Olecranon-Bursitis: Ursachen, Symptome, Diagnose & Behandlung
- Roman Welzk | Gründer mein-physio.info

- 30. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Was ist eine Olecranon-Bursitis?
Die Olecranon-Bursitis – auch Schleimbeutelentzündung des Ellenbogens genannt – entsteht am Schleimbeutel, der direkt über der prominenten Knochenstruktur des Ellenbogens, dem Olecranon, liegt. Dieser Schleimbeutel reduziert normalerweise Reibung, verteilt Druck und schützt die Haut vor dem Knochen. Wird er übermäßig belastet, gereizt oder verletzt, entzündet er sich – und es kommt zu einer sichtbaren Schwellung, Schmerzen, lokalen Wärme und eingeschränkter Beweglichkeit.
Die Olecranon-Bursitis tritt bei Handwerkern, Büroangestellten, Sportlern und Menschen mit wiederholtem Aufstützen des Ellenbogens besonders häufig auf. Sie kann aseptisch (nicht-infektiös) oder septisch (infektiös) sein, wobei letzteres eine schnelle medizinische Behandlung erfordert.
Ursachen der Olecranon-Bursitis
Eine Schleimbeutelentzündung entsteht niemals „einfach so“, sondern durch konkrete mechanische, entzündliche oder infektiöse Prozesse. Für eine erfolgreiche Therapie ist das Verstehen der Ursache entscheidend.
Mechanische Ursachen (am häufigsten)
Dauerhaftes Aufstützen des Ellenbogens auf harte Oberflächen (Schreibtisch, Werkbank)
Stoß- oder Schlagverletzungen, die Mikrotraumen verursachen
Sportliche Überlastung, besonders bei Kraft- und Kontaktsportarten
Einseitige Belastungen durch Körperhaltung oder Beruf
Die wiederholte Druckbelastung führt dazu, dass sich der Schleimbeutel verdickt, mehr Flüssigkeit bildet und letztlich entzündet.
Entzündliche Ursachen
Rheumatoide Arthritis
Gicht (Harnsäurekristalle im Schleimbeutel)
Psoriasisarthritis
Diese Erkrankungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für eine Bursitis erheblich.
Infektiöse Ursachen (Septische Bursitis)
Bakterien gelangen durch kleine Hautverletzungen in den Schleimbeutel
Häufig: Staphylococcus aureus
Eine septische Bursitis führt zu starken Schmerzen, deutlicher Rötung, Fieber und sollte sofort ärztlich behandelt werden.
Risikofaktoren
sitzende Tätigkeiten mit aufgestützten Armen
mangelnde muskuläre Stabilität des Arms
schlecht ausgeprägte Bewegungskoordination
eingeschränkte Beweglichkeit des Ellenbogengelenks
Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Gicht
Symptome der Olecranon-Bursitis
Die Symptome sind oft sehr charakteristisch und für Patient:innen gut erkennbar.
Typische Hauptsymptome
Deutliche Schwellung direkt über der Ellenbogenspitze
Wärmegefühl & Rötung
Druckschmerz, besonders beim Aufstützen
Schmerzen bei Beugung oder Streckung des Arms
eingeschränkte Beweglichkeit je nach Ausprägungsgrad
Symptome einer septischen Bursitis
starke, pulsierende Schmerzen
ausgeprägte Rötung
Fieber, Schüttelfrost
deutliche Überwärmung
rasche Verschlechterung innerhalb von Stunden
Chronische Symptome
Wenn die Bursitis über Wochen besteht, kann der Schleimbeutel sich verdicken und eine permanente Schwellung („weiches Kissen“) hinterlassen. Oft entstehen dadurch langanhaltende Beschwerden, wenn die Ursache nicht behoben wird.
Diagnose der Olecranon-Bursitis
Eine genaue Diagnose ist wichtig, um infektiöse von nicht-infektiösen Ursachen zu unterscheiden und die Therapie gezielt zu planen.
Anamnese
Wann traten die Beschwerden auf?
Gab es eine Verletzung?
Wurde der Ellenbogen stark belastet?
Berufliche Tätigkeiten?
Vorerkrankungen wie Gicht oder Rheuma?
Klinische Untersuchung
Der Arzt oder Physiotherapeut prüft:
Größe & Konsistenz der Schwellung
Bewegungsumfang des Ellenbogens
Druckschmerzpunkte
Funktion angrenzender Muskeln
Entzündungszeichen
Eine mechanische Bursitis lässt sich meist gut von einer infizierten unterscheiden.
Bildgebung
Ultraschall: ideale Darstellung von Flüssigkeit, Verdickungen oder Einlagerungen
Röntgen: bei Verdacht auf knöcherne Veränderungen
MRT: bei chronischen oder komplexen Verläufen
Labor & Punktion
Bei Verdacht auf Infektion:
Blutbild, CRP
Punktion des Schleimbeutels zur Analyse & Bakterienkultur
Behandlung der Olecranon-Bursitis
Zielsetzung der Therapie
Schmerzen reduzieren
Entzündung hemmen
Ursache beseitigen
Beweglichkeit wiederherstellen
Rezidive verhindern
Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Dauer und Schweregrad der Beschwerden.
Konservative Behandlung (erste Wahl)
Schonung & Druckentlastung
kein Aufstützen auf harte Oberflächen
Polsterung des Arbeitsplatzes oder Unterarmlagerung
Vermeidung von Kontaktbelastungen
Schon wenige Wochen konsequenter Entlastung können eine erhebliche Verbesserung bewirken.
Kühlen
10–15 Minuten, zwei- bis dreimal täglich
reduziert Schwellung & akuten Schmerz
Medikamentöse Therapie (ärztlich gesteuert)
NSAR (z. B. Ibuprofen, Diclofenac)
Kortison-Injektion bei starker Entzündung – hoch wirksam, aber nicht zu häufig
Punktion
Bei ausgeprägter Flüssigkeitsansammlung kann durch Punktion der Druck erheblich reduziert werden. Dies geschieht meist unter sterilen Bedingungen beim Orthopäden.
Physiotherapie – zentraler Baustein der Behandlung
Die Physiotherapie ist ein entscheidender Faktor für eine nachhaltige Heilung, da sie nicht nur Symptome, sondern auch die Ursachen adressiert.
Manualtherapie
Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit
Entspannung überlasteter Strukturen
Behandlung von Verklebungen im Bereich des Schleimbeutels
Bewegungsanalyse
Der Therapeut identifiziert Bewegungsmuster, die zur Entzündung führen, z. B.:
mangelnde Schulterblattkontrolle
kompensatorische Bewegungen im Unterarm
Fehlhaltungen bei Arbeit oder Sport
Kräftigungstraining
Stärkung der Ellenbogenstrecker & -beuger
Stabilisierung des Oberarms und der Schulter
Kräftigung der Handgelenksmuskulatur zur Entlastung des Ellenbogens
Beweglichkeitstraining
Verbesserung der Flexibilität im gesamten Arm
Mobilisation der BWS und Schulter zur Entlastung des Ellenbogens
Neuromuskuläres Training
Ziel: bessere Bewegungssteuerung und geringere Überlastung.
Ergonomische Anpassungen
korrekte Tastaturhöhe
gepolsterte Armauflagen
Unterarmstützen
Wenn die Belastung im Alltag unverändert bleibt, kommt die Bursitis häufig wieder – ergo gehören Arbeitsplatzanpassungen zwingend zur Therapie.
Behandlung der septischen (infektiösen) Bursitis
Eine septische Bursitis ist ein medizinischer Notfall und wird behandelt mit:
Antibiotika
Ruhigstellung
Punktion / Drainage
ggf. stationärer Aufnahme
Ohne Therapie kann die Infektion auf Gelenke oder Knochen übergehen.
Wann ist eine Operation notwendig?
Operative Entfernung des Schleimbeutels (Bursektomie) wird erwogen, wenn:
Beschwerden trotz 8–12 Wochen Therapie bleiben
wiederkehrende Bursitiden auftreten
chronische Verdickungen den Alltag dauerhaft beeinträchtigen
eine infektiöse Bursitis nicht auf Antibiotika anspricht
In der Regel ist die Bursektomie minimalinvasiv und hat eine sehr gute Prognose.
Prognose der Olecranon-Bursitis
Die meisten aseptischen Olecranon-Bursitiden heilen innerhalb von:
2–4 Wochen bei frühzeitiger Behandlung
4–8 Wochen bei fortgeschrittener Entzündung
8–12 Wochen bei chronischem Verlauf
Wird die Ursache konsequent behoben und muskuläre Balance aufgebaut, ist die langfristige Prognose ausgezeichnet.
Fazit
Die Olecranon-Bursitis ist eine häufige, aber sehr gut behandelbare Entzündung des Schleimbeutels am Ellenbogen. Entscheidend ist, frühzeitig die richtige Diagnose zu stellen und die Belastungsfaktoren zu erkennen. Mit professioneller Physiotherapie, ergonomischer Optimierung und gezieltem Training lassen sich Beschwerden nachhaltig reduzieren und Rückfälle vermeiden. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen aseptischer und septischer Bursitis, da letztere sofortige medizinische Therapie erfordert.
Artikel geprüft von: Roman Welzk




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