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Paraplegie: Ursachen, Symptome, Leben mit Querschnittlähmung & moderne Rehabilitation


Was bedeutet Paraplegie?

Die Paraplegie, im deutschen Sprachgebrauch häufig als Querschnittlähmung der unteren Körperhälfte bezeichnet, entsteht durch eine Schädigung des Rückenmarks unterhalb des Halsbereichs. Betroffene verlieren teilweise oder vollständig die motorische Kontrolle und Sensibilität der Beine sowie Teile des Rumpfes. Je nach Höhe und Ausmaß der Verletzung unterscheiden sich Bewegungsfähigkeit, Organfunktionen und die Anforderungen an Therapie und Alltag.


Paraplegie ist nicht nur eine neurologische Diagnose – sie bedeutet eine tiefgreifende Veränderung des Lebens, der Identität, des Körpergefühls und der persönlichen Möglichkeiten. Dank moderner Medizin, Rehabilitation, Technologie und gesellschaftlicher Veränderungen haben heute jedoch viele Menschen mit Paraplegie die Chance auf ein selbstbestimmtes, aktives und erfülltes Leben.


Um zu verstehen, welche Wege der Rehabilitation und Teilhabe möglich sind, ist es entscheidend, die Grundlagen der Erkrankung zu kennen.






Wie entsteht eine Paraplegie?


Im Zentrum der Paraplegie steht eine Schädigung des Rückenmarks, die verhindert, dass Nervensignale zwischen Gehirn und Körper weitergeleitet werden. Wird die Leitfähigkeit unterbrochen, verlieren die unterhalb der Verletzung liegenden Körperbereiche ihre Steuerung und Wahrnehmung.

Die häufigsten Ursachen sind:


  • Traumatische Verletzungen durch Unfälle (z. B. Verkehrsunfälle, Stürze, Sportverletzungen)

  • Erkrankungen des Rückenmarks, etwa Tumoren, Entzündungen oder Durchblutungsstörungen

  • Infektionen, die das Rückenmark schädigen können

  • Angeborene Fehlbildungen, beispielsweise Spina bifida

  • Degenerative Veränderungen, die das Rückenmark einengen


Nicht die Wirbelverletzung selbst führt zur Lähmung, sondern der Schaden am Rückenmark, das in diesem knöchernen Kanal verläuft. Ob die Paraplegie vollständig oder unvollständig ist, hängt davon ab, ob noch Restverbindungen vorhanden sind. Viele Betroffene besitzen heute – dank intensiver Frührehabilitation – partielle sensorische oder motorische Funktionen, die sich therapeutisch nutzen lassen.



Die Bedeutung der Läsionshöhe: Warum der Ort der Verletzung alles verändert


Die Höhe der Rückenmarkverletzung bestimmt, welche Körperbereiche betroffen sind. Bei einer Paraplegie liegt die Läsion typischerweise zwischen Brustwirbelsäule (Th1) und Lendenwirbelsäule (L2). Je weiter oben die Schädigung, desto größer die Einschränkung.


  • Hohe Paraplegie (Th1–Th6): eingeschränkte Rumpfkontrolle, erschwerte Balance

  • Mittlere Paraplegie (Th7–Th12): deutlich bessere Rumpfstabilität, effizientere Transfers

  • Tiefe Paraplegie (L1–L2): Restfunktionen in Hüftbeugern möglich, zum Teil Stehversuche oder Gehhilfen einsetzbar


Diese Unterschiede prägen nicht nur den Alltag, sondern bestimmen auch Ziele der Therapie, Wahl des Rollstuhls und die Perspektiven für Mobilität.



Motorische und sensorische Veränderungen: Wie fühlt sich Paraplegie an?


Die unmittelbare Folge der Rückenmarkverletzung ist ein Verlust der willkürlichen Kontrolle der Beine. Viele Betroffene erleben zusätzlich eine veränderte oder völlig aufgehobene Wahrnehmung in den Regionen unterhalb der Läsion. Das bedeutet jedoch nicht, dass kein „Gefühl“ mehr da ist – häufig treten Neuropathien, Missempfindungen, Phantomgefühle oder spastische Spannungen auf.


Diese Empfindungen sind oft schwer zu beschreiben, aber für die Therapie hoch relevant, da sie Rückschlüsse auf Restfunktionen erlauben und den Alltag beeinflussen. Ein Beispiel dafür ist die Spastik: Sie kann einerseits als Störfaktor erlebt werden, andererseits aber auch funktionell genutzt werden – etwa beim Stehen oder Umsetzen.



Organfunktionen bei Paraplegie: Warum die Lähmung nicht an den Beinen endet


Das Rückenmark steuert weit mehr als nur Bewegung. Entsprechend beeinflusst eine Paraplegie zahlreiche Körperfunktionen:


  • Blasen- und Darmfunktion verändern sich und benötigen Training sowie Hilfsmittel

  • Sexualfunktion bleibt häufig erhalten, verändert sich aber in Intensität & Steuerung

  • Kreislaufregulation kann instabil werden, etwa durch Anpassungsstörungen des Blutdrucks

  • Temperaturregulation kann eingeschränkt sein, da Schwitzen teilweise ausfällt

  • Hautempfindung ist verändert, wodurch Druckstellen leichter entstehen


Die moderne Rehabilitation begleitet diese körperlichen Veränderungen umfassend – nicht nur medizinisch, sondern auch psychosozial.



Rehabilitation: Wie Menschen mit Paraplegie Kraft, Selbstständigkeit und Lebensqualität aufbauen



Rehabilitation ist kein starrer Prozess – sie ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung, die mit der akuten Behandlung beginnt und oft lebenslang fortgeführt wird. Sie umfasst frühe Mobilisation, kraftaufbauende Therapie, Alltagstraining, psychologische Unterstützung und technologische Anpassungen.


Rumpfstabilität als Fundament

Da die Beine nicht mehr belastbar sind, wird die Muskulatur des Oberkörpers und des Rumpfs zur Hauptquelle der Mobilität. Ein gut trainierter Rumpf ermöglicht:


  • kontrolliertes Sitzen

  • effiziente Transfers

  • höhere Ausdauer im Rollstuhl

  • Verletzungsprävention der Schultern


Rollstuhltraining & Mobilität

Ein zentraler Bestandteil ist die individuelle Rollstuhlversorgung. Der Rollstuhl ist nicht nur ein Hilfsmittel – er ist Mobilität, Freiheit und Identität. Moderne Modelle ermöglichen aktive Fortbewegung, Sport, Outdoor-Aktivitäten und Teilhabe in nahezu allen Lebensbereichen.


Wichtig sind:


  • passgenaue Einstellungen

  • kräftesparende Antriebstechniken

  • sichere Transfer- und Sturzstrategien


Hilfsmittel & Robotik

Exoskelette, funktionelle Elektrostimulation und computerassistierte Systeme schaffen neue Perspektiven – nicht zwingend als Ersatz für den Rollstuhl, sondern zur Gesundheitserhaltung, Aufrichtung und Verbesserung der Lebensqualität.


Sport & Aktivität

Vom Rollstuhlbasketball über Schwimmen bis Paracycling – Sport stärkt:


  • Muskulatur

  • Selbstwahrnehmung

  • Ausdauer

  • soziale Integration



Psychosoziale Bedeutung: Paraplegie verändert, aber definiert nicht


Viele Betroffene durchlaufen Phasen des Schocks, der Trauer und des Neubeginns. Der Verlust körperlicher Funktionen bedeutet auch einen Neuaufbau von Identität und Selbstbild.

Moderne Rehabilitation versteht Paraplegie daher nicht nur als körperliche Herausforderung, sondern als biografische Wende, bei der Selbstwirksamkeit, Autonomie und Lebensfreude schrittweise wieder aufgebaut werden – individuell, ressourcenorientiert und begleitet.



Komplikationen & Prävention: Worauf Betroffene achten müssen


Eine gut geführte Rehabilitation reduziert Risiken deutlich, doch zentrale Herausforderungen bleiben:


  • Druckstellen (Dekubitus) durch fehlende Sensibilität → regelmäßiges Entlasten

  • Schulterüberlastungen durch Transfers und Rollstuhl → Krafttraining & Technik

  • Harnwegsinfekte → Blasenmanagement & Hygiene

  • Knochenabbau (Osteoporose) → Bewegung & Belastungsreize erforderlich

  • Kreislaufinstabilität → Ernährung, Flüssigkeit, Kompression, Training


Jede dieser Herausforderungen kann therapeutisch begleitet und aktiv beeinflusst werden.



Fazit: Paraplegie bedeutet Veränderung – nicht Stillstand


Paraplegie entsteht durch eine Schädigung des Rückenmarks, führt zu motorischen und sensorischen Einschränkungen der unteren Körperhälfte und verändert zahlreiche Organfunktionen. Doch moderne Versorgung, Rehabilitation, Training, Assistenzsysteme und soziale Teilhabe ermöglichen heute ein aktives, abwechslungsreiches und eigenständiges Leben.


Der Schlüssel liegt im Zusammenspiel von:


  • medizinischer Versorgung

  • zielgerichteter Physiotherapie

  • Hilfsmitteltechnologie

  • persönlicher Anpassung und Resilienz

  • gesellschaftlicher Barrierefreiheit


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Artikel geprüft von: Roman Welzk




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