bestehende Beschwerden hatten.

Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht automatisch auf jede akute Sehnenreizung übertragen.



Sollte man bei Jumper’s Knee Sportpause machen?


Eine vollständige Sportpause ist nicht grundsätzlich notwendig.

Allerdings kann eine vorübergehende Reduktion bestimmter Belastungen sinnvoll sein.

Besonders Sprünge, schnelle Antritte und intensive Richtungswechsel können die Patellasehne stark beanspruchen.

Wenn diese Belastungen deutliche Beschwerden verursachen, sollten sie zunächst reduziert werden.

Das bedeutet nicht, dass sämtliche körperlichen Aktivitäten eingestellt werden müssen.

Häufig können alternative Trainingsformen eingesetzt werden.

Dazu gehören beispielsweise bestimmte Kraftübungen oder Ausdaueraktivitäten, die das Knie aktuell besser verträgt.

Besonders wichtig ist eine schrittweise Belastungssteigerung.

Eine plötzliche Rückkehr zum ursprünglichen Trainingsumfang kann dazu führen, dass die Beschwerden erneut zunehmen.

Deshalb sollte die sportliche Belastung gemeinsam mit dem Krafttraining geplant werden.



Darf Training bei einem Jumper’s Knee Schmerzen verursachen?


Diese Frage wird in der Physiotherapie häufig gestellt.

Früher wurde oft empfohlen, jede schmerzhafte Bewegung konsequent zu vermeiden.

Heute wissen wir, dass leichte Beschwerden während eines geeigneten Trainings bei bestimmten Tendinopathien tolerierbar sein können.

Entscheidend ist jedoch die individuelle Reaktion der Sehne.

In der niederländischen Leitlinie wird beispielsweise für bestimmte dynamische Kraftübungen ein Schmerzbereich von höchstens drei Punkten auf einer Skala von null bis zehn beschrieben.

Auch die Beschwerden nach der Belastung werden berücksichtigt.

Ein solcher Wert ist keine allgemeingültige Sicherheitsgrenze für jede Verletzung.

Er dient vielmehr als Orientierung für die Belastungssteuerung bei einer entsprechend diagnostizierten Patellatendinopathie.

Wenn die Schmerzen während des Trainings deutlich zunehmen oder am folgenden Tag erheblich stärker sind, kann die Belastung zu hoch gewesen sein.

In solchen Situationen sollte der Trainingsumfang reduziert oder die Übung angepasst werden.



5 hilfreiche Übungen bei Jumper’s Knee


Die folgenden Übungen stellen Beispiele für unterschiedliche Phasen der Rehabilitation dar.

Sie sollten nicht alle gleichzeitig in hoher Intensität durchgeführt werden.

Die Auswahl hängt von der Beschwerdedauer, der aktuellen Muskelkraft und der individuellen Belastbarkeit ab.

Besonders bei einer frischen Verletzung, einem vermuteten Sehnenriss oder einer ausgeprägten Schwellung muss zunächst eine medizinische Abklärung erfolgen.


Übung 1: Isometrische Kniebeuge an der Wand


Stelle dich mit dem Rücken gegen eine stabile Wand.

Positioniere die Füsse etwas vor deinem Körper.

Beuge die Knie langsam, bis du eine Position erreichst, die du kontrolliert und mit tolerierbaren Beschwerden halten kannst.

Halte diese Position zunächst ungefähr 20 bis 30 Sekunden.

Anschliessend richtest du dich wieder auf und machst eine kurze Pause.

Beginne mit drei Wiederholungen.

Diese Übung belastet die Oberschenkelmuskulatur, ohne dass während der Haltephase eine sichtbare Kniebewegung stattfindet.

Isometrische Belastungen können bei bestimmten Betroffenen kurzfristig Schmerzen reduzieren.

Allerdings zeigen wissenschaftliche Studien keine einheitliche Überlegenheit gegenüber dynamischen Kraftübungen.

Deshalb ist die Übung eine mögliche Option, aber keine zwingende Voraussetzung für die Rehabilitation.


Übung 2: Langsame Kniebeuge


Stelle dich ungefähr hüftbreit hin.

Beuge die Knie und Hüften langsam.

Nimm dir ungefähr drei Sekunden Zeit, um dich abzusenken.

Anschliessend richtest du dich ebenfalls langsam wieder auf.

Beginne mit acht bis zwölf Wiederholungen.

Der Bewegungsumfang sollte an die aktuelle Belastbarkeit angepasst werden.

Wenn die Übung gut vertragen wird, kannst du den Widerstand später schrittweise erhöhen.

Besonders wichtig ist die langsame und kontrollierte Ausführung.

Das Ziel besteht darin, die Sehne regelmässig und in angemessener Intensität zu belasten.


Übung 3: Beinpresse mit langsamer Belastung


Setze dich an eine Beinpresse und wähle zunächst einen gut kontrollierbaren Widerstand.

Stelle beide Füsse stabil auf die Plattform.

Strecke die Knie langsam, ohne die Bewegung ruckartig auszuführen.

Anschliessend beugst du die Knie ebenfalls langsam.

Beginne mit acht bis zwölf Wiederholungen.

Die Belastung kann später schrittweise gesteigert werden.

Diese Übung eignet sich besonders für den systematischen Kraftaufbau.

In wissenschaftlichen Trainingsprogrammen werden häufig langsame konzentrische und exzentrische Bewegungsphasen kombiniert.

Entscheidend ist dabei nicht eine einzelne ideale Wiederholungszahl.

Wichtiger ist die Anpassung der Belastung an die Leistungsfähigkeit.


Übung 4: Kontrollierter Step-down


Stelle dich auf eine niedrige, stabile Stufe.

Lasse das andere Bein langsam in Richtung Boden sinken, indem du das Standbein kontrolliert beugst.

Anschliessend richtest du dich wieder auf.

Beginne mit sechs bis zehn Wiederholungen pro Seite.

Die Stufenhöhe sollte zunächst gering sein.

Wenn die Bewegung zu starke Schmerzen verursacht, kannst du den Bewegungsumfang reduzieren.

Diese Übung verbindet Quadrizepsbelastung mit einer funktionellen Bewegung, die beispielsweise beim Treppensteigen benötigt wird.

Weitere Informationen zu diesem Beschwerdebereich findest du im Artikel Knieschmerzen beim Treppensteigen: Ursachen und Behandlung.


Übung 5: Sprung- und Landetraining


Diese Übung gehört in eine spätere Rehabilitationsphase.

Voraussetzung sind eine ausreichend gute Kraftentwicklung, tolerierbare Beschwerden und eine entsprechende Freigabe.

Beginne beispielsweise mit kleinen beidbeinigen Sprüngen auf einer ebenen Fläche.

Lande kontrolliert und halte die Position kurz.

Anschliessend kannst du die Belastung langsam steigern.

Später können anspruchsvollere Sprünge, Richtungswechsel und sportartspezifische Bewegungen ergänzt werden.

Der Übergang zu explosiven Belastungen ist besonders wichtig für Menschen, die wieder Volleyball, Basketball oder andere Sprungsportarten betreiben möchten.

Eine ausschliessliche Rehabilitation mit langsamen Kraftübungen bildet diese sportlichen Anforderungen nicht vollständig ab.



Sind exzentrische Übungen bei Jumper’s Knee sinnvoll?


Ja. Exzentrisches Training gehört zu den etablierten Behandlungsmöglichkeiten bei Patellatendinopathie.

Dabei wird ein Muskel während seiner Aktivierung verlängert.

Ein bekanntes Beispiel ist die langsame Abwärtsbewegung bei einer Kniebeuge.

Besonders häufig werden sogenannte Decline Squats verwendet.

Dabei steht die betroffene Person auf einer nach vorne geneigten Unterlage.

Allerdings ist die Annahme überholt, dass ausschliesslich exzentrische Übungen wirksam seien.

Die randomisierte Studie von Breda und Kollegen zeigte, dass ein progressives Trainingsprogramm mit mehreren Belastungsformen nach 24 Wochen bessere funktionelle Ergebnisse erzielen konnte.

Deshalb ist es sinnvoll, exzentrisches Training als eine mögliche Belastungsform zu betrachten.

Es muss nicht die einzige oder grundsätzlich beste Übung sein.



Helfen Patellabandagen und Patellagurte?


Bei Jumper’s Knee werden häufig spezielle Patellagurte verwendet.

Diese liegen direkt unterhalb der Kniescheibe und üben lokalen Druck auf die Patellasehne aus.

Manche Betroffene berichten, dass sich dadurch bestimmte Bewegungen angenehmer anfühlen.

Auch kurzfristige Veränderungen der Schmerzwahrnehmung sind möglich.

Allerdings ist die Evidenz für einen langfristigen therapeutischen Nutzen begrenzt.

Besonders wichtig ist, dass ein Patellagurt keine strukturelle Heilung der Sehne garantiert.

Er ersetzt deshalb kein progressives Krafttraining.

Ein Gurt kann gegebenenfalls ergänzend ausprobiert werden, wenn er subjektiv eine Verbesserung ermöglicht.

Er sollte jedoch nicht dazu verwendet werden, dauerhaft über die Belastungsgrenzen der Sehne hinwegzutrainieren.



Hilft Kinesiotape bei Patellasehnenschmerzen?


Kinesiotapes werden häufig bei verschiedenen Kniebeschwerden verwendet.

Dabei sollen sie unter anderem die Schmerzwahrnehmung oder bestimmte Bewegungsabläufe beeinflussen.

Für eine zuverlässige und langfristige Behandlung der Patellatendinopathie durch Kinesiotape gibt es jedoch keine überzeugende hochwertige Evidenz.

Das bedeutet nicht, dass einzelne Menschen keinerlei kurzfristige Verbesserung bemerken können.

Eine subjektive Schmerzlinderung ist durchaus möglich.

Allerdings sollte diese Wirkung nicht mit einer direkten strukturellen Reparatur der Sehne gleichgesetzt werden.

Im Mittelpunkt der Behandlung bleibt deshalb ein geeignetes Übungsprogramm.



Hilft Dehnen gegen Jumper’s Knee?


Dehnübungen werden bei Patellasehnenschmerzen häufig empfohlen.

Dabei steht insbesondere die Oberschenkelvorderseite im Mittelpunkt.

Allerdings ist nicht überzeugend belegt, dass eine verkürzte Quadrizepsmuskulatur die allgemeine Hauptursache des Jumper’s Knee darstellt.

Auch das reine Dehnen kann die erforderliche Belastbarkeit einer schmerzhaften Sehne nicht zuverlässig wiederherstellen.

Wenn bestimmte Beweglichkeitseinschränkungen vorliegen, können Dehnübungen ergänzend sinnvoll sein.

Sie sollten jedoch nicht als Ersatz für gezieltes Krafttraining betrachtet werden.

Besonders intensive Dehnungen können bei empfindlichen Sehnenansätzen vorübergehend unangenehm sein.

Deshalb sollte die Intensität individuell angepasst werden.



Hilft eine Faszienrolle bei Patellasehnenschmerzen?


Faszienrollen werden häufig eingesetzt, um die Muskulatur der Oberschenkelvorderseite zu bearbeiten.

Manche Menschen berichten anschliessend über eine kurzfristige Verbesserung der Beweglichkeit oder des subjektiven Wohlbefindens.

Allerdings ist nicht ausreichend belegt, dass Faszienrollen eine Patellatendinopathie gezielt heilen.

Auch die Vorstellung, dass dadurch verklebtes Sehnengewebe mechanisch aufgelöst wird, ist wissenschaftlich nicht überzeugend.

Wenn du eine Faszienrolle als angenehm empfindest, kann sie ergänzend verwendet werden.

Sie ist jedoch keine notwendige Voraussetzung für die Rehabilitation.



Sind Kortisonspritzen bei Jumper’s Knee sinnvoll?


Kortikosteroid-Injektionen können bei bestimmten Erkrankungen kurzfristig entzündliche Beschwerden reduzieren.

Bei chronischen Sehnenerkrankungen ist ihre Anwendung allerdings problematisch.

Besonders bei der Patellatendinopathie gibt es keine überzeugenden Belege für einen langfristigen therapeutischen Vorteil gegenüber geeigneten aktiven Behandlungsmassnahmen.

Darüber hinaus bestehen mögliche Risiken für das Sehnengewebe.

Dazu gehört unter bestimmten Umständen eine Beeinträchtigung der Sehnenstruktur.

Besonders wiederholte oder direkt in Sehnengewebe verabreichte Injektionen sollten deshalb kritisch beurteilt werden.

Eine routinemässige Kortisoninjektion ist bei Jumper’s Knee keine bevorzugte Erstbehandlung.



Helfen Stosswellentherapie oder PRP-Injektionen?


Bei länger bestehenden Patellasehnenbeschwerden werden verschiedene zusätzliche Behandlungen angeboten.

Dazu gehören die extrakorporale Stosswellentherapie und Injektionen mit plättchenreichem Plasma, häufig als PRP bezeichnet.

Die wissenschaftlichen Ergebnisse sind jedoch uneinheitlich.

Manche Studien berichten über positive Veränderungen.

Andere Untersuchungen finden keinen überzeugenden Zusatznutzen gegenüber geeigneten Vergleichsbehandlungen.

Auch die verwendeten Verfahren und Behandlungsprotokolle unterscheiden sich teilweise erheblich.

Die niederländische Leitlinie empfiehlt deshalb, zusätzliche konservative Verfahren erst dann zu erwägen, wenn sich nach Patientenberatung, Belastungsmanagement und mindestens zwölf Wochen strukturiertem Training kein ausreichender Fortschritt zeigt.

Das bedeutet nicht, dass solche Verfahren grundsätzlich niemals sinnvoll sein können.

Allerdings sollten Nutzen, Unsicherheiten und mögliche Kosten realistisch besprochen werden.



Wann ist eine Operation bei Jumper’s Knee notwendig?


Eine Operation wird bei Patellatendinopathie normalerweise nicht als erste Behandlung eingesetzt.

Die meisten Patienten sollten zunächst ein strukturiertes konservatives Behandlungsprogramm erhalten.

Eine operative Behandlung kann bei lang anhaltenden Beschwerden und erheblichen Funktionseinschränkungen erwogen werden, wenn geeignete konservative Massnahmen über einen ausreichend langen Zeitraum keinen zufriedenstellenden Erfolg gebracht haben.

Dabei muss zunächst überprüft werden, ob die Diagnose tatsächlich korrekt ist.

Auch die Qualität und Dauer des bisherigen Trainingsprogramms sind wichtig.

Eine Operation ist kein Garant für vollständige Beschwerdefreiheit.

Zudem ist anschliessend wiederum eine strukturierte Rehabilitation notwendig.

Deshalb sollte die Entscheidung individuell und nach ausführlicher orthopädischer Beratung erfolgen.



Wie lange dauert die Heilung eines Jumper’s Knee?


Die Dauer ist sehr unterschiedlich.

Bei einer früh erkannten Belastungsreaktion können Beschwerden unter geeigneter Belastungsanpassung vergleichsweise schnell zurückgehen.

Bei einer bereits länger bestehenden Patellatendinopathie ist dagegen häufig eine mehrmonatige Rehabilitation notwendig.

Die niederländische Leitlinie empfiehlt ein strukturiertes Übungsprogramm über mindestens zwölf Wochen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass nach zwölf Wochen jeder Mensch vollständig beschwerdefrei sein muss.

In der randomisierten Studie von Breda und Kollegen wurde der Behandlungserfolg beispielsweise nach 24 Wochen untersucht.

Die Patienten hatten überwiegend chronische Beschwerden, die teilweise schon seit Jahren bestanden.

Besonders bei hohen sportlichen Anforderungen kann der vollständige Wiederaufbau der Sehnenbelastbarkeit deutlich mehr Zeit benötigen.

Deshalb sollte nicht nur die Schmerzintensität im Alltag bewertet werden.

Auch die Fähigkeit, intensive Sprünge und Richtungswechsel wiederholt zu bewältigen, ist entscheidend.



Kann man mit Jumper’s Knee weiter Sport machen?


Ja, in vielen Fällen ist eine angepasste sportliche Aktivität möglich.

Allerdings sollte die Belastung zur aktuellen Sehnenfunktion passen.

Besonders intensive Sprungserien, häufige Sprints und andere stark schmerzauslösende Belastungen können vorübergehend reduziert werden.

Gleichzeitig sollte möglichst eine geeignete Form körperlicher Aktivität erhalten bleiben.

Das können beispielsweise bestimmte Kraftübungen oder weniger belastende Ausdaueraktivitäten sein.

Besonders wichtig ist die Reaktion auf das Training.

Wenn die Beschwerden am folgenden Tag deutlich stärker sind, kann die Belastung zu hoch gewesen sein.

Die Trainingssteuerung sollte deshalb nicht ausschliesslich anhand der Schmerzen während der Sporteinheit erfolgen.



Kann Jumper’s Knee chronisch werden?


Ja. Eine Patellatendinopathie kann über viele Monate oder sogar Jahre bestehen.

Besonders problematisch kann es sein, wenn die Sehne wiederholt stark belastet wird, ohne dass die Trainingsintensität an ihre aktuelle Belastbarkeit angepasst wird.

Auch eine ausschliesslich passive Behandlung kann dazu führen, dass der notwendige Wiederaufbau der Sehnenfunktion ausbleibt.

Das bedeutet jedoch nicht, dass lang anhaltende Beschwerden zwangsläufig dauerhaft bestehen bleiben.

Die randomisierte Studie von Breda und Kollegen zeigte auch bei überwiegend chronischen Patienten relevante Verbesserungen durch ein strukturiertes progressives Trainingsprogramm.

Deshalb ist die Beschwerdedauer allein kein Grund, eine aktive Behandlung aufzugeben.



Wann solltest du mit Schmerzen unter der Kniescheibe zum Arzt?


Eine medizinische Untersuchung ist sinnvoll, wenn Schmerzen unterhalb der Kniescheibe über längere Zeit bestehen oder zunehmend stärker werden.

Besonders wichtig ist eine Abklärung nach einem akuten Unfall.

Wenn plötzlich ein starker Schmerz auftritt, möglicherweise begleitet von einem hörbaren Reissen, kann eine ernsthafte Verletzung des Streckapparates vorliegen.

Ein vollständiger Patellasehnenriss ist eine andere Erkrankung als das gewöhnliche Jumper’s Knee.

Typisch können eine ausgeprägte Funktionsstörung und die Unfähigkeit sein, das Knie aktiv gegen die Schwerkraft zu strecken.

Eine solche Situation erfordert eine dringende medizinische Untersuchung.

Auch eine deutliche Gelenkschwellung, ausgeprägte Rötung, Fieber oder starke Ruheschmerzen müssen abgeklärt werden.

Bei Kindern und Jugendlichen sollte ausserdem berücksichtigt werden, dass wachstumsbedingte Erkrankungen ähnliche Beschwerden verursachen können.



Häufige Fragen zum Jumper’s Knee


Was ist ein Jumper’s Knee?


Ein Jumper’s Knee ist eine belastungsabhängige Erkrankung der Patellasehne. Typisch sind Schmerzen direkt unterhalb der Kniescheibe, insbesondere bei Sprüngen, Sprints und anderen intensiven Belastungen.


Ist Jumper’s Knee dasselbe wie das Patellaspitzensyndrom?


Ja. Jumper’s Knee, Springerknie und Patellaspitzensyndrom werden im klinischen Alltag weitgehend synonym verwendet. Der medizinisch präzisere Begriff lautet häufig Patellatendinopathie.


Wo genau schmerzt ein Springerknie?


Der Schmerz befindet sich typischerweise am unteren Rand der Kniescheibe beziehungsweise im oberen Bereich der Patellasehne. Besonders bei Sprung- und Landebewegungen können die Beschwerden zunehmen.


Welche Übungen helfen bei Jumper’s Knee?


Besonders wichtig sind progressive Kraftübungen für den Quadrizeps. Dazu gehören beispielsweise langsame Kniebeugen, Beinpresse und später anspruchsvollere funktionelle Übungen. In einer fortgeschrittenen Rehabilitationsphase können Sprünge und Landungen ergänzt werden.


Sollte man bei Jumper’s Knee pausieren?


Eine vollständige Pause ist nicht grundsätzlich erforderlich. Häufig ist es sinnvoller, besonders schmerzauslösende Belastungen vorübergehend zu reduzieren und gleichzeitig ein geeignetes Krafttraining fortzuführen.


Wie lange dauert ein Jumper’s Knee?


Die Dauer hängt von der Beschwerdesituation und dem Trainingsverlauf ab. Bei chronischen Beschwerden kann eine mehrmonatige Rehabilitation notwendig sein. Leitlinien empfehlen ein strukturiertes Training über mindestens zwölf Wochen.


Kann man mit Jumper’s Knee joggen?


Bei tolerierbaren Beschwerden und ausreichender Belastbarkeit kann angepasstes Laufen möglich sein. Wenn nach dem Joggen stärkere Schmerzen auftreten, sollte die Laufbelastung vorübergehend reduziert werden.


Hilft ein Patellagurt beim Springerknie?


Ein Patellagurt kann bei manchen Menschen kurzfristig die Beschwerden beeinflussen. Ein zuverlässiger langfristiger therapeutischer Effekt oder eine strukturelle Heilung der Sehne ist jedoch nicht nachgewiesen.


Sind Kniebeugen bei Jumper’s Knee schädlich?


Nein. Kniebeugen können sogar Bestandteil einer wirksamen Rehabilitation sein. Entscheidend sind der Bewegungsumfang, die Trainingsintensität und die individuelle Belastungstoleranz.


Kann ein Jumper’s Knee operiert werden?


Ja. Eine Operation kann bei ausgewählten Patienten mit lang anhaltenden Beschwerden erwogen werden. Zunächst sollte jedoch normalerweise ein ausreichend langes strukturiertes konservatives Behandlungsprogramm erfolgen.



Mein Fazit als Physiotherapeut


Das Jumper’s Knee gehört zu den häufigen belastungsabhängigen Erkrankungen des Kniegelenks bei sportlich aktiven Menschen.

Besonders typisch sind Schmerzen direkt unterhalb der Kniescheibe, die beim Springen, Sprinten oder bei anderen intensiven Belastungen entstehen.

Dabei handelt es sich nicht zwangsläufig um eine einfache Entzündung, die durch Schonung und entzündungshemmende Medikamente vollständig verschwindet.

Vielmehr steht häufig eine veränderte Belastbarkeit der Patellasehne im Mittelpunkt.

Aus physiotherapeutischer Sicht ist deshalb besonders wichtig, zwischen einer vorübergehenden Reduktion schmerzauslösender Belastungen und einer langfristigen vollständigen Schonung zu unterscheiden.

Eine Sehne benötigt mechanische Belastungen, um ihre Funktion zu erhalten und sich an steigende Anforderungen anzupassen.

Allerdings muss diese Belastung zur aktuellen Leistungsfähigkeit passen.

Genau hier liegt die Bedeutung einer strukturierten Rehabilitation.

Die wissenschaftlichen Untersuchungen der vergangenen Jahre zeigen, dass progressive Trainingsprogramme eine wichtige Grundlage der Behandlung darstellen.

Besonders interessant ist die randomisierte Studie aus dem Jahr 2021, in der ein aufeinander aufbauendes Sehnenbelastungsprogramm nach 24 Wochen bessere Ergebnisse erreichte als ausschliesslich exzentrisches Training.

Das bedeutet nicht, dass exzentrische Übungen unwirksam wären.

Vielmehr sollten verschiedene Belastungsformen sinnvoll kombiniert und im Laufe der Rehabilitation gesteigert werden.

Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass Schmerzen nicht immer vollständig vermieden werden müssen.

Leichte, kontrollierbare Beschwerden können bei einer entsprechend diagnostizierten Tendinopathie während eines geeigneten Trainings tolerierbar sein.

Entscheidend ist jedoch, dass sich die Symptome insgesamt nicht dauerhaft verschlechtern.

Auch zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten wie Taping, Patellagurte oder Stosswellentherapie sollten realistisch bewertet werden.

Sie können unter bestimmten Umständen ergänzend eingesetzt werden, ersetzen jedoch nicht den systematischen Aufbau der Sehnenbelastbarkeit.

Besonders bei Sportlern ist ausserdem wichtig, die Rehabilitation nicht zu früh zu beenden.

Ein Knie, das gewöhnliche Kniebeugen wieder schmerzarm bewältigt, muss noch nicht ausreichend auf wiederholte Sprünge, Landungen oder intensive Richtungswechsel vorbereitet sein.

Mein wichtigster Rat lautet deshalb: Wenn du unter Schmerzen direkt unterhalb der Kniescheibe leidest, lass zunächst die tatsächliche Ursache untersuchen. Reduziere bei Bedarf besonders intensive Belastungen, beginne mit einem geeigneten progressiven Krafttraining und baue deine sportliche Leistungsfähigkeit schrittweise wieder auf.


Die Patellasehne wird nicht durch möglichst viel Schonung dauerhaft belastbarer. Entscheidend ist die richtige Belastung zur richtigen Zeit.



Wissenschaftliche Quellen


  1. Breda, S. J., Oei, E. H. G., Zwerver, J., Visser, E., Waarsing, E., Krestin, G. P., & de Vos, R.-J. (2021). Effectiveness of progressive tendon-loading exercise therapy in patients with patellar tendinopathy: A randomised clinical trial. British Journal of Sports Medicine, 55(9), 501–509. https://doi.org/10.1136/bjsports-2020-103403

  2. Rosen, A. B., Wellsandt, E., Nicola, M., & Tao, M. A. (2022). Clinical management of patellar tendinopathy. Journal of Athletic Training, 57(7), 621–631. https://doi.org/10.4085/1062-6050-0049.21

  3. Federatie Medisch Specialisten. (2022). Anterieure kniepijn: Oefentherapie bij patella tendinopathie. https://richtlijnendatabase.nl/richtlijn/anterieure_kniepijn/oefentherapie_bij_patella_tendinopathie_pt.html

  4. Federatie Medisch Specialisten. (2022). Anterieure kniepijn: Anamnese en lichamelijk onderzoek bij patella tendinopathie. https://richtlijnendatabase.nl/richtlijn/anterieure_kniepijn/anamnese_en_lichamelijk_onderzoek_bij_pt.html

  5. Rio, E., Kidgell, D., Purdam, C., Gaida, J., Moseley, G. L., Pearce, A. J., & Cook, J. (2015). Isometric exercise induces analgesia and reduces inhibition in patellar tendinopathy. British Journal of Sports Medicine, 49(19), 1277–1283. https://doi.org/10.1136/bjsports-2014-094386

  6. Schwartz, A., Watson, J. N., & Hutchinson, M. R. (2015). Patellar tendinopathy. Sports Health, 7(5), 415–420. https://doi.org/10.1177/1941738114568775


Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle ärztliche oder physiotherapeutische Untersuchung. Bei einem akuten Verletzungsereignis, einer deutlichen Funktionsstörung des Streckapparates, starker Schwellung oder anderen ungewöhnlichen Beschwerden ist eine medizinische Abklärung notwendig. Übungsprogramme sollten an die individuelle Diagnose und Belastbarkeit angepasst werden.

Roman Welzk Mein Physio Online Akademie

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