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Trochanterische Bursitis (GTPS): Ursachen, Symptome, Diagnose und moderne Behandlung


Was ist eine trochanterische Bursitis?

Die trochanterische Bursitis, heute häufig unter dem umfassenderen Begriff Greater Trochanteric Pain Syndrome (GTPS) geführt, beschreibt eine Entzündung oder Reizung der Schleimbeutel sowie der umliegenden Sehnenstrukturen im Bereich des großen Rollhügels der Hüfte. Betroffene spüren häufig ein stechendes oder brennendes Schmerzgefühl an der Außenseite der Hüfte, das sich besonders beim Gehen, Treppensteigen oder beim Liegen auf der betroffenen Seite verstärkt. Anders als früher angenommen, ist die reine Schleimbeutelentzündung oft nicht der alleinige Auslöser. In vielen Fällen bestehen gleichzeitig Reizungen oder Teilverletzungen der Gluteus-medius- oder Gluteus-minimus-Sehne, wodurch ein komplexes Beschwerdebild entsteht.


Der Schmerz wird häufig als tief, ziehend und ausstrahlend beschrieben und kann bis in den seitlichen Oberschenkel reichen. Viele Patient:innen berichten, dass besonders das nächtliche Liegen auf der betroffenen Seite kaum möglich ist und Alltagsbewegungen zunehmend schmerzhaft werden.






Wie entsteht eine trochanterische Bursitis?

Die Entzündung im Bereich des Trochanters entsteht meist durch eine Kombination aus mechanischer Überlastung, muskulärer Dysbalance und strukturellen Veränderungen der umliegenden Sehnen. Wenn das Becken beim Gehen oder Stehen nicht stabil geführt wird, kommt es zu erhöhtem Druck und Scherkräften auf den Schleimbeutel und die Sehnenansätze. Besonders häufig betroffen sind Menschen, die sehr viel sitzen, lange stehen oder einseitige Belastungen im Alltag haben. Auch langjähriges Joggen, Bergwandern oder Sportarten mit vielen seitlichen Bewegungen können zu einer chronischen Reizung führen.


Eine wichtige Rolle spielt zudem die Bewegungskontrolle der Hüfte: Wenn die stabilisierenden Glutealmuskeln geschwächt sind, kippt das Becken bei jedem Schritt leicht zur Seite. Dadurch wird der Trochanter stärker gegen die umliegenden Strukturen gedrückt, was langfristig zu einer Reizung der Bursa führt. Bei Frauen tritt GTPS statistisch häufiger auf, was unter anderem mit Beckenform und veränderten Belastungswinkeln zusammenhängt. Ebenso begünstigen hormonelle Veränderungen, Übergewicht oder eine erhöhte Beinachseninstabilität die Entstehung einer Bursitis.


Typische Symptome einer trochanterischen Bursitis

Der charakteristische Schmerzpunkt befindet sich direkt über dem großen Rollhügel der Hüfte. Viele Patient:innen beschreiben ein seitliches Stechen, das sich vor allem beim Gehen, beim seitlichen Abspreizen des Beins oder beim schnellen Hüftstrecken verstärkt. Besonders typisch ist jedoch der nächtliche Schmerz in Seitenlage – selbst das Liegen auf der gesunden Seite kann Beschwerden auslösen, da das betroffene Bein nach unten gezogen wird.


Zu den häufigsten Begleiterscheinungen gehören eine zunehmende Steifigkeit beim Aufstehen nach längerem Sitzen, diffuse Ausstrahlungsschmerzen entlang des seitlichen Oberschenkels sowie Schwächegefühle bei seitlichen Bewegungen. Oft entsteht im Verlauf ein Schonverhalten, das wiederum zu Verspannungen im Gesäß, im unteren Rücken und in der Oberschenkelmuskulatur führt. Dadurch verstärkt sich der Schmerz weiter und es entsteht ein Teufelskreis aus Reizung und Fehlbelastung.


Wie wird eine trochanterische Bursitis diagnostiziert?

Die Diagnose basiert vor allem auf einer präzisen klinischen Untersuchung. Entscheidend ist die genaue Lokalisierung des Schmerzes sowie die Provokation bestimmter Bewegungen. Wird der Schmerz durch Druck direkt über dem Trochanter ausgelöst oder verstärkt sich beim Abduzieren des Beins gegen Widerstand, deutet dies deutlich auf GTPS hin. Eine sorgfältige Ganganalyse liefert zusätzliche Hinweise: Häufig zeigt sich ein leichtes „Wegkippen“ des Beckens, eine seitliche Ausweichbewegung oder ein verkürzter Schrittzyklus.


Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT werden eingesetzt, wenn die Beschwerden länger bestehen oder der Verdacht auf Sehnenschäden besteht. Der Ultraschall zeigt häufig eine verdickte Bursa oder entzündliche Veränderungen der Glutealsehnen. Das MRT eignet sich besonders zur Darstellung struktureller Sehnenveränderungen, wie tendinopathische Veränderungen oder Teilrupturen. Laborwerte sind nur bei Verdacht auf systemische oder entzündliche Erkrankungen relevant.


Moderne Behandlung der trochanterischen Bursitis

Die Behandlung zielt darauf ab, Schmerzen zu reduzieren, die Reizung zu beruhigen und die biomechanischen Ursachen nachhaltig zu korrigieren. Im Mittelpunkt steht eine Kombination aus Belastungssteuerung, gezieltem Training und verbesserter Bewegungskontrolle.


Belastungsmanagement & Schmerzreduktion

In der frühen Phase ist es wichtig, reizende Bewegungen deutlich zu reduzieren – dazu gehört vor allem das Liegen auf der betroffenen Seite, langes Gehen auf unebenem Gelände oder wiederholtes Treppensteigen. Kurzzeitiges Kühlen kann Schmerzen lindern, während Wärmeanwendungen in späteren Phasen helfen, Muskelverspannungen zu lösen. Auch kleine Anpassungen wie weiche Matratzenauflagen, ein Kissen zwischen den Knien oder ergonomische Stehpositionen können die Beschwerden deutlich mindern.


Physiotherapie als Kern der Behandlung

Die Physiotherapie ist der wichtigste therapeutische Bestandteil, weil sie direkt am Ursprung der Belastungsprobleme ansetzt. Zu Beginn stehen sanfte Dehn- und Mobilisationstechniken für Hüfte, Lendenwirbelsäule und umliegende Strukturen im Vordergrund. Besonders wichtig ist die Mobilität des Iliotibialbandes und der lateralen Oberschenkelstrukturen, da diese den Druck auf den Trochanter erhöhen können.


Mit zunehmender Schmerzfreiheit beginnt der gezielte Aufbau der Gluteus-medianus- und Gluteus-minimus-Muskulatur, die eine zentrale Rolle für die Beckenstabilität spielen. Übungen wie seitliches Beinheben, Hüftabduktion im Stand oder Stabilisationsübungen auf einem Bein trainieren die neuromuskuläre Kontrolle und reduzieren langfristig die mechanische Belastung auf den Trochanter. Ebenso wichtig ist die Kräftigung des Rumpfes, um die Hüfte in alltäglichen Bewegungen besser auszurichten.


Manuelle Therapie & Weichteiltechniken

Durch gezielte myofasziale Techniken können Verspannungen im Gesäß, im TFL (Tensor fasciae latae) und im seitlichen Oberschenkel gelöst werden. Dies verbessert die Belastungsverteilung und ermöglicht eine freiere Bewegung der Hüfte. Auch Triggerpunktbehandlungen oder Mobilisationen des Iliosakralgelenks gehören häufig dazu.


Medikamentöse Unterstützung & Injektionen

Bei starken Entzündungen können entzündungshemmende Medikamente sinnvoll sein. Kortison-Injektionen bringen kurzfristig deutliche Linderung, sollten aber nicht mehrfach eingesetzt werden, da sie die Sehnenqualität beeinträchtigen können. Moderne Alternativen wie PRP (Platelet-Rich Plasma) werden zunehmend genutzt, insbesondere bei chronischen Sehnenreizungen.


Langfristige Prognose

Die Prognose der trochanterischen Bursitis ist in den meisten Fällen sehr gut, vorausgesetzt die Therapie wird konsequent umgesetzt. Viele Patient:innen berichten bereits nach wenigen Wochen über eine deutliche Schmerzreduktion. Entscheidend für den langfristigen Erfolg ist der nachhaltige Aufbau der glutealen Muskulatur und die Optimierung von Bewegungsmustern im Alltag. Werden die biomechanischen Faktoren nicht korrigiert, kann die Bursitis immer wieder auftreten.

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Artikel geprüft von: Roman Welzk




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