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Chronische Nierenerkrankung: schematische Anatomie einer Niere mit Nierenfilter, Blutgefässen und Harnleiter

Chronische Nierenerkrankung: eGFR, Symptome und Training

Autorenbild: Roman Welzk | Gründer mein-physio.info
Roman Welzk | Gründer mein-physio.info
vor 3 Tagen
9 Min. Lesezeit

Chronische Nierenerkrankung: Oft lange unbemerkt

Deine Nieren filtern täglich grosse Mengen Blut, regulieren Wasser und Elektrolyte, helfen beim Blutdruck und übernehmen wichtige Aufgaben im Knochen- und Hormonstoffwechsel. Wenn ihre Struktur oder Funktion dauerhaft beeinträchtigt ist, sprechen Ärztinnen und Ärzte von einer chronischen Nierenerkrankung, abgekürzt CKD. Der englische Ausdruck lautet chronic kidney disease. Die Erkrankung kann lange ohne deutliche Beschwerden verlaufen. Gerade deshalb ist eine Diagnose anhand eines Risikoprofils, von Blutwerten und einer Urinuntersuchung so wichtig.

Typische Risikofaktoren sind Diabetes, Bluthochdruck, bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte familiäre Nierenerkrankungen. Eine einzelne etwas niedrigere Filtrationsrate bedeutet aber nicht automatisch, dass eine chronische Krankheit vorliegt. Die Befunde müssen zeitlich und klinisch korrekt eingeordnet werden. Zugleich können auch Menschen mit normaler Filtrationsrate eine relevante Nierenschädigung haben, wenn zum Beispiel dauerhaft deutlich vermehrt Albumin im Urin nachweisbar ist.

Eine CKD lässt sich nicht durch bestimmte Übungen heilen. Bewegung, gezielte medizinische Behandlung und geeignete Ernährung können jedoch helfen, allgemeine Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität zu erhalten. Dieser Artikel erklärt die diagnostischen Grundlagen nach KDIGO 2024 und zeigt, wie Training sinnvoll angepasst wird.

Was machen die Nieren eigentlich?

Die beiden Nieren liegen rechts und links im hinteren Oberbauch. Ihre winzigen Filtereinheiten, die Nephrone, bestehen aus einem Kapillarknäuel und einem komplexen Röhrchensystem. Wasser und kleine Moleküle werden zunächst filtriert; anschliessend werden lebenswichtige Stoffe wieder aufgenommen und andere Substanzen ausgeschieden. Dadurch bleibt das innere Milieu des Körpers trotz schwankender Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme erstaunlich stabil.

Nieren beteiligen sich ausserdem an der Steuerung des Blutdrucks über Hormonsysteme, an der Aktivierung von Vitamin D und an der Bildung von Erythropoetin, das die Produktion roter Blutkörperchen beeinflusst. Werden diese Funktionen beeinträchtigt, können sich Flüssigkeit ansammeln, Elektrolytwerte verändern, Blutarmut und Störungen des Mineralstoffwechsels entwickeln. Welche Probleme auftreten, hängt von Ursache, Schweregrad und Verlauf ab.

Bei fortgeschrittener Krankheit müssen Medikamente, Ernährung, Bewegung und gegebenenfalls eine Nierenersatztherapie zusammen betrachtet werden. Dabei ist nicht jede reduzierte Filtration automatisch ein Hinweis darauf, dass bald Dialyse notwendig sein wird. Viele Menschen leben über Jahre mit einer stabilen milden oder moderaten chronischen Einschränkung.

Wann gilt eine Nierenerkrankung als chronisch?

Die internationale KDIGO-Leitlinie von 2024 definiert CKD als eine gesundheitlich bedeutsame Struktur- oder Funktionsstörung der Nieren, die mindestens drei Monate besteht. Das kann etwa eine geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) unter 60 ml/min/1,73 m² oder ein dauerhaft nachgewiesener Marker einer Nierenschädigung sein. Zu solchen Markern gehört eine erhöhte Albumin-Kreatinin-Ratio im Urin, kurz ACR.

Ein einzelner auffälliger Kreatininwert nach starkem Flüssigkeitsverlust, Infekt oder einer akuten Erkrankung ist kein ausreichender Beleg für die Chronizität. Vorbefunde, wiederholte Laboruntersuchungen, Urinbefunde und bei Bedarf Ultraschall helfen bei der Einordnung. Wichtig ist auch, ob eine akute Nierenschädigung vorliegt, bei der rasch gehandelt werden muss.

Auch ein normaler oder nur leicht eingeschränkter eGFR-Wert kann mit einer behandlungsbedürftigen Nierenerkrankung einhergehen, wenn zusätzliche Marker vorliegen. Deshalb ist die häufige Vorstellung «Mein Kreatinin ist nicht stark erhöht, also sind die Nieren gesund» zu einfach. Die wichtigste Kombination in der Routine besteht aus eGFR und Albuminurie, ergänzt um den klinischen Hintergrund.

Welche Ursachen sind häufig?

Diabetes und langjähriger Bluthochdruck gehören zu den wichtigsten Ursachen chronischer Nierenschädigung. Erhöhte Blutzuckerwerte können die feinen Gefässstrukturen im Filterapparat verändern; ungünstig eingestellter Blutdruck wiederum belastet die Nieren langfristig. Beide Erkrankungen können gemeinsam auftreten und sich gegenseitig verstärken. Auch entzündliche Nierenerkrankungen, erblich bedingte Veränderungen wie Zystennieren sowie bestimmte Abflussstörungen kommen infrage.

Seltenere Ursachen sind autoimmune oder systemische Erkrankungen. Bestimmte Medikamente können bei falscher Anwendung oder entsprechender Anfälligkeit die Nieren belasten. Dazu gehören unter anderem manche nichtsteroidale Schmerzmittel, besonders bei Dehydratation oder bestehender eingeschränkter Nierenfunktion. Medikamente dürfen dennoch nicht pauschal abgesetzt werden: Entscheidend sind konkrete Substanz, Dosierung, medizinische Indikation und ärztliche Abwägung.

Viele Betroffene haben gleichzeitig Herz-Kreislauf-Risikofaktoren. So kann eine eingeschränkte Nierenfunktion zusammen mit einer Herzinsuffizienz auftreten. Auch unser Beitrag zur Arteriosklerose ist in diesem Zusammenhang relevant. Diese Erkrankungen sind miteinander verbunden, aber sie sind nicht dieselbe Diagnose.

Welche Symptome macht eine chronische Nierenerkrankung?

Frühe CKD-Stadien verursachen häufig keinerlei spürbare Probleme. Später können Müdigkeit, geringere Belastbarkeit, Übelkeit, veränderter Appetit, Konzentrationsprobleme oder Juckreiz auftreten. Flüssigkeitseinlagerungen in Füssen und Unterschenkeln sind möglich. Häufiges nächtliches Wasserlassen kann ebenfalls vorkommen, hat jedoch viele andere Ursachen. Keines dieser Symptome ist allein beweisend.

Bei einer fortgeschrittenen Einschränkung können Atemnot, Veränderungen des Blutdrucks, Störungen des Kaliumhaushalts und zunehmende Leistungsschwäche auftreten. Manche Symptome entstehen indirekt, etwa durch Blutarmut oder Störungen des Knochen- und Mineralstoffwechsels. Eine plötzlich massive Verschlechterung, starke Atemnot, Bewusstseinsstörung oder deutliche Reduktion der Urinausscheidung gehört umgehend medizinisch beurteilt.

Wenn du über Monate lediglich erschöpft bist, sollte daher nicht ausschliesslich an die Niere gedacht werden. Schilddrüse, Blutbild, Schlaf, Herzfunktion und zahlreiche weitere Faktoren können Beschwerden verursachen. Bei auffälligen Blut- oder Urinwerten ist die richtige Konsequenz eine strukturierte ärztliche Diagnostik und keine Selbsttherapie.

Was bedeuten eGFR, Kreatinin und Cystatin C?

Kreatinin ist ein Abbauprodukt aus dem Muskelstoffwechsel. Aus seinem Blutwert wird unter Berücksichtigung weiterer Faktoren die geschätzte Filtrationsrate berechnet. Diese eGFR ist ein wichtiger Anhaltspunkt, aber keine direkte Messung in jedem Einzelfall. Bei ungewöhnlich hoher oder geringer Muskelmasse, besonderen Ernährungsformen oder bestimmten Erkrankungen kann die kreatininbasierte Schätzung ungenau sein.

KDIGO empfiehlt in geeigneten Situationen die zusätzliche Bestimmung von Cystatin C. Die Kombination aus Kreatinin und Cystatin C kann die Abschätzung verbessern, wenn die Entscheidung davon abhängt. Ein sehr muskulöser Mensch kann einen höheren Kreatininwert haben, ohne dieselbe tatsächliche Nierenfunktionsminderung wie ein Mensch mit geringer Muskelmasse. Trotzdem ist das keine Einladung, erhöhte Werte einfach mit Sport zu erklären.

Wichtig ist der Verlauf. Ein stabiler Wert über längere Zeit bedeutet etwas anderes als ein rascher Abfall innerhalb weniger Tage. Die ärztliche Einordnung berücksichtigt Alter, körperliche Verfassung, Medikamente, Urinbefunde und frühere Laborergebnisse. Eine alleinige Zahl ohne Kontext ist wenig aussagekräftig.

Welche CKD-Stadien gibt es?

Die Einteilung der Filtrationsrate folgt den Kategorien G1 bis G5: G1 bedeutet mindestens 90, G2 60 bis 89, G3a 45 bis 59, G3b 30 bis 44, G4 15 bis 29 und G5 weniger als 15 ml/min/1,73 m². Eine Filtration in der Kategorie G1 oder G2 erfüllt allein nicht die Diagnose einer CKD; es braucht dann Hinweise auf eine chronische Nierenschädigung.

Gleichzeitig gibt es die Albuminurie-Kategorien A1 bis A3. A1 umfasst weniger als 30 mg Albumin je Gramm Kreatinin im Urin, A2 30 bis 300 mg/g und A3 mehr als 300 mg/g. Je ausgeprägter die Albuminurie bei derselben eGFR, desto höher ist oft das Risiko für Fortschreiten und kardiovaskuläre Ereignisse. Die Ursache ergänzt beide Werte in der sogenannten CGA-Klassifikation.

Ein Beispiel: Zwei Menschen mit eGFR 52 haben zwar dieselbe G3a-Kategorie, können aber wegen unterschiedlicher Albuminwerte und anderer Risikofaktoren ganz verschiedene Prognosen besitzen. Deshalb sind plakative Aussagen wie «Stadium 3 bedeutet bald Dialyse» irreführend. Ärztliche Teams können Risikoformeln heranziehen, um den Verlauf fundierter abzuschätzen.

Video: Allgemeine Vorstellung des Mein-Physio-Kanals – kein krankheitsspezifisches Fachvideo.

Welche Untersuchungen gehören zur Abklärung?

Neben eGFR und ACR können Blutbild, Elektrolyte, Säure-Basen-Werte, Kalzium-Phosphat-Haushalt und Blutdruck wichtig sein. Eine Urinuntersuchung kann etwa Blutbestandteile, Protein oder andere Auffälligkeiten zeigen. Ultraschall beurteilt Grösse und Struktur der Nieren sowie mögliche Abflussstörungen. Die Auswahl hängt von Vorgeschichte und Verdachtsdiagnose ab.

Bei einigen Erkrankungen sind zusätzliche Antikörpertests oder eine Nierenbiopsie sinnvoll, wenn sie Behandlung und Prognose beeinflussen. Keinesfalls muss jede Person sämtliche Spezialuntersuchungen durchlaufen. Sinnvoll sind wiederholte Kontrollen, deren Häufigkeit sich an individuellem Progressionsrisiko und medizinischen Entscheidungen orientiert.

Wer Laborwerte selbst liest, sollte die Einheit beachten: eGFR in ml/min/1,73 m² ist nicht dasselbe wie ein reiner Kreatininwert. Albumin-Kreatinin-Quotienten werden international in unterschiedlichen Einheiten angegeben. Eine eigenmächtige Umrechnung oder Therapieentscheidung ist fehleranfällig.

Wie sieht eine evidenzbasierte Behandlung aus?

Die medizinische Behandlung richtet sich nach Ursache, Blutdruck, Blutzucker, Albuminurie und individuellem Risiko. Bei bestimmten Konstellationen können ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker die Progression verlangsamen. Die KDIGO-Leitlinie nennt ausserdem SGLT2-Hemmer für verschiedene Gruppen mit CKD, abhängig von Filtrationsrate, Diabetes, Albuminurie und Herzinsuffizienz. Nicht jede dieser Medikamentengruppen ist für alle Menschen gleich gut geeignet.

Wichtig sind Kontrollen von Blutdruck, Kreatinin und Kalium nach bestimmten Therapieanpassungen. Einige Medikamente brauchen eine an die Nierenfunktion angepasste Dosis. Blutdruck und Herz-Kreislauf-Gesundheit werden gemeinsam betrachtet. Veränderungen der Medikation sollen ausschliesslich mit dem Behandlungsteam erfolgen, insbesondere wenn Schwindel, Dehydratation oder auffällige Elektrolytwerte auftreten.

Bei fortgeschrittener Erkrankung können zusätzliche Therapien für Blutarmut, Mineralstoffwechsel oder andere Komplikationen erforderlich sein. Dialyse und Transplantation werden erst bei entsprechender klinischer Situation geplant; eine eGFR-Zahl allein entscheidet darüber nicht. Ziel ist immer, Behandlung, Lebensqualität und langfristige Sicherheit miteinander zu verbinden.

Wie viel Bewegung ist bei Nierenerkrankung empfehlenswert?

Bewegung bleibt wichtig. KDIGO 2024 empfiehlt Erwachsenen mit CKD, soweit körperlich und kardiovaskulär verträglich, insgesamt mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche oder ein individuell passendes Aktivitätsniveau anzustreben. Die Empfehlung ist kein starres Pflichtprogramm für gebrechliche oder schwer kranke Menschen. Alter, Begleiterkrankungen, Sturzrisiko und momentane Leistungsfähigkeit beeinflussen Umfang und Intensität.

Viele Menschen profitieren von regelmässigem Gehen, Radfahren oder anderen gut verträglichen Ausdaueraktivitäten. Auch Krafttraining ist sinnvoll, um Muskelmasse und Alltagsfunktionen zu erhalten, sofern es medizinisch geeignet und richtig dosiert ist. Physiotherapie kann bei eingeschränkter Belastbarkeit, Balanceproblemen oder nach Krankenhausaufenthalten helfen, einen realistischen Plan aufzubauen.

Wer wegen CKD gleichzeitig an Sarkopenie leidet, braucht möglicherweise besonderes Augenmerk auf funktionelle Kraft. Bei unsicherem Gang ist die Sturzprävention ein zusätzlicher Baustein. Der Trainingsbeginn sollte nicht vom Leistungsstand gesunder Sportler abgeleitet werden.

Welche Übungen eignen sich für einen vorsichtigen Einstieg?

Ein mögliches allgemeines Einstiegskonzept besteht aus kurzen Spaziergängen mit Pausen, langsamem Aufstehen aus einem stabilen Stuhl, leichtem Wadenheben mit Festhaltemöglichkeit und kontrollierten Gleichgewichtsübungen an einem sicheren Platz. Die Wiederholungszahl wird an die individuelle Tagesform angepasst. Entscheidend sind saubere Bewegungsausführung und gute Erholung, nicht möglichst hohe Widerstände.

Eine Person nach längerem Krankenhausaufenthalt beginnt gegebenenfalls mit wenigen Minuten Aktivität und steigert erst allmählich. Eine körperlich fitte Person kann dagegen ein deutlich höheres, kontrolliertes Niveau erreichen. Bei auffälligem Blutdruck, Herzproblemen, Blutarmut oder relevanten Elektrolytstörungen ist eine vorherige ärztliche Beurteilung erforderlich. Bei Hämodialyse sind Trainingseinheiten zudem an Dialysezeiten, Kreislaufstabilität und den Gefässzugang anzupassen.

Kreislaufbeschwerden beim Aufstehen können zusätzlich durch Medikamente oder Flüssigkeitshaushalt beeinflusst werden. Unser Beitrag zur orthostatischen Hypotonie erklärt mögliche Ursachen. Pressatmung, schwere Maximalbelastungen oder abruptes Training trotz ausgeprägter Symptome sind kein sinnvoller Standard für den Einstieg.

Was solltest du bei Ernährung und Trinken beachten?

Es gibt keine einzige Nierendiät, die für alle Krankheitsstadien geeignet wäre. Eiweisszufuhr, Salzmenge, Kalium, Phosphat und Trinkmengen werden je nach Nierenfunktion, Laborwerten, Begleiterkrankungen und Therapien beurteilt. Gerade bei älteren Menschen mit geringer Muskelmasse kann eine unkritisch strenge Eiweissreduktion Nachteile haben. Umgekehrt kann eine besonders eiweissreiche Sporternährung bei manchen CKD-Konstellationen problematisch sein.

Eine nierenfachlich qualifizierte Ernährungsberatung ist deshalb wertvoll, insbesondere bei fortgeschrittener CKD oder Dialyse. Eine pauschale Anweisung, möglichst viel Wasser zu trinken, ist falsch: Bei Herzschwäche oder Flüssigkeitsretention kann dies schaden. Ebenso ist ein generelles Verbot aller kaliumreichen Lebensmittel ohne Kenntnis der Blutwerte nicht angemessen.

Wer Nahrungsergänzungsmittel verwendet, sollte insbesondere hoch dosierte Präparate, nicht geprüfte Pflanzenprodukte und bestimmte Schmerzmittel mit dem Behandlungsteam besprechen. Gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und individuell passende Medikamente wirken am besten als abgestimmtes Gesamtkonzept.

Warum hängen Nieren, Herz und Knochen zusammen?

Nieren und Herz beeinflussen sich gegenseitig über Blutdruck, Flüssigkeitshaushalt und hormonelle Systeme. Bei chronischer Nierenerkrankung steigt oft das kardiovaskuläre Risiko. Gleichzeitig kann eine Herzschwäche die Nierendurchblutung beeinträchtigen. Das sogenannte kardiorenale Zusammenspiel erklärt, weshalb Ärztinnen und Ärzte häufig beide Organsysteme gleichzeitig überwachen.

Auch Knochen und Muskeln sind betroffen. Veränderungen des Vitamin-D- und Phosphathaushalts können den Knochenstoffwechsel beeinflussen. Wer wenig aktiv ist, verliert unter Umständen zusätzlich Muskelkraft und Gleichgewicht. Das erhöht das Risiko für Stürze und funktionelle Einschränkungen. Zur Abgrenzung von allgemeinen Altersveränderungen lies gern den Beitrag über Frailty im Alter.

Die Verbindung verschiedener Organsysteme macht CKD zu einer komplexen chronischen Erkrankung und nicht zu einem isolierten «schlechten Blutwert». Ein gutes Behandlungsprogramm misst deshalb auch Belastbarkeit, Alltagsfunktion und Lebensqualität.

Wann ist eine ärztliche Abklärung besonders dringend?

Eine neue, stark verminderte Urinmenge, schwere Atemnot, Bewusstseinsstörung, zunehmende allgemeine Schwäche mit Herzrhythmusproblemen oder starke Flüssigkeitseinlagerungen erfordern eine rasche medizinische Beurteilung. Eine plötzliche Verschlechterung nach Infekt oder Medikamentenänderung kann auch auf eine akute Nierenschädigung hinweisen und darf nicht als gewöhnliche CKD-Schwankung abgetan werden.

Bei stabilen, aber auffälligen Laborbefunden ist eine planmässige Abklärung wichtig, um Dauer, Ursache und Risiko festzustellen. Bei bekannter CKD sollten Kontrolltermine und notwendige Blut- und Urintests regelmässig wahrgenommen werden. Therapieanpassungen aus dem Internet sind keine sichere Alternative.

Häufige Fragen zur chronischen Nierenerkrankung

Kann ich mit einer niedrigen eGFR noch trainieren? Häufig ja, in individuell geeigneter Form. KDIGO befürwortet körperliche Aktivität, soweit medizinisch verträglich. Entscheidend sind Grunderkrankung und aktuelle Stabilität, nicht eine einzelne Zahl allein.

Muss ich bei CKD automatisch weniger trinken? Nein. Trinkmengen können je nach Stadium, Herzfunktion, Ödemen und Therapie sehr unterschiedlich sein. Eine individuelle Vorgabe ist sinnvoller als pauschale Regeln.

Sind Eiweisspulver grundsätzlich verboten? Nicht pauschal. Die gesamte Eiweisszufuhr und die konkrete Nierensituation sind entscheidend. Vor hoch dosierten Supplementen sollte bei CKD Fachberatung erfolgen.

Kann die Erkrankung wieder verschwinden? Manche auffälligen Befunde sind vorübergehend und erfüllen gar nicht die Kriterien einer CKD. Eine etablierte chronische strukturelle Schädigung ist dagegen nicht durch Training rückgängig zu machen. Verlauf und therapeutische Möglichkeiten unterscheiden sich erheblich.

Ist Dialyse bei G3 unausweichlich? Nein. Das Risiko hängt unter anderem von Ursache, Verlauf und Albuminurie ab. Viele Menschen erreichen niemals ein Stadium, das eine Nierenersatztherapie erfordert.

Fazit: Früh erkennen, gezielt behandeln und in Bewegung bleiben

Eine chronische Nierenerkrankung ist häufig lange symptomarm, lässt sich aber mit eGFR, Albuminurie und Verlaufsbeurteilung früh erfassen. Die Behandlung zielt auf Grunderkrankungen, Blutdruck, Nierenschutz und mögliche Komplikationen. Körperliche Aktivität ist meist erwünscht, muss bei fortgeschrittener Erkrankung und Begleiterkrankungen aber passend dosiert werden. Eine physiotherapeutisch begleitete Bewegungstherapie kann helfen, Selbstständigkeit, Ausdauer und Muskelkraft zu erhalten – ergänzend zur nephrologischen Versorgung.

Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Informationen

• Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group. (2024). KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney International. Originalleitlinie zu CKD-Diagnostik, Risiko, Therapie und körperlicher Aktivität.

• KDIGO CKD Work Group. (2024). Executive summary of the KDIGO 2024 guideline. Kidney International. Kompakte Zusammenfassung von eGFR-, ACR- und Therapieempfehlungen.

• National Kidney Foundation. (o. J.). What is the Criteria for CKD? Medizinische Definition einer mindestens drei Monate bestehenden Nierenerkrankung.

• National Kidney Foundation. (o. J.). How to Classify CKD. Originalübersicht der GFR- und Albuminuriekategorien G1–G5 und A1–A3.

• National Kidney Foundation. (o. J.). Estimated Glomerular Filtration Rate (eGFR). Patientenorientierte Erklärung der Filtrationsrate und Krankheitsstadien.

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