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Warum schreit mein Kind auf dem Wickeltisch? - Ursachen, Hintergründe und was wirklich hilft


Das Schreien auf dem Wickeltisch gehört zu den häufigsten und zugleich belastendsten Situationen im Alltag mit einem Baby. Viele Eltern stellen sich irgendwann dieselbe Frage: Warum schreit mein Kind jedes Mal beim Wickeln? Besonders dann, wenn das Baby sonst ruhig, zufrieden oder ausgeglichen wirkt, kann dieses Verhalten verunsichern, stressen und sogar Schuldgefühle auslösen. Doch so intensiv das Schreien auch sein mag – in den allermeisten Fällen steckt kein Trotz, kein „schlechtes Verhalten“ und schon gar kein Erziehungsproblem dahinter. Vielmehr ist es ein Ausdruck von Bedürfnissen, Überforderung oder körperlichem Unwohlsein.


Dieser Artikel beleuchtet das Thema Schreien auf dem Wickeltisch umfassend und tiefgehend. Du erfährst, welche körperlichen, emotionalen und entwicklungsbedingten Ursachen dahinterstecken können, warum manche Kinder besonders stark reagieren und wie du die Wickelsituation nachhaltig entspannen kannst.






Schreien beim Wickeln – ein normales, entwicklungsbedingtes Verhalten

Zunächst ist es wichtig, eines klar festzuhalten: Schreien auf dem Wickeltisch ist bei Babys und Kleinkindern völlig normal. Besonders in den ersten Lebensmonaten ist das Nervensystem noch unreif. Babys können Reize nicht filtern, nicht einordnen und nicht regulieren. Alles, was plötzlich passiert, wirkt intensiv – manchmal überwältigend.

Das Wickeln vereint gleich mehrere Faktoren, die für ein Baby herausfordernd sind: Lageveränderung, Kälte, Helligkeit, Berührungen, Gerüche und das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Dass manche Kinder darauf mit Weinen oder Schreien reagieren, ist aus entwicklungspsychologischer Sicht absolut nachvollziehbar.


Die häufigsten Ursachen: Warum dein Kind auf dem Wickeltisch schreit


1. Kälte und das plötzliche Gefühl von Nacktheit

Babys kommen aus einer konstant warmen Umgebung. Beim Wickeln wird Kleidung entfernt, die Haut liegt frei und kalte Luft trifft auf den Körper. Gerade Neugeborene können ihre Körpertemperatur noch nicht gut regulieren. Das Gefühl von Kälte wird nicht nur als unangenehm, sondern als bedrohlich wahrgenommen. Schreien ist dann eine instinktive Reaktion.


2. Reizüberflutung durch Licht, Geräusche und Bewegung

Der Wickeltisch ist oft hell beleuchtet, vielleicht steht er in der Nähe eines Fensters oder unter einer Lampe. Zusätzlich gibt es Stimmen, Bewegungen und manchmal Musik oder Hintergrundgeräusche. Für Erwachsene wirkt das banal – für Babys kann es eine massive sensorische Überforderung sein. Schreien ist in diesem Fall kein Protest, sondern ein Zeichen: „Es ist mir zu viel.“


3. Hunger, Müdigkeit oder ein ungünstiger Zeitpunkt

Ein Baby, das hungrig oder übermüdet ist, hat kaum Ressourcen, um zusätzliche Anforderungen zu bewältigen. Wickeln erfordert Aufmerksamkeit, Körperregulation und Anpassung. Wenn grundlegende Bedürfnisse nicht erfüllt sind, reagiert das Nervensystem mit Stress – und dieser äußert sich häufig durch Weinen oder Schreien.


4. Körperliches Unwohlsein oder Schmerzen

Ein wunder Po, eine beginnende Windeldermatitis, Blähungen oder Bauchschmerzen können dazu führen, dass Berührungen als schmerzhaft empfunden werden. Auch kalte Feuchttücher oder zu festes Abwischen können Unbehagen auslösen. Manche Babys reagieren besonders sensibel auf Druck oder bestimmte Bewegungen.


5. Gefühl von Kontrollverlust und fehlender Sicherheit

Auf dem Wickeltisch liegt dein Kind meist auf dem Rücken, mit freiem Blick nach oben. Es kann sich nicht festhalten, nicht ausweichen und hat wenig Körperkontakt. Dieses Gefühl des Ausgeliefertseins kann Angst erzeugen. Besonders Kinder mit einem hohen Nähebedürfnis reagieren darauf sehr stark.


Warum schreien manche Babys besonders intensiv?

Nicht jedes Kind reagiert gleich. Manche Babys sind von Natur aus sensibler, nehmen Reize intensiver wahr und benötigen mehr Zeit, um sich an Abläufe zu gewöhnen. Auch Temperament, Schwangerschafts- und Geburtserfahrungen sowie das individuelle Nervensystem spielen eine Rolle.

Hinzu kommen Entwicklungsschübe, in denen Babys neue Fähigkeiten erlernen. In diesen Phasen ist das Nervensystem besonders gefordert. Was vorher problemlos funktionierte, kann plötzlich wieder schwierig werden – auch das Wickeln.


Schreien auf dem Wickeltisch und die emotionale Ebene

Ein oft unterschätzter Aspekt ist die emotionale Kommunikation. Babys können ihre Gefühle nicht regulieren und nicht sprachlich ausdrücken. Schreien ist ihre einzige Möglichkeit, auf innere Zustände aufmerksam zu machen. Wichtig ist: Dein Kind schreit nicht gegen dich, sondern für sich.

Auch deine eigene Anspannung spielt eine Rolle. Babys spüren sehr fein, wenn Eltern gestresst, unsicher oder unter Zeitdruck sind. Wickeln wird dann schnell zu einer angespannten Situation, die sich gegenseitig hochschaukelt.


Was hilft wirklich? Praktische und nachhaltige Lösungen


Wärme und Geborgenheit schaffen

Eine angenehme Raumtemperatur, vorgewärmte Unterlagen oder ein Handtuch über dem Bauch können helfen. Manche Eltern wickeln ihr Baby teilweise bekleidet und ziehen nur so viel aus wie nötig.


Langsame, ruhige Bewegungen

Hektik überträgt sich unmittelbar. Langsame Handgriffe, bewusste Pausen und ein ruhiger Rhythmus wirken regulierend auf das Nervensystem deines Kindes.


Kommunikation von Anfang an

Sprich ruhig mit deinem Baby, erkläre, was du tust, halte Blickkontakt. Auch Singen oder leises Summen kann beruhigend wirken. Deine Stimme ist ein wichtiger Anker.


Wickeln als Beziehungsmoment verstehen

Wenn möglich, betrachte das Wickeln nicht als lästige Pflicht, sondern als gemeinsamen Moment. Ohne Ablenkung, ohne Eile. Diese innere Haltung verändert oft mehr, als jede Technik.


Schmerzen und Hautprobleme ernst nehmen

Achte auf Rötungen, nässende Stellen oder ungewöhnliche Reaktionen. Sanfte Pflegeprodukte, weniger Reibung und gegebenenfalls medizinischer Rat können entscheidend sein.


Wann solltest du genauer hinschauen?

In den meisten Fällen ist Schreien beim Wickeln harmlos. Es gibt jedoch Situationen, in denen du aufmerksam sein solltest: Wenn das Schreien plötzlich sehr schrill wird, dein Kind sich steif macht, Berührungen stark vermeidet oder zusätzliche Symptome wie Fieber, Trinkverweigerung oder anhaltende Unruhe auftreten, ist eine fachliche Abklärung sinnvoll.


Fazit: Schreien beim Wickeln ist ein Signal, kein Problem

Wenn dein Kind auf dem Wickeltisch schreit, zeigt es dir, dass etwas gerade zu viel, zu kalt, zu unangenehm oder zu unsicher ist. Dieses Schreien ist keine Fehlentwicklung und kein Zeichen von Verwöhnung, sondern ein völlig natürlicher Ausdruck kindlicher Bedürfnisse. Mit Verständnis, Ruhe und kleinen Anpassungen lässt sich die Wickelsituation oft deutlich entspannen – für dein Kind und für dich.


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Artikel geprüft von: Roman Welzk




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