Retrocalcaneare Bursitis der Ferse: Ursachen, Symptome, Diagnose & Behandlung
- Roman Welzk | Gründer mein-physio.info

- 30. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 31. Dez. 2025
Was ist eine retrocalcaneare Bursitis?
Die retrocalcaneare Bursitis ist eine Entzündung des Schleimbeutels, der sich zwischen der Achillessehne und der Rückseite des Fersenknochens (Calcaneus) befindet. Dieser Schleimbeutel wirkt normalerweise wie ein stoßdämpfendes Polster, das Reibung vermindert und die Sehne vor Druck schützt. Wenn die Belastung in diesem Bereich jedoch zu groß wird – sei es durch Überlastung, ungünstige Fußbiomechanik oder strukturelle Besonderheiten – entzündet sich die Bursa, schwillt an und verursacht Schmerzen im hinteren Fersenbereich.
Was diese Bursitisform besonders macht, ist die enge funktionelle Verbindung zur Achillessehne. Viele Patient:innen erleben nicht nur lokale Beschwerden an der Ferse, sondern auch begleitende Reizzustände der Achillessehne, was das Beschwerdebild komplexer und die Behandlung anspruchsvoller macht. Die retrocalcaneare Bursitis tritt bei Sportler:innen ebenso häufig auf wie bei Menschen mit langen Stehbelastungen oder ungünstigem Schuhwerk.
Wie entsteht eine retrocalcaneare Bursitis?
Die Entstehung dieser Bursitis ist fast immer multifaktoriell. Oft beginnt sie mit einer wiederholten mechanischen Überlastung im Übergangsbereich zwischen Achillessehne und Ferse. Dieser Bereich ist naturgemäß hohen Zug- und Druckkräften ausgesetzt, insbesondere beim Gehen, Laufen und Springen. Wenn die Belastung jedoch die Belastbarkeit des Gewebes übersteigt, kommt es zu einer mikroskopisch kleinen Reizung, die sich über Wochen oder Monate zu einer ausgeprägten Entzündung entwickeln kann.
Ein entscheidender Einflussfaktor ist die Fuß- und Beinachsbiomechanik. Menschen mit überproniertem Fußgewölbe, eingeschränkter Sprunggelenksbeweglichkeit oder Achillessehnenverkürzung haben ein deutlich erhöhtes Risiko, da die Sehne bei jedem Schritt stärker an den Schleimbeutel gedrückt wird. Auch strukturelle Veränderungen wie die sogenannte Haglund-Deformität – ein knöcherner Vorsprung an der Rückseite des Fersenbeins – können den Schleimbeutel direkt reizen.
Neben diesen biomechanischen Belastungen tragen auch trainingsbedingte Fehler zur Entstehung bei. Zu schnelle Steigerung von Laufumfängen, hartes Gelände, ungeeignetes Schuhwerk oder häufige Sprints erhöhen die Kraftspitzen an der Achillessehne. Ebenso können muskuläre Dysbalancen in der Wade oder Hüfte, Verkürzungen im Wadenmuskelkomplex sowie mangelnde Rumpfstabilität langfristig eine Überlastung im Fersenbereich fördern.
Welche Symptome treten bei einer retrocalcanearen Bursitis auf?
Das typische Leitsymptom ist ein stechender oder drückender Schmerz tief im hinteren Fersenbereich. Viele Patient:innen berichten, dass sie den Schmerz nicht direkt an der Hautoberfläche, sondern etwas „tiefer drinnen“ wahrnehmen – genau dort, wo der Schleimbeutel sitzt. Der Schmerz tritt bei Druck auf die Achillessehnenbasis oder den Fersenansatz besonders deutlich hervor.
Im Alltag zeigt sich die Bursitis vor allem beim Gehen bergauf, beim Treppensteigen, beim Anlaufen oder bei allen Bewegungen, bei denen die Achillessehne stark gedehnt wird. Häufig empfinden Betroffene die ersten Schritte am Morgen als besonders schmerzhaft. Im Verlauf kommt es oft zu einer sichtbaren Schwellung der hinteren Ferse, die sich warm anfühlen kann und das Tragen fester Schuhe unangenehm oder sogar unmöglich macht.
Wenn zusätzlich die Achillessehne gereizt ist, berichten viele Patient:innen über ein Ziehen entlang der Sehne, Morgensteifigkeit und reduzierte Belastbarkeit. Wird dieses Zusammenspiel nicht früh erkannt, können beide Strukturen – Bursa und Sehne – chronisch reagieren und den Heilungsprozess erheblich verlängern.
Wie wird eine retrocalcaneare Bursitis diagnostiziert?
Die Diagnostik beginnt wie immer mit einer gründlichen Anamnese. Entscheidend sind die Fragen nach typischen Belastungen, Trainingsgewohnheiten, Schuhwerk, früheren Knöchelverletzungen und der zeitlichen Entwicklung der Schmerzen. Die klinische Untersuchung konzentriert sich auf den Druckschmerz am Übergang der Achillessehne zum Fersenbein sowie auf Schwellungen oder Rötungen im betroffenen Bereich.
Eine wichtige Rolle spielt die funktionelle Analyse: Der Therapeut beobachtet Gangbild, Fußstellung, Beinachse und Beweglichkeit. Eine übermäßige Pronation oder eingeschränkte Dorsalextension des Sprunggelenks sind häufige Hinweise auf biomechanische Störungen, die die Bursa belasten.
Bildgebung unterstützt die Diagnose, insbesondere wenn die Beschwerden länger bestehen. Der Ultraschall kann entzündliche Flüssigkeitsansammlungen im Schleimbeutel zeigen und Veränderungen an der Achillessehne sichtbar machen. Ein MRT wird eingesetzt, wenn der Verdacht auf strukturelle Schäden oder eine Haglund-Deformität besteht. Entzündungswerte im Blut sind nur bei vermutetem infektiösem Prozess relevant.
Moderne Behandlung der retrocalcanearen Bursitis
Die Behandlung ist dann erfolgreich, wenn sie nicht nur die akute Entzündung reduziert, sondern auch die biomechanischen Ursachen korrigiert, die zur Überlastung geführt haben. Dabei spielen Belastungssteuerung, Physiotherapie und gezielte Übungen eine zentrale Rolle.
Belastungsanpassung und Schmerzkontrolle
In der akuten Phase sollten Betroffene alle Aktivitäten reduzieren, die den Druck auf den Schleimbeutel erhöhen – dazu gehören intensives Laufen, Sprünge, Steigungen und enge Schuhe. Kühlen kann Schmerz und Schwellung reduzieren, während weiche Schuhpolster oder Fersenerhöhungen vorübergehend entlasten. Diese Maßnahmen sind jedoch symptomorientiert und ersetzen keine aktive Rehabilitation.
Physiotherapie als zentraler Therapiebaustein
Die Physiotherapie widmet sich sowohl den Symptomen als auch den Ursachen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Wadenmuskelflexibilität: Verkürzte Strukturen erhöhen den Zug auf die Bursa und müssen schrittweise gedehnt werden, ohne die Sehne zu überlasten. Auch die Mobilität des Sprunggelenks wird verbessert, um die Druckkräfte im Fersenbereich zu reduzieren.
Parallel dazu wird die Kraft der Wadenmuskulatur und der Hüftstabilisatoren aufgebaut. Eine stabile Beinachse entlastet nachhaltig den Achillessehnenansatz. Besonders exzentrische Übungen für die Wadenmuskulatur haben sich bewährt, da sie sowohl Reizzustände in der Achillessehne verbessern als auch den Druck auf den Schleimbeutel normalisieren. Der Therapeut analysiert außerdem das Gangbild und korrigiert fehlerhafte Bewegungsmuster, die zu einer Fehlbelastung der Ferse führen.
In vielen Fällen werden manuelle Techniken eingesetzt, um fasziale Spannungen in Wade, Achillessehne und Fußsohle zu lösen. Dies unterstützt die Beweglichkeit und verbessert die Belastungsverteilung im gesamten Unterschenkel.
Schuhanpassungen und Einlagen
Passendes Schuhwerk ist ein zentraler Faktor in der Therapie. Schuhe mit harter Fersenkappe, steifer Hinterkappe oder unpassender Form können die Bursa direkt reizen. Einlagen helfen, wenn die Fußstatik korrigiert werden muss, insbesondere bei ausgeprägter Überpronation. Fersenerhöhungen oder weiche Polster im Rückfußbereich dienen als entlastende Übergangslösung.
Medizinische Interventionen
Bei stärkeren Entzündungen oder langanhaltenden Beschwerden können Cortison-Injektionen kurzfristig gute Ergebnisse liefern, sollten jedoch zurückhaltend eingesetzt werden, da sie die Sehnenqualität beeinträchtigen können. In fortgeschrittenen Fällen oder bei nachgewiesener Haglund-Deformität kann eine operative Korrektur notwendig sein. Dies ist jedoch nur in seltenen Fällen erforderlich.
Langfristige Prognose
Die retrocalcaneare Bursitis heilt in vielen Fällen innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten vollständig aus, sofern die Belastungen angepasst und die biomechanischen Faktoren konsequent korrigiert werden. Sportler:innen können meist nach 6–12 Wochen wieder ins Training einsteigen, abhängig von der Intensität und der Dauer der Beschwerden. Bei chronischen Verläufen oder gleichzeitig bestehender Achillessehnen-Tendinopathie kann die Heilung länger dauern, jedoch ist auch hier eine vollständige Wiederherstellung möglich.
Der Schlüssel liegt in einer gut strukturierten physiotherapeutischen Behandlung, konsequenter Umsetzung der Übungen und einer schrittweisen Rückkehr zu sportlicher oder beruflicher Belastung.
Artikel geprüft von: Roman Welzk




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