Sollte man ein Baby pucken? - Risiken, Vorteile und wissenschaftliche Einordnung
- Roman Welzk | Gründer mein-physio.info

- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit
Das Pucken von Babys erlebt seit einigen Jahren eine starke Renaissance. Viele Eltern berichten davon, dass ihr Baby durch das Pucken ruhiger schläft, weniger schreit und sich schneller beruhigt. Gleichzeitig warnen Fachstellen vor möglichen Risiken. Das führt zu Verunsicherung und zur berechtigten Frage: Sollte man ein Baby pucken – oder ist es gefährlich?
Was bedeutet Pucken eigentlich?
Pucken beschreibt das feste Einwickeln eines Neugeborenen in ein Tuch, sodass Arme und teilweise auch Beine eng am Körper anliegen. Ziel ist es, dem Baby ein Gefühl von Begrenzung, Sicherheit und Geborgenheit zu geben – ähnlich wie im Mutterleib.
Das Pucken ist keine moderne Erfindung. In vielen Kulturen wurde und wird es seit Jahrhunderten praktiziert. Neu ist vor allem die intensive Diskussion über Sicherheit, Dauer und korrekte Anwendung.
Warum wirkt Pucken beruhigend auf viele Babys?
Erinnerung an die Zeit im Mutterleib
Neugeborene kommen aus einer Umgebung, die:
eng
warm
gleichmäßig begrenzend
bewegungsarm
war. Nach der Geburt prasseln plötzlich Reize auf sie ein: Licht, Geräusche, freie Bewegung. Das Nervensystem ist noch unreif und schnell überfordert. Das Pucken kann helfen, diesen Übergang sanfter zu gestalten.
Reduktion des Moro-Reflexes
Ein zentraler Grund für die beruhigende Wirkung ist der sogenannte Moro-Reflex. Dieser angeborene Schreckreflex lässt Babys plötzlich die Arme ausbreiten, als würden sie fallen. Viele Babys wachen dadurch auf oder schrecken aus dem Schlaf.
Durch das Pucken werden die Arme sanft fixiert, der Reflex abgeschwächt – das Baby bleibt ruhiger und schläft oft länger.
Welche Vorteile kann Pucken haben?
Besserer Schlaf bei Neugeborenen
Viele Studien und Erfahrungsberichte zeigen:
längere Schlafphasen
weniger nächtliches Aufschrecken
schnelleres Einschlafen
Besonders in den ersten Lebenswochen kann das Pucken dem Baby helfen, einen ruhigeren Schlafrhythmus zu entwickeln.
Beruhigung bei Unruhe und exzessivem Schreien
Manche Babys reagieren extrem sensibel auf Reize. Pucken kann diesen Kindern helfen, sich besser zu regulieren. Es ersetzt keine Ursachenklärung, kann aber akut entlasten.
Mehr Sicherheit für Eltern
Ein ruhigeres Baby bedeutet oft auch:
weniger Stress
mehr Selbstvertrauen
entspanntere Eltern-Kind-Interaktion
Dieser Effekt ist nicht zu unterschätzen, denn elterliche Ruhe überträgt sich auf das Kind.
Welche Risiken birgt das Pucken?
So hilfreich Pucken sein kann – es ist kein harmloser Alleskönner. Unsachgemäß angewendet oder zu lange durchgeführt, kann es Risiken bergen.
Erhöhtes Risiko bei falscher Schlafposition
Ein gepucktes Baby darf ausschließlich in Rückenlage schlafen. In Bauchlage kann das Pucken das Risiko für Atemprobleme und den plötzlichen Kindstod erhöhen.
Einschränkung der Hüftentwicklung
Ein häufig diskutiertes Risiko betrifft die Hüftgesundheit. Werden die Beine beim Pucken zu eng gestreckt und fixiert, kann dies die natürliche Hüftreifung beeinträchtigen.
Wichtig: 👉 Die Beine müssen sich beugen und spreizen können. Moderne Pucktücher berücksichtigen diesen Aspekt – klassisches, strammes Einwickeln oft nicht.
Überhitzung
Neugeborene können ihre Körpertemperatur nur eingeschränkt regulieren. Zu dicke Tücher, zu warme Kleidung oder ein warmer Raum können schnell zu Überhitzung führen.
Abhängigkeit vom Pucken
Einige Babys gewöhnen sich stark an das Pucken. Wird es abrupt beendet, kann es zu Schlafproblemen kommen. Deshalb ist ein sanftes Ausschleichen wichtig.
Für welche Babys ist Pucken sinnvoll?
Pucken kann sinnvoll sein bei:
Neugeborenen in den ersten Lebenswochen
Babys mit starkem Moro-Reflex
sehr unruhigen, reizempfindlichen Kindern
Frühgeborenen (nach Rücksprache mit Fachpersonal)
Nicht geeignet ist Pucken für:
Babys, die sich aktiv drehen können
Kinder, die sich deutlich dagegen wehren
Babys mit bestimmten orthopädischen Problemen (ohne ärztliche Rücksprache)
Wie lange darf man ein Baby pucken?
Die meisten Fachstellen empfehlen:
Pucken nur in den ersten 6–8 Lebenswochen
spätestens beenden, wenn das Baby beginnt, sich zu drehen
Das Pucken sollte kein Dauerzustand, sondern eine Übergangshilfe sein.
Richtig pucken – worauf Eltern achten sollten
nur speziell entwickelte Pucktücher verwenden
auf freie Beinbeweglichkeit achten
keine zusätzlichen Decken
Raumtemperatur im Blick behalten
Baby niemals unbeaufsichtigt in Bauchlage pucken
Wenn dein Baby sich sichtbar unwohl fühlt oder stark dagegen ankämpft, ist das ein klares Zeichen, das Pucken zu beenden.
Wissenschaftliche Einschätzung: Ja, aber mit Maß
Die aktuelle Studienlage zeigt: Pucken kann kurzfristig positive Effekte auf Schlaf und Beruhigung haben, birgt jedoch Risiken, wenn es falsch angewendet wird. Fachgesellschaften empfehlen daher einen differenzierten, informierten Einsatz.
Fazit: Sollte man ein Baby pucken?
Pucken kann für manche Babys in den ersten Lebenswochen eine wertvolle Unterstützung sein – wenn es richtig, zeitlich begrenzt und achtsam durchgeführt wird. Es ist weder zwingend notwendig noch grundsätzlich gefährlich. Entscheidend ist, das Baby individuell zu beobachten und seine Signale ernst zu nehmen.
Nicht jedes Baby profitiert vom Pucken – und das ist völlig in Ordnung. Nähe, Körperkontakt, Tragen und ruhige Rituale sind ebenso wirksam und oft nachhaltiger.
Artikel geprüft von: Roman Welzk




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