Präpatellare und Pes-anserinus-Bursitis des Knies: Ursachen, Symptome, Diagnose & Behandlung
- Roman Welzk | Gründer mein-physio.info

- 30. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Was ist eine präpatellare und eine Pes-anserinus-Bursitis?
Die präpatellare Bursitis und die Pes-anserinus-Bursitis gehören zu den häufigsten Schleimbeutelentzündungen im Bereich des Knies. Obwohl beide Formen im selben Gelenkbereich auftreten, unterscheiden sie sich deutlich in Ursache, Schmerzlokalisation und therapeutischem Ansatz. Die präpatellare Bursitis betrifft den Schleimbeutel direkt vor der Kniescheibe, während die Pes-anserinus-Bursitis an der Innenseite des Knies entsteht, dort wo die Sehnen von Sartorius, Gracilis und Semitendinosus zusammentreffen.
Patient:innen berichten häufig über stechende, drückende oder ziehende Schmerzen, die bei bestimmten Bewegungen wie Knien, Treppensteigen oder schnellem Gehen zunehmen. Beide Bursitiden können akut auftreten, sich aber auch zu chronischen, langwierigen Beschwerdebildern entwickeln, wenn biomechanische Belastungsfaktoren nicht korrigiert werden. Besonders Menschen, die oft knien, lange Spaziergänge machen oder an Achsabweichungen wie X-Beinen leiden, sind anfällig.
Wie entstehen diese beiden Formen der Knie-Bursitis?
Die präpatellare Bursitis entsteht meist durch direkten Druck auf den Schleimbeutel, etwa beim häufigen Knien auf harten Böden (z. B. Handwerker:innen, Gärtner:innen) oder nach einem Stoß gegen die Kniescheibe. Der Schleimbeutel reagiert auf diese wiederholte Reizung mit Flüssigkeitsansammlung und Entzündung. Bei einer chronischen Belastung kann der Schleimbeutel verdickt und dauerhaft empfindlich werden, was selbst leichte Bewegungen schmerzhaft macht.
Im Gegensatz dazu entwickelt sich die Pes-anserinus-Bursitis eher durch Überlastung der Sehnen, muskuläre Dysbalancen oder Fehlstellungen der Beinachse. Wenn die Oberschenkel- und Hüftmuskulatur nicht optimal zusammenarbeitet, erhöht sich der Zug auf die Sehnenansätze an der Innenseite des Knies. Die ständige Reibung führt zu einer Reizung der tief liegenden Bursa, die sich entzündet und Schmerzen verursacht. Auch Übergewicht, Laufsport oder arthrotische Veränderungen können eine solche Belastung verstärken.
Typische Symptome der präpatellaren und Pes-anserinus-Bursitis
Beide Bursitiden äußern sich mit deutlichen, lokalisierten Schmerzen, die sich je nach Belastung oder Haltung verändern. Bei der präpatellaren Bursitis steht oft eine sichtbare, pralle Schwellung vor der Kniescheibe im Vordergrund. Patient:innen berichten von einem Gefühl der Instabilität, besonders wenn sie knien oder den vorderen Kniebereich berühren. Jede direkte Druckeinwirkung verstärkt die Beschwerden, während einfache Bewegungen wie Beugen und Strecken nur leicht eingeschränkt sein können.
Die Pes-anserinus-Bursitis fühlt sich dagegen ganz anders an: Der Schmerz sitzt tief an der Innenseite des Knies, häufig knapp unterhalb des Gelenkspalts. Er verstärkt sich beim Treppensteigen, beim schnellen Gehen oder beim Aufstehen aus dem Sitzen. Manche Betroffene beschreiben einen ziehenden Schmerz entlang des inneren Schienbeins oder ein Verspannungsgefühl, das bis in die Oberschenkelrückseite ausstrahlen kann. Auch nächtliche Beschwerden sind typisch, besonders wenn das Bein angewinkelt liegt.
Wie wird eine Knie-Bursitis diagnostiziert?
Die Diagnose basiert überwiegend auf einer sorgfältigen klinischen Untersuchung. Entscheidend ist die genaue Lokalisation des Schmerzes sowie das Verhalten der Beschwerden in typischen Alltagssituationen. Bei der präpatellaren Form verrät die deutliche Schwellung oft schon auf den ersten Blick, worum es sich handelt. Der Befund ist meist weich, elastisch und klar abgrenzbar. Druck vor der Patella löst sofort Schmerz aus.
Bei der Pes-anserinus-Bursitis ist die Diagnose subtiler – hier hängt viel von der Erfahrung der untersuchenden Person ab. Der Schmerz lässt sich meist gezielt durch Palpation der Innenseite des Knies auslösen. Zusätzlich wird geprüft, ob eine eingeschränkte Hüftstabilität oder muskuläre Dysbalancen bestehen, da diese häufig am Ursprung der Beschwerden stehen.
Bildgebende Verfahren unterstützen die Diagnose, wenn der klinische Befund unklar ist oder zusätzliche Strukturen betroffen sein könnten. Der Ultraschall eignet sich hervorragend, um Flüssigkeitsansammlungen oder Veränderungen des Schleimbeutels sichtbar zu machen. Das MRT wird eingesetzt, wenn Verdacht auf Sehnenbeteiligung, Meniskusprobleme oder tiefer liegende Entzündungen besteht.
Behandlung der präpatellaren und Pes-anserinus-Bursitis
Die Behandlung beider Erkrankungen ist grundsätzlich konservativ orientiert und baut auf einer Kombination aus Belastungssteuerung, Schmerzreduktion und aktiver Rehabilitation auf. Da die Ursachen sehr unterschiedlich sein können, ist eine differenzierte, individuell angepasste Therapie entscheidend.
Schmerzlinderung & Belastungsreduktion
In der akuten Phase steht die Entlastung ganz klar im Vordergrund. Bei der präpatellaren Bursitis bedeutet das vor allem: nicht knien, keine direkten Druckbelastungen und das Meiden von Situationen, in denen der Schleimbeutel komprimiert wird. Bei Pes-anserinus-Beschwerden ist es vor allem wichtig, wiederholte Belastungen wie schnelles Treppensteigen oder intensives Bergaufgehen zu reduzieren. Kühlung kann in beiden Fällen akute Beschwerden lindern.
Physiotherapie – der Schlüssel zur nachhaltigen Verbesserung
Die physiotherapeutische Behandlung spielt die zentrale Rolle, da sie sowohl die biomechanischen Ursachen korrigiert als auch muskuläre Dysbalancen behebt. Bei der präpatellaren Bursitis umfasst dies vor allem Techniken zur Entspannung der vorderen Oberschenkelmuskulatur, Mobilisation der Kniescheibe und Reduktion von Verklebungen im Schleimbeutelbereich. Ergänzend dazu wird die Beinachse im Stand und bei Bewegung analysiert, um Fehlbelastungen zu identifizieren.
Die Pes-anserinus-Bursitis profitiert besonders von einer gezielten Kräftigung der Hüftmuskulatur, da diese entscheidend dazu beiträgt, wie stabil das Knie im Alltag geführt wird. Übungen zur Kräftigung der Abduktoren, zur Verbesserung der Beckenstabilität und zur Aktivierung der ischiocruralen Muskulatur stehen hier im Mittelpunkt. Ergänzend werden Dehnungen eingesetzt, um verkürzte Strukturen wie Adduktoren oder Oberschenkelrückseite zu entlasten. Durch manuelle Techniken lassen sich zudem Spannungen in den tiefen Strukturen der Knieinnenseite reduzieren.
Injektionen & medizinische Maßnahmen
Wenn die Schmerzen trotz Therapie bestehen bleiben, kann eine Cortison-Injektion kurzfristig deutliche Linderung bringen. Dies sollte jedoch gezielt und sparsam eingesetzt werden, da eine zu häufige Anwendung die Sehnenqualität beeinträchtigen kann. In besonders hartnäckigen Fällen wird auch PRP (Platelet Rich Plasma) als regenerative Therapie eingesetzt, insbesondere wenn Sehnenreizungen beteiligt sind.
Ergonomische Anpassungen und Alltagstipps
Entscheidend für den langfristigen Erfolg ist es, den Alltag so zu gestalten, dass der Schleimbeutel geschont und die Bewegungsqualität verbessert wird. Bei präpatellaren Beschwerden helfen Knieschoner, gepolsterte Unterlagen oder alternative Positionen im Beruf. Bei Pes-anserinus-Beschwerden ist es sinnvoll, Schuhwerk und Lauftechnik zu überprüfen sowie Beinachsenstabilität in alltäglichen Bewegungen zu fördern.
Prognose der Knie-Bursitis
Mit konsequenter Therapie haben beide Formen eine sehr gute Prognose. Viele Patient:innen berichten bereits nach wenigen Wochen über deutliche Verbesserungen, insbesondere wenn Belastungen reduziert und muskuläre Defizite gezielt aufgearbeitet werden. Chronische oder rezidivierende Beschwerden entstehen meist dann, wenn die zugrunde liegenden biomechanischen Faktoren nicht berücksichtigt werden. Eine gute Anleitung durch Physiotherapie und das konsequente Einbauen neuer Bewegungsgewohnheiten sind daher entscheidend.
Artikel geprüft von: Roman Welzk




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